Laut Allegra World Coffee Portal betreibt McCafé im Jahr 2025 in Europa 3.983 Einheiten – mehr als jede andere Coffee-Chain auf dem Kontinent. Starbucks folgt mit 3.534 Standorten, Costa Coffee mit 3.097. Auf den ersten Blick liest sich diese Rangfolge wie ein klarer Marktführer-Befund: McDonald's Kaffeesparte hat den globalen Specialty-Coffee-Weltmarktführer überholt. Auf den zweiten Blick beschreibt sie drei fundamental verschiedene Geschäftsmodelle, die eine gemeinsame Einheitenmetrik teilen, aber auf unterschiedlichen Kaufentscheid-Strukturen aufbauen.
| Marke | Standorte Europa 2025 | Modell-Typ | Eigentümer |
|---|---|---|---|
| McCafé | 3.983 | Embedded (in McDonald's) | McDonald's Corporation |
| Starbucks | 3.534 | Standalone Premium-Destination | Starbucks Corporation / Lizenznehmer |
| Costa Coffee | 3.097 | Standalone Premium-Value | The Coca-Cola Company (seit 2019) |
Quelle: Allegra World Coffee Portal, April 2025 (worldcoffeeportal.com).
McCafé führt als McDonald's-Modul – kein eigenständiger Coffee-Betrieb in Europa
McCafé existiert in Europa nicht als freistehender Coffeeshop. Jede der 3.983 Einheiten ist eine Service-Komponente innerhalb eines McDonald's-Restaurants – ein Counter, eine Maschine, ein Sortiment, das an einen Restaurantbesuch oder einen Drive-Through-Durchlauf gebunden ist. Der Kaufentscheid bei McCafé folgt einer anderen Psychologie als bei Starbucks oder Costa: Wer einen McCafé-Kaffee kauft, hat in der Mehrzahl der Fälle primär ein anderes Motiv für den Besuch – ein Hauptgericht, einen Snack, eine Pause auf der Autobahn. Der Kaffee ist ein Impuls-Zusatzkauf, kein Primärziel.
Das McDonald's-System skaliert McCafé-Einheiten deshalb nicht als eigenständiges Expansionsprogramm, sondern als Umsatzoptimierung bestehender Standorte. Wenn McDonald's in einem Markt wächst, wächst McCafé automatisch mit. Wenn McDonald's einen Markt verlässt oder Standorte schließt, verschwindet McCafé mit. Das ist eine Wachstumslogik, die mit der Expansion von Starbucks oder Costa strukturell nichts gemein hat – und die die Standortzahl als Führungsmetrik für Marktmacht weitgehend entkräftet. Zum Vergleich: In Deutschland betreibt Starbucks rund 181 Standorte über seinen Lizenznehmer AmRest, ergänzt durch Lizenzen im Travel-Retail-Segment. Diese Standorte sind primär Coffee-Destination-Betriebe – der Kaufentscheid beginnt und endet mit Kaffee.
Starbucks und Costa kämpfen um dasselbe Premium-Segment – mit unterschiedlicher Eigentümerlogik
Starbucks (3.534 europäische Standorte) und Costa Coffee (3.097) adressieren denselben Kernkonsumenten: jemanden, der einen Café-Aufenthalt als Primärziel plant oder zumindest als eigenständige Pause einplant, dafür bereit ist, 3,50 bis 6,50 EUR für einen Kaffee zu zahlen, und eine Marken-Erwartung mitbringt, die über den Koffein-Gehalt hinausgeht. Beide Ketten sind Standalone-Betriebe, beide konkurrieren in Innenstadtlagen, Bahnhöfen, Flughäfen und Einkaufszentren.
Die Eigentümerlogik ist dabei fundamental verschieden. Starbucks operiert in Europa vorwiegend über Lizenzmodelle – in Deutschland über AmRest (eine polnisch-notierte Restaurant-Holding mit 2.139 Filialen europaweit), in anderen Märkten über weitere regionale Lizenznehmer. Costa Coffee gehört seit der Coca-Cola-Akquisition 2019 für 5,1 Mrd. USD einem Konzern, der Getränke-Vertrieb als Kernkompetenz hat und durch die weltweite Infrastruktur von Coca-Cola einen Kapital- und Logistik-Rücken besitzt, den keine andere Coffee-Chain in Europa replizieren kann. Die Frage für die Dekade bis 2035 ist, ob Coca-Cola diesen Vorteil in eine aggressive Expansion auf dem europäischen Kontinent umsetzt – oder ob das Costa-Portfolio weiterhin UK-dominiert bleibt.
Standortzahl als Führungsmetrik: Was das Ranking nicht misst
Die Allegra-Rangfolge nach Einheitenzahl misst korrekt, was sie misst: die Anzahl der Orte in Europa, an denen eine Marke ihren Kaffee verkauft. Was sie nicht misst, ist Marktmacht im Sinne von Markenloyalität, Verbraucher-Primärpräferenz, Revenue pro Einheit oder strategischem Wachstumspotenzial. Ein McCafé-Counter in einem McDonald's-Restaurant generiert typischerweise deutlich weniger Kaffee-Umsatz als ein Starbucks-Flagship-Store in einer Innenstadtlage. Die Einheitenmetrik setzt beide gleich.
Das Rennen um den europäischen Coffee-Markt bis 2030 wird deshalb nicht von Standortzahlen entschieden. Es wird entschieden von der Frage, welche Marke den Kaufentscheid besitzt, wenn ein Konsument ohne begleitendes Hunger-Motiv einen Kaffee holt – und bereit ist, dafür 4 EUR zu zahlen. In diesem Wettbewerb konkurrieren Starbucks und Costa Coffee direkt. McCafé spielt auf einem anderen Feld.
Quelle: Allegra World Coffee Portal, Leading coffee shop and café chains in Europe by number of units, April 2025 (worldcoffeeportal.com).




