Umsatz steigern

Was Restaurants von Kreuzfahrt-Anbietern lernen können – der All-Inclusive-Anker und der Bon nach dem Ticket

Kreuzfahrten verdienen rund ein Drittel ihres Umsatzes erst an Bord, ganz ohne Tricks. Drei seriöse Mechaniken für mehr Umsatz pro Gast in deinem Restaurant.

Michael Krause
Michael Krause
22 Min. Lesezeit
Was Restaurants von Kreuzfahrt-Anbietern lernen können – der All-Inclusive-Anker und der Bon nach dem Ticket

Eine ganze Industrie macht rund ein Drittel ihres Umsatzes erst, nachdem das Ticket längst bezahlt ist. Royal Caribbean nahm im Geschäftsjahr 2024 etwa 11,5 Milliarden US-Dollar mit dem verkauften Ticket ein und weitere rund 5 Milliarden an Bord, das sind knapp 30 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 16,5 Milliarden, so die SEC-Bilanz von Royal Caribbean. Bei Carnival lag der an Bord verdiente Anteil im selben Zeitraum sogar bei rund 34 Prozent. Das Ticket bringt die Menschen an Bord. Der Gewinn entsteht danach.

Dein Restaurant funktioniert an dieser Stelle spiegelverkehrt. Der Gast kommt herein, isst, zahlt seinen Bon, und du hoffst auf das nächste Mal. Die teure Arbeit, ihn überhaupt an den Tisch zu bekommen, ist erledigt, sobald er sitzt. Und genau in diesem Moment, in dem eine Reederei richtig anfängt zu verdienen, hörst du auf.

Eine der beiden Industrien lässt systematisch Geld auf dem Tisch liegen. Es ist nicht die mit den zu 99 Prozent gefüllten Schiffen.

Das Interessante daran: Der große Onboard-Umsatz entsteht bei den seriösen Anbietern nicht durch Abzocke. Die deutsche TUI-Kreuzfahrtsparte verkauft ihr Spitzenprodukt als „Premium Alles Inklusive“, mit Getränken und Trinkgeld im Basispreis. AIDA holte 2024 knapp 1,5 Millionen Gäste an Bord. Beide verdienen prächtig am Gast, der schon da ist, und trotzdem steigt niemand mit dem Gefühl von der Gangway, betrogen worden zu sein. Diese Mechanik lässt sich übersetzen, und zwar sauber.

Was du in diesem Text mitnimmst:

  • Warum ein großzügiger All-Inclusive-Anker den Bon hebt, obwohl scheinbar schon alles drin ist, und wie du ihn in ein Anker-Menü übersetzt
  • Warum dein Gast in dem Moment, in dem er sitzt, zu einer Captive Audience wird, und was diese gebundene Situation für dich wert ist
  • Wie du ehrliche Bord-Aufpreise anbietest, die sich wie ein Geschenk anfühlen und nicht wie eine Falle
  • Was du von Kreuzfahrt-Anbietern auf keinen Fall übernehmen solltest, wenn dir deine Stammgäste lieb sind
  • Welche Zahl aus der Kreuzfahrt-Bilanz beweist, dass „nach dem Verkauf verkaufen“ ein Geschäftsmodell ist und kein Trick

Kurz gefasst (40 Sekunden):

Kreuzfahrt-Reedereien verdienen rund ein Drittel ihres Umsatzes erst an Bord, bei Royal Caribbean knapp 30 Prozent, bei Carnival rund 34 Prozent. Der Motor dahinter sind drei Mechaniken, die sich auf jedes Restaurant übertragen lassen. Erstens der All-Inclusive-Anker: eine großzügige Basis zum runden Preis, die den Cent-Vergleich beendet und den Gast für Upgrades öffnet. Zweitens die Captive Audience: der sitzende Gast, dessen teure Akquise erledigt ist und dessen nächste Ja-Entscheidung leichtfällt. Drittens der ehrliche Bord-Aufpreis: klar bepreiste, sichtbar optionale Upgrades. Hauptwirkung im Restaurant ist der Wachstumsfaktor Durchschnittsbon, die Ausgabe pro Besuch. Das L in unserem V.O.L.L.-Prinzip, lukrativ.


Was Kreuzfahrt-Anbieter tun Warum das für dein Restaurant zählt
Rund ein Drittel des Umsatzes entsteht erst an Bord, nach dem Ticket Der Umsatz pro Gast entscheidet, nicht der Umsatz pro Reservierung
Großzügiger All-Inclusive-Anker (TUI: „Premium Alles Inklusive“) Ein fairer Anker vorne öffnet den Gast für Ausgaben, statt ihn zu verschließen
Der Gast ist an Bord, die Akquise ist bezahlt Sobald dein Gast sitzt, ist jede weitere Ja-Entscheidung Grenznutzen
Ehrliche, klar bepreiste Extras (Spezialitätenrestaurant, Pairing) Ein sichtbares Upgrade hebt den Bon, ohne den Preis vorne anzufassen
Rund 99 Prozent Auslastung plus frühe Vorauszahlung Vorkasse und Deposits glätten deine Nebensaison und sichern Liquidität

Kreuzfahrt-Anbieter sind dabei nur ein Vorbild von vielen. Welche anderen Branchen dein Restaurant kopieren kann, sammelt der Überblick Was Restaurants von anderen Branchen lernen können.


Warum Kreuzfahrten fast ein Drittel ihres Umsatzes erst an Bord verdienen

Für eine Reederei ist das Ticket der Türöffner. Es deckt die Passage, die Kabine, die Grundverpflegung, und es bringt den Gast physisch dorthin, wo das eigentliche Geschäft stattfindet. An Bord. Dort warten das Spezialitätenrestaurant, die Getränkepakete, die Ausflüge, das Spa, die Fotografie, der Shop. Alles Umsatz, der erst entsteht, wenn der Gast schon bezahlt hat und schon da ist.

Wie groß dieser zweite Topf ist, zeigen die geprüften Bilanzen. Royal Caribbean wies für 2024 rund 11,5 Milliarden US-Dollar Ticketerlöse und rund 5 Milliarden US-Dollar Onboard-Erlöse aus, macht bei einem Gesamtumsatz von etwa 16,5 Milliarden knapp 30 Prozent an Bord. Carnival kam laut seinem Geschäftsbericht im Geschäftsjahr 2024 auf rund 8,6 Milliarden US-Dollar aus dem Bereich Onboard and Other bei etwa 25 Milliarden Gesamtumsatz, also rund 34 Prozent. Zwei der größten Reedereien der Welt, dieselbe Größenordnung: Ein knappes bis gutes Drittel des Geldes kommt herein, nachdem das Ticket verkauft ist.

Der deutsche Markt bestätigt das Muster, mit einem freundlicheren Gesicht. Die TUI-Kreuzfahrtsparte, zu der TUI Cruises mit Mein Schiff, Hapag-Lloyd Cruises und Marella gehören, meldete für das Geschäftsjahr 2024 einen Durchschnittsumsatz von rund 93 Euro pro Bett und Nacht, ein Plus von 7 Prozent. Das bereinigte Ergebnis der Sparte kletterte auf rund 374 Millionen Euro, nach rund 236 Millionen im Vorjahr, so der TUI-Geschäftsbericht 2024. AIDA brachte 2024 knapp 1,5 Millionen Gäste an Bord, ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und steht damit für rund die Hälfte aller deutschen Kreuzfahrer, so eine Pressemitteilung von AIDA Cruises. AIDA gilt als drittgrößter deutscher Reiseveranstalter.

Übersetze das auf deinen Betrieb. Deine „Ticketerlöse“ sind der Hauptgang, den der Gast ohnehin bestellt. Dein „Onboard-Umsatz“ ist alles, was danach geht: der Aperitif, die Weinbegleitung, der zweite Gang, den er sich sonst gespart hätte, der Digestif, der Nachtisch zum Teilen. Für die Reederei ist der zweite Topf ein Drittel des Geschäfts. In vielen Restaurants ist er ein Rinnsal, weil niemand ihn bewusst gestaltet.

Und das ist der eigentliche Punkt. Die Reederei überlässt diesen zweiten Topf nicht dem Zufall. Sie plant ihn, sie bepreist ihn, sie schult ihre Crew darauf, und sie misst ihn Quartal für Quartal in der Bilanz. Im Restaurant dagegen hängt der zweite Topf meist an der Tagesform des Service, an der Frage, ob heute Abend jemand daran denkt, den Digestif anzubieten. Was bei der Reederei ein Prozess ist, ist im Restaurant ein Zufall. Genau diesen Unterschied schließt du, wenn du die drei Mechaniken aus diesem Text bewusst in deinen Ablauf einbaust. Du musst dafür deine Preise vorne nicht anfassen und keinen einzigen Gast mehr durch die Tür bekommen. Du gestaltest nur, was mit dem Gast passiert, der ohnehin schon sitzt.

Genau hier setzt der wichtigste der vier GastroInsider Wachstumsfaktoren für dieses Thema an: der Durchschnittsbon, die Ausgabe pro Besuch. Ob ein Gast 34 Euro oder 46 Euro auf dem Bon stehen hat, entscheidet über deinen Deckungsbeitrag pro Tisch, und diese Entscheidung fällt fast immer erst, wenn er schon sitzt. Wie du diesen Bon systematisch anhebst, zeigt der Leitfaden Durchschnittsbon steigern im Restaurant im Detail. Dieser Text liefert das Denkmodell dahinter, geborgt von einer Industrie, die es zur Perfektion gebracht hat.


Bord-Boutique mit Regalen voller Premium-Waren zeigt den Onboard-Umsatz der Kreuzfahrt

Die drei Mechaniken, die eine Kreuzfahrt profitabel machen

Der Onboard-Umsatz einer Reederei sieht nach vielen kleinen Posten aus, doch darunter liegen nur drei Bewegungen, die immer wieder greifen. Sie bauen aufeinander auf, und jede einzelne lässt sich in eine Form übersetzen, die ein Restaurant mit sechzig Plätzen einsetzen kann.

Erstens der All-Inclusive-Anker. Eine großzügige Basis, in der scheinbar schon alles drin ist, macht den Preis vorne fair und setzt einen hohen Referenzwert. Der Gast hört auf, jeden Posten einzeln zu vergleichen, und wird für zusätzliche Ausgaben offen.

Zweitens die Captive Audience. Der Gast ist an Bord. Es gibt kein Konkurrenz-Restaurant zwei Straßen weiter. Seine nächste Entscheidung, ein Getränk, ein Upgrade, ein Extra, fällt leicht, weil er ohnehin schon in Ausgabe-Laune ist und die teure Anreise hinter sich hat.

Drittens der Bord-Aufpreis. Klar signalisierte Upgrades, die ein echtes Erlebnis versprechen und sich wie ein Geschenk anfühlen. Das Spezialitätenrestaurant, das Getränkepaket, der Ausflug. Optional, sichtbar bepreist, wertig.

Jede dieser drei Bewegungen zielt im Restaurant zuerst auf den Wachstumsfaktor Durchschnittsbon (F3), die Ausgabe pro Besuch. Der All-Inclusive-Anker stärkt zusätzlich die Frequenz (F2), weil ein rundes, gutes Erlebnis den Gast schneller wiederkommen lässt. Und die Auslastungs-Lektion am Ende dieses Textes zahlt auf die Grundauslastung (F1) ein, den Boden, auf dem alles andere steht. Die drei Mechaniken schauen wir uns jetzt einzeln an.


All-Inclusive-Buffet an Bord eines Kreuzfahrtschiffs steht fuer drei Umsatz-Mechaniken

Mechanik 1: Der All-Inclusive-Anker, warum „Premium Alles Inklusive“ den Bon hebt statt senkt

Auf den ersten Blick wirkt ein All-Inclusive-Paket wie das Gegenteil von mehr Umsatz. Wenn schon alles im Preis steckt, wie soll der Gast dann noch mehr ausgeben? Die deutsche Kreuzfahrt beantwortet diese Frage jeden Tag mit einer vollen Kasse.

Das Spitzenprodukt der TUI-Kreuzfahrtsparte heißt „Premium Alles Inklusive“. Getränke in großer Auswahl und das Trinkgeld sind im Basispreis abgedeckt. Der Gast bucht einmal, und die kleinen Rechnereien an Bord fallen weg. Kein Nachdenken über den Preis jedes einzelnen Glases, keine Rechnung, die am Ende überrascht. Genau diese Großzügigkeit vorne ist der Grund, warum der Umsatz pro Bett und Nacht steigt und nicht fällt.

Dahinter arbeitet ein Effekt aus der Preispsychologie, der Anker. Der erste Preis, den ein Gast wahrnimmt, wird zum Bezugspunkt für alles, was danach kommt. Wer vorne großzügig ankert, entkoppelt den Gast vom Cent-Vergleich. Er hat sich einmal für den runden, guten Preis entschieden und wechselt damit vom Modus des Prüfers in den Modus des Genießers. In diesem zweiten Modus fühlt sich ein zusätzliches Extra wie eine kleine Belohnung obendrauf an, kaum noch wie eine weitere Ausgabe, die er gegen den Rest aufrechnet.

Die Restaurant-Übersetzung: das Anker-Menü

Übersetzt in deinen Betrieb heißt der All-Inclusive-Anker: ein Anker-Menü oder ein Anker-Abend zum runden Preis, in dem spürbar mehr steckt, als der Gast erwartet. Nenne es „Der Anker-Abend“. Ein Beispiel für den Aufbau:

  • Ein Aperitif zur Begrüßung, sobald der Gast sitzt. Der Ton ist gesetzt, bevor die Karte auf dem Tisch liegt.
  • Vier Gänge zum festen Preis, klar beschrieben, mit einer kleinen Überraschung, die nicht auf der Karte stand, einem Gruß aus der Küche.
  • Wasser ohne Zusatzrechnung über den ganzen Abend. Der Posten, über den Gäste sich am häufigsten ärgern, verschwindet leise.
  • Ein runder Gesamtpreis, der sich merken lässt und der teurer ist als ein einzelner Hauptgang, aber günstiger wirkt als die Summe der Einzelteile.

Ein gehobenes Restaurant im süddeutschen Raum, hier anonymisiert, hat sein klassisches À-la-carte-Angebot am Wochenende um genau so einen Anker-Abend ergänzt. Der spürbare Effekt zeigte sich an einer Stelle, die man leicht übersieht: Der Cent-Vergleich am Tisch hörte auf. Wer den Anker-Abend gebucht hatte, bestellte die Weinbegleitung dazu häufiger, weil die Grundentscheidung für einen guten Abend schon getroffen war. Der Bon stieg, und die Gäste fühlten sich großzügig behandelt.

Der Punkt für dich: Ein fairer, großzügiger Anker vorne wirkt wie ein Vertrauens-Signal, das den Gast öffnet, weit über eine reine Rabattaktion hinaus. Wer sich vorne fair behandelt fühlt, gibt hinten mehr aus.

F-Anker: F3 (Durchschnittsbon) primär, weil der geöffnete Gast bereitwilliger Zusatzumsatz macht, dazu F2 (Frequenz), weil ein rundes Erlebnis schneller zum nächsten Besuch führt. Rechne im Modell konservativ mit einem um 15 bis 30 Prozent höheren Bon bei Gästen, die statt einzelner Gänge den Anker-Abend wählen, weil Weinbegleitung und Extras leichter dazukommen. Das ist eine Modellannahme, kein garantierter Wert, und sie hängt an deiner Kalkulation.


Grosszuegig gedeckte All-Inclusive-Bar an Bord als Bild fuer den All-Inclusive-Anker

Mechanik 2: Die Captive Audience, dein Gast ist längst an Bord

Auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es keine Konkurrenz zwei Straßen weiter. Wenn der Gast abends Hunger hat, isst er an Bord. Wenn er ein Glas Wein möchte, kauft er es an Bord. Er ist gebunden im freundlichen Sinn, einfach schon da und schon in Ausgabe-Laune. Diesen Zustand nennt man Captive Audience, das gebundene Publikum. Für die Reederei ist er Gold wert, weil die teure Arbeit, den Gast überhaupt an Bord zu bekommen, längst erledigt und bezahlt ist. Jede weitere Entscheidung des Gastes ist reiner Grenznutzen.

Dein Restaurant hat exakt denselben Moment, und die meisten Häuser verschenken ihn. Sobald ein Gast an deinem Tisch sitzt, ist deine teuerste Arbeit getan. Die Werbung, die Bewertung, die er gelesen hat, die Reservierung, der Weg zu dir, all das ist Vergangenheit. Er ist da. Er hat Zeit mitgebracht, Hunger, gute Laune und in aller Regel etwas mehr Budget, als der Grundgang kostet. Ab diesem Punkt ist jede weitere Ja-Entscheidung leicht, wenn du sie überhaupt anbietest.

Und da liegt das Problem. In vielen Betrieben passiert nach dem Hinsetzen zu wenig. Die Wasserkaraffe kommt ungefragt, ein Aperitif wird nie vorgeschlagen, der Digestif nach dem Essen bleibt unerwähnt, weil der Service schon beim nächsten Tisch ist. Der gebundene Moment, für den eine Reederei ein Vermögen bezahlt, verstreicht ungenutzt.

Die Restaurant-Übersetzung: der An-Bord-Moment

Nenne dieses Zeitfenster „Der An-Bord-Moment“ und behandle es als das, was es ist: die wertvollste Gelegenheit des ganzen Abends. Drei Griffe reichen, um ihn zu nutzen:

  • Der erste Vorschlag kommt, bevor die Karte gelesen ist. Ein freundlich vorgeschlagener Aperitif oder ein alkoholfreies Signature-Getränk zur Begrüßung setzt den Ton. Der Gast, der schon ein Getränk vor sich hat, ist innerlich angekommen.
  • Eine echte Empfehlung statt einer Frage. „Möchten Sie noch etwas?“ lädt zum Nein ein. „Zu dem Fisch passt unser gereifter Grüner Veltliner besonders gut, darf ich Ihnen ein Glas bringen?“ ist ein Angebot mit Substanz, das der Gast als Aufmerksamkeit erlebt.
  • Der Abschluss gehört dazu. Nach dem Hauptgang die kleine Dessertauswahl zeigen, den Espresso mit Digestif anbieten. Der satte, zufriedene Gast sagt zu einem guten Abschluss öfter Ja, als du denkst.

Ein familiengeführtes Restaurant im Rheinland, hier anonymisiert, hat für den An-Bord-Moment nur eine einzige Regel eingeführt: Kein Tisch bekommt die Wasserkaraffe, bevor nicht ein Getränk vorgeschlagen wurde. Keine Skripte, kein Verkaufsdruck, nur diese eine Reihenfolge im Ablauf. Der Aperitif-Anteil stieg deutlich, und das Team berichtete, dass die Gäste den Vorschlag als Aufmerksamkeit erlebten, nicht als Verkauf. Der gebundene Moment war vorher jeden Abend da gewesen. Er wurde nur nicht genutzt.

Wichtig ist die Haltung dahinter. Der gebundene Moment ist eine Chance auf ein besseres Erlebnis für den Gast, kein Freibrief, ihm etwas aufzuschwatzen. Der Unterschied ist im Ton hörbar. Ein guter Vorschlag macht den Abend reicher. Ein Verkaufsdruck macht ihn ärmer. Die konkrete Gesprächstechnik dafür, welche Formulierungen den Bon heben, ohne dass der Gast sich bedrängt fühlt, steht ausführlich in Zusatzverkauf und Upselling in der Gastronomie.

F-Anker: F3 (Durchschnittsbon), weil der genutzte An-Bord-Moment direkt auf die Ausgabe pro Besuch wirkt. Ein Aperitif, ein Glas Weinbegleitung und ein Digestif summieren sich pro Gast schnell auf 12 bis 18 Euro Zusatzumsatz, die ohne Vorschlag nie entstanden wären.


Kabine mit Meerblick-Fenster steht fuer den bereits an Bord gebundenen Gast

Mechanik 3: Der Bord-Aufpreis, ehrliche Upgrades, die sich wie ein Geschenk anfühlen

Neben dem großzügigen Grundpaket bietet jede Reederei die kleinen Erhebungen oben drauf an, und hier liegt der Löwenanteil des Onboard-Umsatzes. Das Spezialitätenrestaurant mit Aufpreis, der Chef's Table, das gehobene Getränkepaket, der besondere Landausflug. Diese Aufpreise funktionieren, wenn sie drei Bedingungen erfüllen: Sie sind sichtbar optional, sie sind klar bepreist, und sie sind ein echtes Upgrade gegenüber der ohnehin guten Basis.

Der letzte Punkt ist der entscheidende. Ein guter Bord-Aufpreis nimmt dem Gast nichts weg, das er erwartet hat. Er legt etwas oben drauf, das er nicht erwartet hat. Das Hauptrestaurant ist gut, und das Spezialitätenrestaurant ist ein Erlebnis. Weil die Basis stimmt, fühlt sich der Aufpreis wie eine freie Wahl an, wie ein Geschenk, das der Gast sich selbst macht. Das ist der ganze Unterschied zwischen einem Upgrade und einer Falle.

Die Restaurant-Übersetzung: die Kapitäns-Extras

Bau dir eine kleine, klar benannte Upgrade-Karte neben dem Anker-Menü und nenne sie „Kapitäns-Extras“. Drei bis vier ehrliche Extras reichen:

  • Die Weinbegleitung zum Menü, pro Gang ein passendes Glas, als benanntes Paket zum festen Preis. Der Gast muss nicht selbst durch die Karte suchen, er bekommt eine kuratierte Reise.
  • Der Extra-Gang, ein zusätzlicher Käsegang oder eine kleine Zwischenspeise, „heute Abend als Extra-Gang“ angeboten. Optional, sichtbar, klar bepreist.
  • Der besondere Abschluss, eine kleine Auswahl gereifter Spirituosen oder ein Dessert-Sharing für den Tisch, das über den Standard hinausgeht.
  • Der Tisch mit dem besten Platz, am Fenster oder mit Blick in die offene Küche, als buchbares Extra für den besonderen Anlass.

Ein Restaurant mit gehobener regionaler Küche, hier anonymisiert, hat genau so eine Upgrade-Karte eingeführt, mit vier benannten Extras auf einer eigenen kleinen Karte. Der Anteil der Gäste, die mindestens ein Extra dazubuchten, lag nach wenigen Monaten im zweistelligen Prozentbereich, und der durchschnittliche Bon an diesen Tischen stieg spürbar. Getragen hat das die Klarheit. Die Extras waren benannt, bepreist und sichtbar, und der Gast konnte in Ruhe wählen, ganz ohne jeden Druck.

Die Abgrenzung zur reinen Aufschwatze ist dieselbe wie bei der Captive Audience: Ein Extra ist ein Angebot, das der Gast annehmen oder ablehnen kann, ohne dass ihm etwas fehlt, wenn er ablehnt. Die operative Technik, wie du solche Extras auf der Karte platzierst und im Service anbietest, vertieft Zusatzverkauf und Upselling in der Gastronomie. Dieser Text liefert das Prinzip: großzügige Basis, ehrliche Erhebung darüber.

F-Anker: F3 (Durchschnittsbon) primär, weil jedes angenommene Extra direkt auf den Bon einzahlt. Bei einem Extra-Anteil von 15 bis 25 Prozent der Tische und einem durchschnittlichen Extra von 9 bis 20 Euro pro Tisch bewegt sich über einen vollen Service-Abend eine dreistellige Summe zusätzlich, ohne einen einzigen zusätzlichen Gast. Die Werte sind eine Modellrechnung, kein Versprechen.


Elegant eingedeckte Kapitaens-Tafel an Bord als Bild fuer den ehrlichen Bord-Aufpreis

Was du NICHT von Kreuzfahrt-Anbietern übernehmen solltest

Jetzt die notwendige Bremse, denn die Kreuzfahrt hat auch eine dunkle Seite, und Teile der Branche haben sie sich hart erarbeitet. „Kostenfalle Kreuzfahrt“ ist eine der meistgesuchten Wortkombinationen zum Thema, und der Reflex vieler Menschen, dass Bord-Aufpreis gleich Nepp bedeutet, kommt nicht von ungefähr. Genau diese Fehler kopierst du auf keinen Fall in dein Restaurant, sonst zerstörst du das Vertrauen, das die drei Mechaniken oben aufbauen.

Erstens: das Nickel-and-Diming. In Teilen der internationalen Branche wird jede Kleinigkeit einzeln bepreist. Jedes Glas Wasser, jeder WLAN-Zugang für rund 10 bis 35 Euro pro Tag, jedes Getränkepaket für 30 bis 95 Euro pro Tag. Für sich genommen ist jeder Posten erklärbar. In der Summe erzeugt dieses Kleinklein genau den Frust, den du an deinem Tisch nie willst. Der deutsche Weg mit der großzügigen Basis, den TUI und AIDA vormachen, ist hier die Referenz. Ein fairer Anker vorne, ehrliche Extras hinten. Nicht ein Tarif für jeden Atemzug.

Zweitens: die versteckte Zwangsgebühr. In Teilen der Branche wird automatisch eine Servicegebühr aufs Bordkonto gebucht, dazu kommen Aufschläge von rund 15 bis 20 Prozent auf jedes einzelne Getränk. Der Gast erfährt es oft erst auf der Abrechnung. Übertragen in dein Restaurant wäre das der stille Aufpreis, das Kleingedruckte, die Überraschung auf der Rechnung. Ein sicherer Weg, einen Gast ein einziges Mal zu sehen. Dein Aufpreis ist immer sichtbar, immer freiwillig, immer vorher bekannt. Der Gast entscheidet mit offenen Augen, oder er entscheidet gar nicht.

Drittens: die Knappheits-Erpressung. „Nur noch heute buchbar“, künstliche Verknappung als Druckmittel. Ein Kreuzfahrt-Gast ist meist einmal an Bord, und mancher Anbieter kalkuliert genau damit. Dein Restaurant lebt vom Gegenteil. Es lebt von dem Gast, der in zehn Jahren noch kommt, der seine Familie mitbringt, der dich weiterempfiehlt. Wer seine Stammgäste unter Druck setzt, tauscht die Bindungsdauer gegen einen einmaligen Extra-Euro. Das ist ein schlechtes Geschäft.

Die Faustregel für alles, was du an Aufpreis und Extra einführst, passt auf einen Bierdeckel: Wenn der Gast die Rechnung sieht und überrascht ist, hast du es falsch gemacht. Wenn er sie sieht und denkt „das war es wert“, hast du es richtig gemacht. Der gute Anker und das ehrliche Upgrade bestehen diesen Test. Die versteckte Gebühr besteht ihn nie.


Ueberladene Aufpreis-Liste eines Bordkontos als Warnbild gegen die Kostenfalle Kreuzfahrt

Die Auslastungs-Lektion: 99 Prozent volle Schiffe und was Vorkasse damit zu tun hat

Es gibt eine zweite Zahl aus der Kreuzfahrt, die für dich zählt, und sie hat weniger mit dem Bon zu tun als mit deinem Cashflow. Die TUI-Kreuzfahrtsparte fuhr 2024 mit einer durchschnittlichen Auslastung von rund 99 Prozent, nach 94 Prozent im Vorjahr. Ein Schiff, das zu 99 Prozent belegt ist, ist ein wirtschaftlicher Traum, weil die Fixkosten dieselben bleiben, egal ob die letzte Kabine leer bleibt oder nicht. Jeder zusätzlich gefüllte Platz ist fast reiner Deckungsbeitrag.

Reedereien erreichen diese Auslastung nicht durch Zufall. Sie kassieren früh. Wer bucht, zahlt eine Anzahlung, oft viele Monate vor der Reise, und den Rest vor dem Ablegen. Das Geld ist da, bevor die Leistung erbracht wird. Zwei Effekte auf einmal: Der Gast ist gebunden, weil er schon gezahlt hat, und die Liquidität ist gesichert, lange bevor Kosten anfallen.

Für dein Restaurant lässt sich das leichtgewichtig übersetzen, ohne dass du zum Reisebüro wirst. Nenne es „Die Vorkasse-Kabine“:

  • Deposits für Gruppen und Events. Wer einen Tisch für zwölf Personen oder einen ganzen Raum bucht, hinterlegt eine Anzahlung. Das reduziert No-Shows bei genau den Buchungen, die am meisten wehtun, und bringt Liquidität vorab.
  • Ticketing für besondere Abende. Das Weinmenü im Herbst, das Themen-Dinner, der Silvesterabend werden als bezahltes Ticket verkauft, nicht als lose Reservierung. Der Platz ist erst dann deiner, wenn er bezahlt ist.
  • Menü-Vorauszahlung für planbare Anlässe. Beim mehrgängigen Sondermenü zahlt der Gast bei der Buchung. Du kalkulierst den Einkauf genau, wirfst nichts weg, und das Geld ist vor dem Wareneinsatz da.

Diese Formate glätten deine Nebensaison und machen die schwachen Wochen planbarer. Sie ersetzen keine gute Küche und kein gutes Marketing, aber sie geben dir einen Boden. Halte es bewusst schlank, denn die eigentliche Musik dieses Textes spielt beim Bon, nicht beim Cashflow. Wer beim Auslastungs-Thema tiefer einsteigen will, findet die verwandte Logik der Preisdifferenzierung nach Tag und Nachfrage in Was Restaurants von Fluggesellschaften lernen können.

F-Anker: F1 (Grundauslastung), weil Vorkasse und Deposits die Kapazität schützen und die schwachen Zeiten stabilisieren. Das ist der Boden, auf dem der Bon-Hebel überhaupt erst wirken kann.


Gangway fuehrt an Bord und steht fuer Auslastung und Vorkasse der Kreuzfahrt

Fazit: Du brauchst kein Schiff, du brauchst einen Anker, einen Moment und ein ehrliches Upgrade

Rund ein Drittel ihres Umsatzes verdienen die großen Reedereien erst, nachdem das Ticket bezahlt ist. Bei Royal Caribbean knapp 30 Prozent, bei Carnival rund 34 Prozent. Diese Zahl ist der eigentliche Beweis dieses Textes, denn sie zeigt, dass „nach dem Verkauf verkaufen“ ein tragendes Geschäftsmodell ist und kein billiger Trick. Wer das seriös macht, wie die deutsche Kreuzfahrt es vormacht, verdient prächtig und schickt zufriedene Gäste nach Hause.

Für dein Restaurant liegen drei Hebel auf dem Tisch, und du kannst sie einzeln oder gemeinsam ziehen. Der All-Inclusive-Anker passt in fast jedes Haus, weil ein großzügiges, rundes Angebot vorne den Gast öffnet. Die Nutzung der Captive Audience passt in jedes Haus mit sitzenden Gästen, denn den An-Bord-Moment hat jeder, der einen Tisch eindeckt. Der Bord-Aufpreis passt am besten in Häuser mit Erlebnis-Substanz, die ein echtes Upgrade oben drauf legen können. Alle drei zahlen auf denselben Wachstumsfaktor ein: den Durchschnittsbon, die Ausgabe pro Besuch, das L in unserem V.O.L.L.-Prinzip, lukrativ.

Der eine Satz, den du mitnehmen solltest: Hör auf, nur den Hauptgang zu verkaufen, und gestalte bewusst, was nach dem Hinsetzen passiert. Die teure Arbeit, den Gast an den Tisch zu bekommen, hast du längst bezahlt. Die Kreuzfahrt-Industrie beweist Bilanz für Bilanz, dass genau in diesem Moment das Geld liegt, das die meisten Restaurants achtlos liegen lassen.

Kreuzfahrt-Anbieter sind dabei nur eine von vielen Branchen, deren Mechaniken sich übertragen lassen. Als nächste Lektüre lohnt der Blick auf zwei Nachbarn aus derselben Welt der Reise und Gastfreundschaft: Was Restaurants von Hotelketten lernen können und Was Restaurants von Fluggesellschaften lernen können. Den Gesamtüberblick liefert der Hub Was Restaurants von anderen Branchen lernen können.


P.S. Ich suche 3 Gastronomen, die in den nächsten 90 Tagen ihren Durchschnittsbon mit einem fairen Anker-Menü und einer ehrlichen Upgrade-Karte anheben wollen, ganz ohne das Kostenfallen-Gefühl. Im Newsletter gehe ich Schritt für Schritt durch, wie du ein Anker-Menü über den Deckungsbeitrag kalkulierst, wie du die Kapitäns-Extras formulierst, ohne nach Nepp zu klingen, und welche drei Fehler beim ersten Bord-Aufpreis-Test die häufigsten sind. Wenn du das liest und denkst „das wäre genau richtig für mich“, dann ist jetzt der richtige Moment, dich einzutragen.


Messing-Anker eines Schiffs als Bild fuer Anker, Moment und ehrliches Upgrade

Häufige Fragen zu Bon-Steigerung und All-Inclusive im Restaurant

Wie steigere ich den durchschnittlichen Bon pro Gast im Restaurant?

Der Bon steigt zuverlässig über drei Hebel, die aus der Kreuzfahrt stammen. Erstens ein Anker-Menü zum runden Preis, das den Cent-Vergleich beendet und den Gast öffnet. Zweitens der bewusst genutzte Moment, in dem der Gast schon sitzt, mit einem echten Getränke- und Gang-Vorschlag statt einer Ja-Nein-Frage. Drittens eine kleine, ehrliche Upgrade-Karte mit klar bepreisten Extras. Alle drei zahlen auf den Wachstumsfaktor Durchschnittsbon ein, die Ausgabe pro Besuch.

Was ist ein All-Inclusive-Anker in der Gastronomie?

Ein All-Inclusive-Anker ist eine großzügige Basis zum runden Preis, in der spürbar mehr steckt, als der Gast erwartet, zum Beispiel ein Anker-Abend mit Aperitif, vier Gängen und Wasser ohne Zusatzrechnung. Er übersetzt die Logik der „Premium Alles Inklusive“-Angebote der Kreuzfahrt. Der Effekt: Der Gast hört auf, jeden Posten einzeln zu vergleichen, fühlt sich fair behandelt und gibt für Extras bereitwilliger Geld aus. Ein guter Anker hebt den Bon.

Ist Upselling im Restaurant unseriös?

Nein, solange es ein Upgrade bleibt und kein Aufschwatzen wird. Ein seriöses Extra ist sichtbar optional, klar bepreist und ein echter Mehrwert, den der Gast annehmen oder ablehnen kann, ohne dass ihm etwas fehlt. Unseriös wird es erst beim Kostenfallen-Modell mit versteckten Zwangsgebühren, automatischen Servicezuschlägen und künstlicher Verknappung. Die Faustregel: Wenn der Gast die Rechnung sieht und überrascht ist, war es falsch. Wenn er denkt „das war es wert“, war es richtig.

Wie viel Umsatz machen Kreuzfahrten an Bord statt mit dem Ticket?

Rund ein Drittel. Royal Caribbean verdiente 2024 laut SEC-Bilanz mit rund 5 Milliarden US-Dollar an Bord knapp 30 Prozent seines Gesamtumsatzes von etwa 16,5 Milliarden, den Rest über das Ticket. Bei Carnival lag der an Bord verdiente Anteil im selben Zeitraum bei rund 34 Prozent. Das Ticket bringt den Gast an Bord, ein knappes bis gutes Drittel des Geldes entsteht erst danach. Genau dieser zweite Topf ist im Restaurant der Durchschnittsbon.

Bar-Arrangement mit Glaesern an Bord illustriert Fragen zur Bon-Steigerung

Teil des Reisebranche-Clusters: Dieser Beitrag gehört zum GastroInsider-Cluster Was Restaurants von der Reisebranche lernen – wie du deine Auslastung steuerst wie Hotels, Airlines und Kreuzfahrer.

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