Im Jahr 2025 nutzen rund 383 Millionen Europäer Online-Food-Delivery-Dienste – entweder für fertige Mahlzeiten oder für Lebensmittel. Bis 2030 soll diese Zahl auf 449 Millionen steigen. Das klingt nach einem Wachstumsmarkt, der alle Beteiligten trägt. Die Revenue-Zahlen hinter der Nutzer-Kurve erzählen eine andere Geschichte: Der europäische Online-Delivery-Markt spaltet sich strukturell in zwei Hälften, und die Restaurant-Seite dieser Spaltung zieht den Kürzeren – nicht wegen fehlender Nachfrage, sondern wegen eines ARPU, der sich trotz Nutzerwachstum nicht bewegt.
| Jahr | Grocery Delivery (Mrd. USD) | Meal Delivery (Mrd. USD) | Nutzer Gesamt (Mio.) |
|---|---|---|---|
| 2017 | 25,5 | 13,5 | 157 |
| 2019 | 33,0 | 20,2 | 201 |
| 2020 | 50,2 | 31,0 | 266 |
| 2022 | 66,3 | 37,6 | 301 |
| 2025 | 109,2 | 55,7 | 383 |
| 2030* | 164,5 | 55,8 | 449 |
*2030: Prognose. Nutzerzahlen: Marktanalyse Mai 2025; Umsatz: Marktanalyse Januar 2025. Alle Umsatzangaben als Gross Merchandise Value (GMV).
Grocery Delivery schlägt Meal Delivery beim Umsatz – trotz weniger Nutzern
Das Nebeneinander der beiden Kurven ist ungewöhnlich. Grocery Delivery hat in Europa 2025 weniger Nutzer als Meal Delivery: 207,5 Millionen gegenüber 261,1 Millionen. Beim Umsatz ist das Verhältnis umgekehrt: Grocery generiert 109,2 Mrd. USD, Meal Delivery 55,7 Mrd. USD. Der Durchschnittsumsatz pro Nutzer (ARPU) erklärt die Differenz. Ein Grocery-Delivery-Nutzer in Europa gibt 2025 rund 526 USD pro Jahr aus – ein Meal-Delivery-Nutzer 193 USD. Bis 2030 wächst der Grocery-ARPU auf 623 USD. Der Meal-Delivery-ARPU bleibt bei 193 USD.
Diese Asymmetrie hat eine strukturelle Erklärung. Grocery Delivery ersetzt den Supermarktbesuch – ein Kaufakt mit höherem Warenkorb, regelmäßiger Frequenz und wachsender Bereitschaft, für Bequemlichkeit und Schnelligkeit zu zahlen (Quick Commerce, Retail Delivery). Meal Delivery dagegen ist in den vergangenen Jahren zunehmend über Aggregator-Plattformen abgewickelt worden, die über Provisionsgebühren zwischen 15 und 30 Prozent des Bestellwerts einen erheblichen Teil des GMV einbehalten, bevor er beim Restaurantbetrieb ankommt. Das erklärt, warum die Umsatzkurve für Meal Delivery von 2025 bis 2030 um lediglich 0,2 Prozent wächst – auf 55,8 Mrd. USD –, während die Nutzerzahl um 11 Prozent steigt. Mehr Bestellungen auf der Plattform bedeuten nicht mehr Umsatz auf Marktebene, solange die Plattform den ARPU durch Gebühren und Preisdruck stabilisiert.
Eine vergleichbare Entkopplung beschreibt die Analyse zum Channel Cannibalization Index (CCI): Delivery-Wachstum auf Plattform-Ebene lässt sich nicht direkt als inkrementelles Umsatzwachstum für den Restaurantbetrieb lesen.
Deutschlands Delivery-Markt: EU-Mittelfeld, strukturell verschieden von Frankreich und UK
Die aggregierten Europa-Daten überdecken erhebliche Länderdifferenzen. Gemessen an der Gesamtpenetrationsrate im Online-Food-Delivery (Grocery und Meal kombiniert) liegt Deutschland 2025 bei 57,1 Prozent – hinter den USA (75,7 %) und Großbritannien (69,3 %), aber vor Frankreich (47,3 %) und Spanien (40,2 %). Misst man nur die Restaurant-Delivery-Nutzung im engeren Sinne – Verbraucher, die in den letzten zwölf Monaten online eine Mahlzeit bestellt haben –, rückt die Länderkarte anders zusammen: Großbritannien liegt bei 43 Prozent, Deutschland bei 38 Prozent, Frankreich bei 27 Prozent. Japan bildet mit 9 Prozent das europäische und globale Schlusslicht.
Deutschland ist damit kein Delivery-Nachzügler im europäischen Vergleich, aber auch nicht der Wachstumsmarkt, den Investitionsprognosen gelegentlich skizzieren. Die 18 Prozentpunkte Abstand zu den USA (57,1 % vs. 75,7 %) beschreiben strukturelle Unterschiede in der Restaurant-Dichte, im ÖPNV-Nutzungsverhalten und in der Bereitschaft, Liefergebühren zu zahlen – keine bloße Adoption-Verzögerung. Dass Frankreich trotz vergleichbarer Urbanisierung nur 27 Prozent Restaurant-Delivery-Penetration erreicht, spricht gegen ein homogenes Europä-Modell im Jahr 2030.
449 Millionen Nutzer 2030 – und was diese Zahl für die Restaurant-Branche bedeutet
Der Forecast von 449 Millionen europäischen Online-Delivery-Nutzern bis 2030 lässt sich als Wachstumsversprechen lesen. Für Restaurant-Betreiber ist die entscheidende Frage nicht die Nutzer-Zahl, sondern der ARPU. Ein Meal-Delivery-ARPU von 193 USD für 2030 – identisch mit dem Wert von 2025 – bedeutet: Das nominale Wachstum der Nutzer führt zu keinem zusätzlichen Umsatz auf Marktebene. Die Plattform-Ökonomie hat bis 2025 eine Auszahlungsstruktur etabliert, in der der Kuchen wächst, der Restaurant-Anteil daran aber nicht.
Das ist kein Argument gegen Delivery als Kanal. Es ist ein Argument gegen den Automatismus, der aus steigenden Nutzerzahlen steigende Betriebsergebnisse ableitet. Wer im europäischen Meal-Delivery-Markt 2030 profitabel operiert, tut das entweder als Hochfrequenz-QSR-Konzept mit niedrigen Produktionskosten, als Dark-Kitchen-Struktur mit direktem Order-to-Delivery-Stack ohne Aggregator-Provision, oder als Marke mit ausreichender Direktkanal-Loyalität, um Plattform-Abhängigkeit zu begrenzen. Alle anderen zahlen mit ihrem ARPU für das Wachstum anderer.
Quellen: Marktanalyse Online-Food-Delivery-Markt Europa, Nutzerzahlen und Revenue-Prognose 2017–2030, Mai/Januar 2025; Consumer-Insights-Erhebung, Restaurant-Delivery-Nutzung in 53 Ländern, Januar 2025 (n=460–10.046 je Land, 18–64 J.); Marktanalyse, Penetrationsrate Online-Food-Delivery in ausgewählten Ländern 2025.




