Spaghetti Bolognese 12,90 EUR. Spaghetti mit Rinderhack vom Biohof Schneider – 15 km von hier, frisch gemahlen – 14,90 EUR.
Gleiche Zutaten. 2 EUR mehr. Null Widerstand.
Ich habe das in 25 Jahren mit hunderten Gastronomen erlebt: Sobald ein Gericht eine Herkunft bekommt, verschwindet der Preiseinwand. Nicht weil das Produkt besser schmeckt – sondern weil der Gast einen Grund hat, mehr zu bezahlen.
Regional einkaufen im Restaurant ist keine Öko-Entscheidung. Es ist eine Pricing-Strategie.
68% der Gäste in Deutschland bevorzugen regionale oder Bio-Zutaten. Das sind nicht 68% die nett finden was du tust. Das sind 68% die bereit sind, dafür mehr auszugeben – wenn du es richtig kommunizierst.
- Warum „regional = teurer“ eine Rechnung ist die nicht aufgeht – und was Regionalität wirklich kostet vs. bringt
- Die konkrete EUR-Marge-Rechnung für dein Restaurant
- 7 Wege wie regionale Produkte deinen Umsatz steigern – von der Speisekarten-Formulierung bis zur Kooperation mit Hofläden
- Wie du die richtigen regionalen Lieferanten findest – ohne dich in Bio-Siegel-Dschungel zu verlieren
| Kernaussage | Praxis-Tipp |
|---|---|
| Regionalität ist eine Pricing-Strategie, keine Kostenfalle | Herkunftsangabe auf der Speisekarte = 3-5 EUR mehr pro Gericht ohne Widerstand |
| 68% der Gäste bevorzugen regionale Zutaten | Diese Präferenz aktiv kommunizieren – auf der Karte, an der Wand, auf Social Media |
| 10% höherer Einkauf kann 20% höheren Verkaufspreis rechtfertigen | Die Marge-Rechnung zeigt: Netto bleibt MEHR, nicht weniger |
| Lieferanten liefern kostenlosen Content | Ein Foto vom Feld ist mehr wert als jede Stock-Fotografie |
| Exklusivität schafft Preismacht | „Nur bei uns – Lamm vom Hof Meyer“ ist ein Satz der Preisdiskussionen beendet |
Warum „regional = teurer“ ein Mythos ist
Der häufigste Einwand den ich höre: „Regional klingt toll, aber ich kann mir das nicht leisten.“
Ich verstehe das. Wenn du siehst dass die Kartoffeln vom Großhändler 0,80 EUR pro Kilo kosten und die vom Bauern um die Ecke 1,20 EUR – dann ist die Rechnung klar. Oder?
Nein. Weil die Rechnung unvollständig ist.
Was der Großhändler-Preis verschweigt: Transportkosten, Mindestbestellmengen die dein Lager verstopfen, Ware die 3 Tage unterwegs war und 2 Tage früher verdirbt, Abschreibungen auf nicht verkaufte Mengen.
Meine Klienten die den tatsächlichen Wareneinsatz ihrer Großhändler-Produkte ehrlich durchgerechnet haben – inklusive Waste, Lagerkosten und Mindermenge – kommen auf 4-8% versteckte Mehrkosten. Der „günstige“ Großhändler ist plötzlich nur noch 2-3% günstiger als der regionale Lieferant.
Und jetzt kommt der Punkt der die Rechnung dreht.
Es geht nicht darum was du EINKAUFST. Es geht darum was du VERKAUFST.
Preispsychologie: Herkunft rechtfertigt Preis
Die Lebensmittelpreise sind seit 2020 um 32% gestiegen. Deine Gäste wissen das. Sie erwarten höhere Preise. Was sie nicht akzeptieren ist ein höherer Preis ohne Begründung.
Herkunft IST diese Begründung.
„Rinderfilet – 34,90 EUR“ löst Preisbewertung aus. Der Gast vergleicht mental mit dem letzten Restaurant.
„Rinderfilet vom Schwarzwald-Hof Müller, 22 km – trocken gereift, 28 Tage – 38,90 EUR“ löst etwas anderes aus: Wertschätzung. Der Gast sieht den Preis als angemessen – weil er versteht WOFÜR er zahlt.
Ein Coaching-Klient von mir – ein Italiener in einer 60.000-Einwohner-Stadt – hat seine komplette Pasta-Kategorie auf regionale Zutaten umgestellt. Einkauf: 12% teurer. Preise auf der Karte: 18-22% höher. Reklamationen wegen der Preise: null. Weil auf jeder Pasta-Beschreibung stand wo das Mehl herkommt, wo die Eier herkommen und wie weit der Weg war.
Die 68% der Gäste die regionale Zutaten bevorzugen sind keine Idealisten. Es sind Menschen die bereit sind mehr zu zahlen – wenn du ihnen den Grund gibst.
Es ist nicht deine Schuld dass dir niemand je gezeigt hat wie man aus einem Einkaufsvorteil einen Verkaufsvorteil macht. Die meisten Gastronomen denken in Einkaufspreisen. Die erfolgreichen denken in Verkaufspreisen.
Die Marge-Rechnung: Was Regionalität wirklich kostet vs. bringt
Jetzt wird es konkret. Nehmen wir ein Gericht das du heute auf der Karte hast – und rechnen durch was passiert wenn du auf regionale Zutaten umstellst.
Beispiel: Schnitzel mit Kartoffelsalat
Vorher (konventionell): - Wareneinsatz: 4,20 EUR - Verkaufspreis: 14,90 EUR - Rohertrag: 10,70 EUR - Marge: 71,8%
Nachher (regional, mit Herkunftsangabe auf der Karte): - Wareneinsatz: 4,90 EUR (+70 Cent, +17%) - Verkaufspreis: 17,90 EUR (+3,00 EUR, +20%) - Rohertrag: 13,00 EUR - Marge: 72,6%
70 Cent mehr im Einkauf. 3 EUR mehr im Verkauf. 2,30 EUR mehr Rohertrag pro Gericht.
Bei 40 Portionen pro Tag sind das 92 EUR mehr – pro Tag. 2.760 EUR mehr im Monat. 33.120 EUR mehr im Jahr.
Für ein einziges Gericht.
Jetzt stell dir vor du machst das mit 5 Gerichten auf deiner Karte.
Die Gesamtrechnung für ein typisches Restaurant
Ein Restaurant mit 30.000 EUR Monatsumsatz hat bei einem Wareneinsatz von 30% monatliche Warenkosten von 9.000 EUR. Wenn du 40% deiner Gerichte auf regionale Zutaten umstellst:
- Mehrkosten Einkauf: ca. 540 EUR/Monat (+15% auf 40% des Wareneinsatzes)
- Mehrerlös Verkauf: ca. 1.800 EUR/Monat (+20% Preiserhöhung auf betroffene Gerichte, konservativ gerechnet mit gleicher Bestellhäufigkeit)
- Netto-Gewinn: +1.260 EUR/Monat = +15.120 EUR/Jahr
Das ist keine Theorie. Das ist Arithmetik. Und sie funktioniert bei jedem Wareneinsatz zwischen 28% und 35% – dem typischen Korridor in der deutschen Gastronomie.
Was viele Gastronomen übersehen: Regionale Produkte im Restaurant haben einen dritten Effekt neben Einkauf und Verkauf. Sie reduzieren den Waste. Frischere Ware hält länger. Kürzere Lieferwege bedeuten weniger Verderb. Meine Klienten berichten mir von 1-3% weniger Abschreibungen nach der Umstellung auf regionale Hauptzutaten.
Und diese Rechnung enthält noch nicht den vierten Effekt: Gäste die wegen deiner regionalen Positionierung ZUSÄTZLICH kommen. Die erzählen nämlich davon – und bringen Freunde mit. Diesen Multiplikator kann ich hier nicht beziffern, aber meine Klienten berichten mir regelmäßig von 10-15% mehr Erstbesuchen nach konsequenter Umstellung auf regionale Kommunikation.
7 Wege wie regionale Produkte deinen Umsatz steigern
Regionalität auf dem Einkaufszettel zu haben reicht nicht. Du musst sie verkaufen. Hier sind 7 konkrete Hebel – jeder einzelne sofort umsetzbar.
1. Der Herkunfts-Aufschlag: Speisekarten-Formulierung die Preise rechtfertigt
Das ist der größte Einzelhebel. Und der einfachste.
„Rinderhack“ → 12,90 EUR. „Rinderhack vom Biohof Schneider, 15 km“ → 14,90 EUR bis 15,90 EUR.
Gleiche Küche. Gleicher Aufwand. 2-3 EUR mehr. Pro Gericht. Pro Gast.
Die Formel ist simpel: Produktname + Herkunftsname + Entfernung. Drei Elemente. Null Mehrkosten in der Umsetzung.
Es gibt eine bestimmte Speisekarten-Formel die aus dem Wort „regional“ sofort 3-5 EUR mehr pro Gericht macht. Sie hat mit der Reihenfolge, der Wortwahl und einem Element zu tun das 90% der Gastronomen weglassen – obwohl es den entscheidenden Unterschied macht. Diese Formel behandle ich regelmäßig im Newsletter, weil sie ohne den richtigen Kontext auch nach hinten losgehen kann.
Was du jetzt tun kannst: Nimm deine 3 margenstärksten Gerichte. Schreib hinter jede Hauptzutat den Lieferanten und die Entfernung. Miss in den nächsten 4 Wochen die Bestellhäufigkeit dieser Gerichte – und ob es Preisbeschwerden gibt. Ich wette: null.
Wenn du mehr darüber erfahren willst wie du deine Speisekarte strategisch aufbaust, lies meinen ausführlichen Leitfaden. Dort geht es um Preispsychologie, Platzierung und die häufigsten Fehler die Gastronomen bei der Speisekarten-Gestaltung machen.
2. Die Lieferanten-Story: Social Media Content der nichts kostet
Dein Lieferant liefert dir nicht nur Ware. Er liefert dir Content.
Ein Koch der morgens um 6 Uhr beim Gemüsebauern steht und Kisten auf den Transporter lädt – das ist ein Instagram-Post der mehr Engagement bringt als jedes Stock-Foto einer hübsch angerichteten Pasta.
Warum? Weil es echt ist. Weil es eine Geschichte erzählt. Weil der Algorithmus Authentizität belohnt – und deine Gäste auch.
Ein Foto das dein Lieferant dir jeden Morgen schickt – frisch geerntete Tomaten, Morgennebel über dem Feld, eine Kiste Eier mit Stroh – kann mehr Umsatz bringen als jede bezahlte Anzeige. Meine Klienten die diesen einen Content-Kanal konsequent nutzen, berichten mir von 30-50% mehr Interaktion auf ihren Social-Media-Kanälen. Und Interaktion bedeutet Sichtbarkeit. Und Sichtbarkeit bedeutet Gäste.
Was du jetzt tun kannst: Ruf deinen wichtigsten Lieferanten an. Sag ihm: „Schick mir jeden Morgen ein Foto von dem was du heute erntest oder verarbeitest.“ Die meisten Lieferanten machen das gerne – weil es auch für sie Werbung ist. Mehr über Social Media für die Gastronomie findest du in meinem 3-Säulen-System.
3. Das Hofbesuch-Event: Gäste-Bindung die kein Wettbewerber kopiert
Stell dir vor: Du lädst 20 deiner besten Stammgäste zu einem Abend beim Winzer ein. Ihr verkostet gemeinsam. Der Winzer erzählt seine Geschichte. Du kochst 3 Gänge mit seinen Weinen.
Klingt aufwendig? Ist es nicht. Der Winzer stellt den Raum. Du bringst das Essen. Die Gäste zahlen 79-129 EUR pro Person – und fühlen sich wie VIPs.
Das Hofbesuch-Event ist keine nette Idee. Es ist ein Bindungsinstrument.
Gäste die mit dir beim Winzer waren kommen nicht mehr „ab und zu“. Sie kommen regelmäßig. Weil sie eine emotionale Verbindung haben die über das Essen hinausgeht. Sie kennen jetzt die Geschichte hinter dem Wein den sie bei dir trinken. Sie kennen den Winzer beim Vornamen.
Ein Klient von mir – ein gehobenes Restaurant in Süddeutschland – macht 4 solcher Events pro Jahr. Auslastung: 100% innerhalb von 48 Stunden nach Ankündigung. Durchschnittlicher Bon an Event-Abenden: 112 EUR pro Person – 67% über dem normalen Durchschnitt.
Und die Fotos von diesen Abenden? Bester Content den du je hattest. Echte Menschen, echte Emotionen, echtes Erlebnis.
Was du jetzt tun kannst: Frag deinen Winzer oder deinen wichtigsten regionalen Lieferanten ob er Lust auf einen gemeinsamen Abend hat. Plane 3 Monate im Voraus. Limitiere auf 20-25 Plätze. Kommuniziere die Limitierung – Knappheit steigert die Nachfrage.
4. Die Exklusivität: „Nur bei uns“ – der Satz der Preisdiskussionen beendet
„Lamm vom Hof Meyer – nur bei uns in der Region.“
Dieser eine Satz verändert die gesamte Preiswahrnehmung. Denn wenn es das nur bei dir gibt, kann der Gast nicht vergleichen. Und wer nicht vergleichen kann, diskutiert nicht über den Preis.
Die besten meiner Klienten verhandeln mit Lieferanten nicht über Preis – sondern über etwas ganz anderes: Exklusivität. Sie sagen: „Ich nehme dir 30 Kilo pro Woche ab – dafür belieferst du kein anderes Restaurant in 15 km Radius.“ Das kostet oft keinen Cent mehr. Aber es ist unbezahlbar für deine Positionierung.
Exklusivität funktioniert besonders bei: Lamm, Wild, Honig, bestimmten Käsesorten, saisonalem Gemüse, Kräutern und handgemachten Nudeln. Alles wo die Menge begrenzt und die Geschichte stark ist.
Was du jetzt tun kannst: Identifiziere 1-2 Produkte bei denen du eine exklusive Lieferbeziehung aufbauen könntest. Sprich deinen Lieferanten darauf an. Das Wort „exklusiv“ auf deiner Karte ist 3-5 EUR wert – pro Gericht.
5. Die saisonale Karte: Frische als sichtbarer Beweis
Eine Karte die sich nie ändert signalisiert: Hier kommt alles aus der Dose oder dem Tiefkühler.
Eine Karte die saisonal wechselt signalisiert: Hier wird frisch gekocht. Hier gibt es etwas das es nächsten Monat nicht mehr gibt.
Saisonalität ist das stärkste Frische-Signal das du senden kannst. Und es zwingt dich automatisch in die Regionalität – denn saisonale Ware kommt per Definition aus der Nähe, nicht aus Spanien oder den Niederlanden. Wer regionale Produkte im Restaurant konsequent nutzt, hat automatisch eine Karte die sich mit den Jahreszeiten verändert.
4 saisonale Kartenwechsel pro Jahr – Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter – reichen völlig aus. Nicht die komplette Karte, sondern 4-6 Gerichte die wechseln. Der Rest bleibt als Klassiker stehen.
Der Effekt: Stammgäste kommen öfter, weil es immer etwas Neues gibt. Und neue Gäste werden neugierig, weil die Karte „lebt“. Wenn du wissen willst welche Speisekarten-Fehler die meisten Gastronomen dabei machen – lies meinen Artikel dazu. 21 Fehler, die meisten davon kosten dich bares Geld.
Was du jetzt tun kannst: Plane jetzt die nächste Saison-Karte. Frag deine regionalen Lieferanten was in 4-6 Wochen Saison hat. Baue 4 Gerichte darum – und kommuniziere den Wechsel aktiv.
6. Die Transparenz: Lieferanten-Tafel im Restaurant
Eine Tafel am Eingang oder im Gastraum. Darauf: 5-8 Lieferantennamen, ihr Hof, ihre Entfernung.
„Unsere Milch: Hofgut Breuer, 8 km. Unsere Eier: Familie Schuster, 12 km. Unser Brot: Bäckerei Hartmann, 3 km.“
Kosten: 30 EUR für eine Kreidetafel. Wirkung: unbezahlbar.
Warum? Weil Transparenz Vertrauen schafft. Und Vertrauen rechtfertigt Preise.
Gäste die sehen woher deine Zutaten kommen fragen seltener nach dem Preis. Sie fragen häufiger nach den Geschichten. „Ach, der Hof Breuer – wo ist das genau?“ Und plötzlich hast du ein Gespräch. Ein echtes Gespräch zwischen Gastgeber und Gast. Das ist es was Stammgäste macht.
Was du jetzt tun kannst: Kaufe morgen eine Kreidetafel. Schreibe 5 Lieferanten drauf – mit Name und Kilometerangabe. Häng sie dahin wo jeder Gast sie sieht. Fertig.
7. Die Cross-Promotion: Kooperationen mit Hofläden
Dein Lieferant hat einen Hofladen. Im Hofladen stehen 200-300 Kunden pro Woche. Diese Kunden interessieren sich für regionale Produkte. Sie kochen gerne. Sie gehen gerne essen.
Die perfekte Zielgruppe für dein Restaurant.
Die Kooperation ist simpel: Dein Lieferant legt deine Visitenkarten und einen Gutschein in den Hofladen. Du erwähnst seinen Hof auf deiner Karte und deinen Social-Media-Kanälen. Win-Win. Null Kosten.
Ein Klient von mir macht das mit 3 Hofläden in seiner Region. Ergebnis: 8-12 neue Erstbesucher pro Monat – ohne einen Cent Werbebudget. Diese Gäste kommen bereits mit der richtigen Erwartungshaltung: Sie schätzen Qualität, sie akzeptieren faire Preise, sie werden überdurchschnittlich häufig zu Stammgästen.
Was du jetzt tun kannst: Identifiziere 2-3 Hofläden oder Wochenmärkte in deinem Umkreis. Biete eine einfache Kooperation an: Gegenseitige Empfehlung, gemeinsame Events, Gutschein-Austausch. Wer regional einkauft im Restaurant, baut sich gleichzeitig ein Netzwerk auf das kein Großhändler der Welt ersetzen kann.
Wie du die richtigen regionalen Lieferanten findest
Die größte Hürde beim regionalen Einkauf ist nicht der Preis. Es ist: Wo finde ich die richtigen Lieferanten?
Hier sind 5 Wege die funktionieren:
1. Wochenmärkte. Klingt offensichtlich – wird trotzdem von 80% der Gastronomen ignoriert. Geh samstags über den Markt. Probiere. Frag nach Mengen und Lieferbedingungen. Die besten Partnerschaften entstehen am Marktstand, nicht im Internet.
2. Regionale Erzeuger-Plattformen. In fast jedem Bundesland gibt es Online-Plattformen die regionale Produzenten mit der Gastronomie verbinden – von Marktschwärmer über Pielers bis zu regionalen Genussnetzwerken. 15 Minuten Recherche, und du hast 10-20 potenzielle Lieferanten.
3. IHK und Tourismusverbände. Die IHK kennt jeden Produzenten in der Region. Die Tourismusverbände wollen regionale Gastronomie fördern – und haben oft Verzeichnisse. Ein Anruf. 10 Minuten.
4. Andere Gastronomen. Ja, wirklich. Die meisten Gastronomen die regional einkaufen, teilen ihre Quellen gerne – solange du nicht das Restaurant nebenan bist. Frag Kollegen in der nächsten Stadt. Die Gastronomie ist kooperativer als du denkst.
5. Deine Gäste. „Kennt jemand einen guten regionalen Lieferanten für Wild?“ als Social-Media-Post bringt dir 10-20 Empfehlungen in 24 Stunden. Deine Gäste lieben es zu helfen – und sie fühlen sich einbezogen.
Worauf du bei regionalen Lieferanten achten solltest
- Lieferfähigkeit: Kann der Lieferant die Menge liefern die du brauchst – auch an Freitagen und Samstagen?
- Flexibilität: Was passiert wenn du kurzfristig mehr oder weniger brauchst?
- Qualitätskonstanz: Ist die Qualität gleichbleibend – oder schwankt sie je nach Saison?
- Kommunikation: Schickt der Lieferant dir Fotos, Informationen über Erntezeitpunkte, Geschichten für deine Karte? Je mehr er dir liefert, desto mehr Content hast du.
- Preis-Transparenz: Der beste Lieferant ist nicht der billigste. Es ist der, dessen Preis du verstehst und deinen Gästen erklären kannst.
Nicht jedes Produkt lohnt sich regional. Olivenöl aus der Toskana bleibt Olivenöl aus der Toskana – da ergibt „regional“ keinen Sinn. Konzentriere dich auf 5-8 Schlüsselprodukte: Fleisch, Eier, Milchprodukte, Gemüse, Kräuter, Brot. Dort ist der Preiseffekt am größten und die Geschichte am stärksten.
Farm to Table in Deutschland ist mehr als eine Modewelle. Es ist die Rückkehr zu dem was Gastronomie eigentlich ausmacht: ein Koch der seine Produzenten kennt und seinen Gästen davon erzählen kann. Regionale Lieferanten in der Gastronomie sind keine Kostenstelle – sie sind ein Vertriebskanal, ein Content-Lieferant und ein Differenzierungsmerkmal. Jeder Bauer der dich beliefert ist ein potenzieller Partner, Content-Lieferant und Markenbotschafter.
Was das mit deinen 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren zu tun hat
Wenn du regional einkaufst und es richtig kommunizierst, stärkst du den L-Faktor – Lukrativ – in deinem Restaurant. Regionaler Einkauf ist die profitabelste der 5 Säulen nachhaltiger Gastronomie. Du verkaufst dasselbe Gericht zu einem höheren Preis bei gleichzeitig höherer Gästezufriedenheit. Das ist die Definition von „lukrativ“: Mehr Ertrag pro Gast, nicht mehr Gäste um jeden Preis.
Und Regionalität strahlt auf die anderen Faktoren ab. Deine Stammgäste kommen öfter weil die saisonale Karte sie neugierig hält – das ist der V-Faktor, Verlässlichkeit. Dein Restaurant wird sichtbarer weil authentischer Content auf Social Media besser performt – das ist der O-Faktor, Organisation. Dein Team wird stolzer weil sie wissen woher ihre Zutaten kommen und das den Gästen erzählen können – das macht dein Restaurant Lebenswert, der zweite L-Faktor.
Wenn du verstehen willst wie Preiserhöhungen in der Gastronomie funktionieren ohne Gäste zu verlieren, lies meinen Artikel dazu. Regionalität ist einer der stärksten Hebel dafür – weil sie den wahrgenommenen Wert erhöht, nicht nur den Preis.
Fazit: Regional einkaufen ist keine Kostenfrage – es ist eine Umsatzfrage
Regional einkaufen im Restaurant ist kein Öko-Trend und keine Lifestyle-Entscheidung. Es ist die simpelste Pricing-Strategie die du ab morgen umsetzen kannst.
Die 5 wichtigsten Erkenntnisse:
- 68% deiner Gäste bevorzugen regionale Zutaten – und sind bereit dafür 15-25% mehr zu bezahlen, wenn du die Herkunft kommunizierst
- Der Herkunfts-Aufschlag ist der größte Einzelhebel – Produktname + Herkunftsname + Entfernung auf der Karte = 3-5 EUR mehr pro Gericht
- Die Marge steigt, nicht sinkt – 10-17% höherer Einkauf wird durch 18-25% höhere Verkaufspreise mehr als kompensiert
- Regionalität liefert kostenlosen Content – Lieferanten-Fotos, Hofbesuche, Saisonwechsel sind der beste Social-Media-Content den du kriegen kannst
- Exklusivität beendet Preisdiskussionen – „Nur bei uns“ ist der wertvollste Satz auf deiner Speisekarte
Dein 7-Tage-Startplan
- Tag 1: Identifiziere 3 Gerichte auf deiner Karte mit dem höchsten Marge-Potenzial.
- Tag 2: Recherchiere für jedes dieser Gerichte einen regionalen Lieferanten (Wochenmarkt, Online-Plattform, IHK).
- Tag 3: Ruf 3 Lieferanten an. Frag nach Preisen, Mengen, Lieferbedingungen.
- Tag 4: Schreibe neue Speisekarten-Beschreibungen – mit Herkunftsname und Kilometer.
- Tag 5: Kaufe eine Kreidetafel. Schreibe deine Lieferanten drauf.
- Tag 6: Mach dein erstes Foto beim Lieferanten. Poste es.
- Tag 7: Kalkuliere nach: Stimmt die Marge-Rechnung? Spoiler: Ja.
Stell dir vor, in 4 Wochen stehst du in deinem Restaurant und ein Gast sagt: „Das Lamm war fantastisch – erzähl mir mehr über den Hof.“ In dem Moment weißt du: Du hast nicht nur ein besseres Produkt verkauft. Du hast ein besseres Erlebnis geschaffen. Und du hast 4 EUR mehr pro Portion verdient.
Nachhaltigkeit als Marketing-Strategie ist mehr als ein Trend – es ist ein Wettbewerbsvorteil der mit jedem Jahr stärker wird. Regionalität ist der konkreteste, messbarste Teil davon.
Im Newsletter behandle ich regelmäßig operative Strategien wie den Herkunfts-Aufschlag, die Lieferanten-Story und andere Stellschrauben die den Unterschied zwischen „ganz okay“ und „hochprofitabel“ machen. Wenn du solche Impulse direkt in dein Postfach willst – melde dich an.




