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Eataly Deutschland: 2 Standorte in 11 Jahren – warum Premium-Skalierung in Deutschland ein Härtetest ist

Eataly hat in 11 Jahren genau zwei deutsche Standorte gebaut: München und Dresden. L'Osteria hat über 200. Beide sind italienisch – und genau diese Lücke erklärt, warum Premium-Skalierung in Deutschland anders funktioniert.

Michael Krause
Michael Krause
13 Min. Lesezeit
Eataly Deutschland: 2 Standorte in 11 Jahren – warum Premium-Skalierung in Deutschland ein Härtetest ist

Eataly betreibt in Deutschland zwei Standorte: München Schrannenhalle (seit 26.11.2015, 4.600 m², eigenbetrieben) und Dresden Hauptbahnhof (seit 25.03.2025, 700 m² Eataly-Fläche in einem Foodcourt von Areas). Eigentümer ist seit 09/2022 die britische Investindustrial (52 % für 200 Mio. Euro), CEO Andrea Cipolloni hat das Unternehmen im Q2 2026 verlassen, Gabriele Belsito ist Direttore Generale für Europa. Konzern-Umsatz FY2025: 706 Mio. Euro bei adj. EBITDA -23 %.

Italienische Markthalle mit Parma-Schinken, Marmor-Theken und Parmigiano-Rädern – Eataly-typisches Eat-Shop-Learn-Format
Markthalle, Restaurant und Schule unter einem Dach – das Eataly-Konzept seit 2007 Turin. In Deutschland funktioniert es bislang an zwei Adressen.
  • Warum Eataly in 11 Jahren nur zwei deutsche Standorte gebaut hat – L'Osteria im selben Zeitraum über 200
  • Was die Investindustrial-Übernahme 09/2022 für 200 Mio. Euro strategisch bedeutete
  • Warum CEO Cipolloni im Q2 2026 ging und was die EBITDA-Wendung -23 % erzählt
  • Wie das Dresden-Format (Travel-Retail-Franchise) den Münchner Flagship-Ansatz ablöst
  • Vier Lektionen für dein Restaurant: Standort-Magie, Cross-Sell, Story-PR, Premium-Bindung
Was Warum das für dich wichtig ist
2 DE-Standorte in 11 Jahren (2015–2026) Premium-Italienisch skaliert anders als Casual. Format-Wechsel zu Travel-Retail in Dresden ist die Antwort.
FY2025: 706 Mio. Euro Umsatz, adj. EBITDA 40,7 Mio. (-23 %) Volumen ohne Marge. Currency-Schwäche + US-Zölle drücken auf die größte Geografie.
Investindustrial 52 % seit 09/2022 für 200 Mio. Euro Die Eigentümer-Struktur ist seit 2022 nicht mehr „Familie Farinetti allein". Bonomi entscheidet jetzt mit.
Kapitalerhöhung 75 Mio. Euro in zwei Tranchen (T1 bis 30.11.2025, T2 bis 30.06.2026) Wachstum kostet Cash. Auch eine 706-Mio.-Euro-Marke braucht frisches Kapital, um zu expandieren.

2007: Eine Wermut-Fabrik in Turin wird zur Markthalle

Oscar Farinetti, geboren 1954 in Alba/Piemont, war bis 2003 Präsident von UniEuro – der größten italienischen Elektronik-Kette, gegründet von seinem Vater Paolo. Im Jahr 2003 verkaufte er das Unternehmen und richtete sich neu aus: nicht mehr Elektronik, sondern Lebensmittel.

Am 27. Januar 2007 öffnete in Turin/Lingotto in einer ehemaligen Wermut-Fabrik die erste Eataly. Vier Ideen wurden in einem Gebäude vereint:

  • ein Markt mit italienischen Lebensmitteln vom Erzeuger
  • 16 Restaurants und Stände unter einem Dach
  • eine Kochschule
  • die Slow-Food-Verbindung über Carlo Petrini als Mit-Pate

Aus „Eat, Shop, Learn" wurde das Markenversprechen. Aus Turin wurde Mailand, dann New York, dann Tokio.

19 Jahre später hat Eataly 69 Verkaufspunkte in über zwölf Ländern, einen Konzernumsatz von 706 Millionen Euro – und schreibt rote Zahlen auf der Nettoebene. Die FY2024-Bilanz weist einen Verlust von 13,4 Millionen Euro aus, FY2025 läuft mit adj. EBITDA -23 % gegenüber dem Vorjahr. Wachstum und Profit fallen seit der Investindustrial-Übernahme auseinander.

Münchner Schrannenhalle als historische Markthalle bei Tageslicht – Eataly Deutschland Hauptstandort seit 2015
Münchner Schrannenhalle, Eröffnung 26.11.2015: 4.600 m², 16 Restaurants und Stände, ca. 220 Mitarbeitende bei Eröffnung. Bis heute Eatalys deutscher Flagship.

Das Eat-Shop-Learn-Konzept: Drei Erlöskanäle pro Standort

Ein klassisches Restaurant verdient an Speisen und Getränken. Ein Supermarkt an Lebensmitteln. Eataly verdient an beidem zugleich – plus an einer dritten Schicht, die Branchenkenner Cross-Sell nennen.

Der Gast kommt für Pasta zum Mittag (50 Euro Restaurantbon), nimmt auf dem Weg zum Ausgang Trüffelöl mit (30 Euro), eine Flasche Barolo (40 Euro), eine Geschenkbox für die Mutter (60 Euro). Aus 50 Euro werden 180. Die Markthalle baut auf, was ein normales Restaurant am Tisch beendet.

Den genauen Restaurant-vs-Retail-Split publiziert Eataly nicht. Branchen-Schätzungen liegen bei rund 40 Prozent Restaurant und 60 Prozent Retail pro Flagship – verifiziert ist das nicht, der Konzern äußert sich zu der Aufteilung bewusst nicht.

Was gut dokumentiert ist: Der NYC-Flatiron-Standort (eröffnet 31.08.2010, 4.645 m²) hatte 2017 zwischen 8.000 und 13.000 Besucher pro Tag. Der historisch geschätzte Umsatz pro Quadratfuß (rund 1.700 US-Dollar) liegt in einer Größenordnung, die ein reines Restaurant strukturell nicht erreichen kann. Cross-Sell ist die ökonomische Pointe des Eat-Shop-Learn-Modells.

Eataly Flagship Innenansicht mit Holzregalen voller Olivenöl, Pasta und Konserven – Cross-Sell zwischen Restaurant und Retail
Die Cross-Sell-Mechanik: Wer am Tisch isst, geht durch die Regale zum Ausgang. Der Bon endet nicht beim Espresso, sondern an der Kasse.

Das Eigentümer-Karussell: Von Slow Food zu Private Equity

Anders als bei klassischen PE-Übernahmen ist die Eataly-Eigentümer-Geschichte kürzer und konzentrierter.

Phase Eigentümer Was passierte
2007–2014 Familie Farinetti + Slow-Food-Affiliation (Carlo Petrini) Konzept-Aufbau, erste internationale Expansion (NYC 2010).
2014–2022 Familie Farinetti + Tamburi Investment Partners (TIP) + Familie Baffigo Italienische Investoren-Konsolidierung. Globale Expansion auf 60+ Standorte.
Seit 09/2022 Investindustrial VII LP (UK-PE, Andrea Bonomi): 52 % für 200 Mio. Euro Erste PE-Mehrheit. Eatinvest (Familie + TIP + Baffigo) hält 48 %.

Investindustrial ist kein klassischer Sanierungs-Fonds. Andrea Bonomi spricht in Interviews seit 2024 von einem „Food-Polo" – einem Cluster aus Investitionen in italienische Lebensmittelmarken, darunter neben Eataly auch La Doria. Die Strategie zielt auf Bündelung statt schnellem Wiederverkauf.

An der operativen Spitze gab es trotzdem Bewegung. Andrea Guerra führte den Konzern 2015–2019, bevor er zu Prada wechselte. Nicola Farinetti, Sohn des Gründers, übernahm 2019–2022 und wurde nach der Investindustrial-Übernahme Chairman. Andrea Cipolloni, davor Top-Manager bei Autogrill, leitete Eataly von Dezember 2022 bis Q2 2026. Sein Abgang wird in der italienischen Fachpresse als „transizione pianificata" nach Abschluss der Phase-1-Wachstumsstrategie beschrieben – ergänzt durch Dollar-Schwäche und US-Zölle als Margenbelastung.

Seit Q2 2026 ist Gabriele Belsito Direttore Generale für Europa. Belsito kommt aus dem Autogrill-Umfeld und ist seit 2023 zusätzlich Chief Human Resources Officer bei Eataly. Eine offizielle Klassifikation als „Interim-CEO" verwenden die Primärquellen nicht. Für Nordamerika existiert seit Oktober 2023 eine eigenständige CEO-Rolle (Tommaso Brusò); der Konzern äußert sich zur Frage einer neuen globalen CEO-Suche derzeit nicht öffentlich.


Deutschland als Härtetest: 2 Standorte in 11 Jahren

2014 kündigte Eataly im Joint-Venture mit Signa fünf DACH-Standorte bis 2021 an: München, Berlin, Frankfurt, Wien, Düsseldorf an der Königsallee. 12 Jahre später ist davon ein einziger Eigenbetrieb übrig (München) und ein Travel-Retail-Format hinzugekommen (Dresden). Signa stieg aus dem Joint-Venture aus.

Standort Eröffnung Fläche Format
München Schrannenhalle 26.11.2015 4.600 m² Flagship, eigenbetrieben – 16 Restaurants und Stände, ca. 220 MA bei Eröffnung, 40 Köche
Dresden Hauptbahnhof 25.03.2025 700 m² Eataly-Anteil (Foodcourt-Gesamt 1.158 m²) Travel-Retail-Franchise via Areas. 10-Jahre-Konzession mit Deutscher Bahn. Areas-Investment >2 Mio. Euro. Projected Sales 60 Mio. Euro über Laufzeit. 60 MA im Foodcourt insgesamt (Eataly + Speckmann's + Burger King).

Düsseldorf existiert nicht. Berlin und Frankfurt auch nicht. Die Geschichte vom 5-Standort-Plan blieb Geschichte.

Strategisch ist der Wechsel von München (Eigenbetrieb, hohe Investition) zu Dresden (Travel-Retail-Franchise, kapitalärmer) wichtiger als die nominelle Zweier-Liste. Dresden ist kein zweites München. Es ist ein anderer Format-Typ: kleinerer Footprint, niedrigeres Risiko, Franchise-Partner trägt die operative Last. Areas ist eine Tochter der Elior-Gruppe aus Barcelona und betreibt über 200 Travel-Retail-Verkaufsstellen in Deutschland.

Leerer Premium-Italiener-Tisch nach Service – Symbol für das Touristen-Stop-Problem in Premium-Gastronomie
Der Touristen-Stop ist ein Bon-Vorteil und ein Bindungs-Risiko zugleich. Wer einmal in der Schrannenhalle war, kommt vielleicht in zwei Jahren wieder.

Eataly gegen L'Osteria: Premium und Casual sind verschiedene Maschinen

Der entscheidende Vergleich für jeden deutschen Operator: zwei italienische Konzepte, zwei Skalierungskurven, ein Markt.

Vergleich Eataly L'Osteria
Format Markthalle + 7–16 Restaurants pro Standort Standalone Casual
Avg. Fläche 4.000–6.000 m² (Flagship) 400–600 m²
Investment pro Standort 8–15+ Mio. Euro (Flagship) 1–2 Mio. Euro
Skalierung Deutschland 2 Standorte in 11 Jahren über 200 Standorte (systemweit 213, BdS 2025)
Systemumsatz 2025 706 Mio. Euro (global) 540 Mio. Euro (systemweit BdS)
Eigentümer Investindustrial PE 52 % McWin Restaurant Capital (Mehrheit, ca. 400 Mio. Euro Bewertung)
Avg. Ticket 30–50 Euro Restaurant 25–30 Euro

L'Osteria macht in Deutschland mehr Restaurant-Umsatz als Eataly global. Das ist die Wahrheit hinter den 11 Jahren. Premium-Italienisch skaliert deutlich langsamer als Casual-Italienisch – die Capex pro Standort ist zwei- bis fünfmal höher, der Touristen-Anker steht selten zur Verfügung, und Premium-Gastronomie braucht andere Bindungsmechaniken.

Wenn dein Konzept Premium ist, ist das die ehrliche Skalierungs-Mathematik: weniger Standorte, langsamere Expansion, härtere Anforderungen an Standort-Magie und Stammgast-Aufbau.

Frage zwischendurch: Eataly hat in 11 Jahren genau zwei deutsche Standorte gebaut. Würde dein Konzept den 10. überleben, oder bricht es zwischen Standort drei und fünf? Der V.O.L.L.-Check zeigt dir in 3 Minuten, welcher der vier GastroInsider Wachstumsfaktoren deine Skalierung am stärksten bremst.


Internationale Performance: 60 Prozent Umsatz aus Nordamerika

Eatalys regionale Mischung hat sich in zehn Jahren stark verschoben. Nordamerika trägt heute über 60 Prozent des Konzernumsatzes – stabil seit drei Jahren (2023 und 2024 jeweils 60 Prozent, 2025 „oltre il 60%" laut Pressestatement zum CEO-Wechsel). Die NYC-Flatiron-Filiale gilt als wirtschaftliches Flaggschiff. Im Oktober 2025 eröffnete der 17. NA-Store in King of Prussia/Pennsylvania, Houston/Galleria ist für 2026 geplant mit einem Build-out-Budget von 11,5 Mio. US-Dollar.

Geschlossene Standorte zeigen die andere Seite der Bilanz: Moskau im März 2022 wegen des Ukraine-Kriegs. São Paulo im Dezember 2023 nach einem Franchise-Bruch (gerichtlich geklärt August 2025). Kopenhagen ist Stand März 2026 geschlossen. In Italien selbst wurden Bari und Forlì 2021 geschlossen (80 Mitarbeitende betroffen), Verona am 3. August 2025 nach Verlusten in 2023 und 2024.

Sechs dokumentierte Schließungen, davon vier in Italien selbst. Das ist Heimatmarkt-Druck – auch das Eataly-Modell ist keine Garantie gegen lokale Realitäten.

Auf der Expansionsseite läuft der Middle-East-Push. Im Februar 2025 vereinbarte Investindustrial mit der Azadea Group rund 100 Mio. Euro für 40 neue Stores. APAC bleibt mit Japan, Südkorea, Türkei, Israel und mehreren Golfstaaten ein etablierter Pfeiler.


Was du als Gastronom daraus lernst – 4 Wachstumsfaktoren

Wachstumsfaktor 1: Wenn dein Standort selbst ein Reiseziel ist, brauchst du keinen Marketing-Etat. Wenn nicht, brauchst du einen.

Eataly gibt fast nichts für klassische Werbung aus und macht 706 Mio. Euro Konzernumsatz. Die Eröffnung am Dresdner Hauptbahnhof am 25.03.2025 war für eine Woche in jeder relevanten deutschen Fachpresse. Eine Eataly-Eröffnung wird zur Stadt-News – wie das beim Münchner Start 2015 schon der Fall war.

Die Frage für dich: Ist dein Standort selbst ein Reiseziel? Wenn ja, brauchst du Push-Marketing nur dosiert. Wenn nein – und das gilt für 99 Prozent aller inhabergeführten Restaurants in Deutschland – brauchst du einen ehrlichen Marketing-Etat. Beziehungsweise: einen, der nicht so tut, als wäre er nicht da.

Take-away: Eataly-Werbefrugalität kopierst du nicht ohne Eataly-Standort-Magie. Wer ohne Tourismus-Anker arbeitet, muss in Marketing investieren. Es so zu tun, als sei das unter der Würde des Hauses, ist ein häufiger Fehler.

Wachstumsfaktor 2: Der Bon endet nicht am Tisch – er endet an der Kasse

Cross-Sell ist die ökonomische Mechanik, mit der Eataly aus einem Restaurant-Besuch eine Retail-Transaktion macht. Du musst keine Markthalle werden, um die Logik zu kopieren. Take-away-Tresen mit hausgemachter Pesto, Geschenkboxen, Catering-Vorbestellung, Eventkalender, monatliche Wein-Pakete – Cross-Sell-Kanäle, die jeder Italiener an der Ecke nutzen könnte. Die wenigsten tun es systematisch.

Eatalys FY2025-Zahlen erzählen die Schattenseite: 706 Mio. Euro Umsatz +3,3 Prozent, aber adj. EBITDA -23 Prozent. Volumen ohne Marge – wenn das Cross-Sell-Volumen wächst, aber Currency-Schwäche und US-Zölle die Bruttomarge drücken, kompensiert die Mehrumsatz-Logik nicht automatisch. Cross-Sell ist Hebel, kein Selbstläufer.

Take-away: Cross-Sell-Kanäle systematisch aufbauen statt improvisieren. Der Bon endet nicht beim letzten Espresso, sondern an der Kasse, am Ausgang, am Lieferdienst, am nächsten Event.

Wachstumsfaktor 3: Story und Räumlichkeit machen die Werbung – wenn beides stimmt

Eataly investiert quasi nichts in klassische deutsche Werbung. Die News-Wellen entstehen über drei Anker. Erstens die Architektur: die Schrannenhalle in München als historische Markthalle. Zweitens die Authentizität: die Slow-Food-Affiliation seit Carlo Petrinis Mit-Patenschaft 2007. Drittens die Story: Oscar Farinetti, der 2003 seine UniEuro-Elektronik-Kette verkaufte, um in einer ehemaligen Wermut-Fabrik in Turin Eataly aufzubauen.

Drei kostenlose PR-Anker – wenn die Geschichte stark genug ist. Was ist deine Story? Was würde Slow Food bei dir Pate stehen lassen? Was an deinem Restaurant ist architektonisch erzählenswert?

Take-away: Wenn keine dieser drei Fragen eine Antwort hat, brauchst du Push-Marketing. Wenn nur eine eine Antwort hat, brauchst du das andere als Push. Wenn alle drei stimmen, macht die Räumlichkeit die Werbung.

Wachstumsfaktor 4: Premium braucht härtere Bindungsmechaniken als Volumen

Eatalys schwächster Wachstumsfaktor ist Bindung. Der Touristen-Stop ist gleichzeitig der größte Bon-Vorteil und das größte Bindungsproblem. Wer einmal in der Schrannenhalle war, kommt vielleicht in zwei Jahren wieder. Stammkunden-Aufbau läuft bei Eataly über das Caffè-Format (täglicher Anlass) und die Kochschule (Eventbindung) – Sub-Konzepte innerhalb der Markthalle, die regelmäßige Besuche erzeugen sollen.

Premium ohne Stammkunden-System bleibt volatil. Premium-Kunden sind anspruchsvoller – ein einziger schlechter Besuch reicht, damit sie nicht wiederkommen. Die EBITDA-Wendung 2024 → 2025 (53,3 Mio. auf 40,7 Mio. Euro, also -23 Prozent) ist ein Warnsignal genau dieser Mechanik: Premium-Volumen ohne Premium-Bindung übersetzt sich nicht stabil in Marge.

Take-away: Wenn du Premium machst, brauchst du härtere Bindungsmechaniken als die Volumen-Konkurrenz. Stammkunden-System ist die einzige Versicherung gegen Volatilität.

Wenn du verstehen willst, warum unabhängige Restaurants in dieser Logik strukturell überlegen sein können, lies warum Restaurantketten scheitern. Die Eataly-Geschichte ist ein konkreter Fall des dort beschriebenen Musters.


Der Härtetest gilt für jedes Premium-Konzept

Premium-Skalierung in Deutschland ist ein Härtetest. Eataly bewältigt ihn in 11 Jahren mit zwei Standorten und einem Format-Wechsel von Eigenbetrieb zu Travel-Retail. Eine 706-Millionen-Euro-Marke mit Private-Equity-Mehrheit braucht eine Kapitalerhöhung von 75 Millionen, um die nächste Expansion zu finanzieren. Der Härtetest ist real.

Für dich als Gastronom stellt sich die gleiche Frage in kleinerem Maßstab: Würde dein Konzept den 10. Standort überleben? Oder bricht es zwischen Standort drei und fünf, weil Cross-Sell-Mechaniken fehlen, weil Standort-Magie nicht skaliert, weil Stammkundenbindung nicht systematisiert ist? Der V.O.L.L.-Check zeigt dir in 3 Minuten, welcher der vier GastroInsider Wachstumsfaktoren dein Restaurant am stärksten bremst.


Häufige Fragen

Wem gehört Eataly?

Seit September 2022 hält die britische Private-Equity-Gesellschaft Investindustrial VII LP (geführt von Andrea Bonomi) eine Mehrheit von 52 Prozent an Eataly, erworben für 200 Millionen Euro. Die verbleibenden 48 Prozent halten die Familie Farinetti, Tamburi Investment Partners (TIP) und die Familie Baffigo gemeinsam über die Holding Eatinvest. Konzern-Chairman ist seit 2022 Nicola Farinetti, Sohn des Gründers Oscar Farinetti.

Wo gibt es Eataly in Deutschland?

An zwei Standorten: München Schrannenhalle (Eröffnung 26.11.2015, 4.600 m², eigenbetriebenes Flagship mit 16 Restaurants und Ständen) und Dresden Hauptbahnhof (Eröffnung 25.03.2025, 700 m² Eataly-Anteil in einem Foodcourt mit insgesamt 1.158 m², Travel-Retail-Franchise via Areas mit 10-Jahre-Konzession der Deutschen Bahn). Es gibt keine Eataly-Standorte in Berlin, Frankfurt, Hamburg oder Düsseldorf.

Was ist das Konzept von Eataly?

„Eat, Shop, Learn" – ein Standort verbindet drei Erlöskanäle: Restaurants, Lebensmittelmarkt und Kochschule. Das Modell wurde 2007 von Oscar Farinetti in Turin gegründet und kombiniert Slow-Food-Affiliation, Premium-italienische Lebensmittel, in-house Gastronomie und Bildungsformate. Pro Flagship-Standort betreibt Eataly typischerweise 7 bis 16 Restaurants und Stände unter einem Dach.

Wer ist Oscar Farinetti?

Oscar Farinetti (geboren 1954 in Alba/Piemont) ist der Gründer von Eataly. Vor 2007 war er bis 2003 Präsident von UniEuro, der größten italienischen Elektronik-Kette, gegründet von seinem Vater Paolo. Nach dem UniEuro-Verkauf konzentrierte sich Farinetti auf Eataly. Heute ist er Gründer-Figur, Redner und Investor; die operative Leitung liegt bei seinem Sohn Nicola Farinetti (Chairman) und dem aktuellen Management.

Wie viele Eataly-Standorte gibt es weltweit?

69 Verkaufspunkte in 12 bis 15 Ländern (Stand 2025/2026), davon 27 eigenbetriebene Flagships (14 in Italien, 10 in Nordamerika, 3 in Europa außerhalb Italien) und 26 Franchise-Standorte vor allem in APAC und Middle East. Nordamerika erwirtschaftet über 60 Prozent des Konzernumsatzes. Geschlossen wurden seit 2021 Bari, Forlì, Moskau, São Paulo, Kopenhagen und Verona.

Wann hat Eataly in Dresden eröffnet?

Am 25. März 2025 am Dresdner Hauptbahnhof. Der Standort wird im Travel-Retail-Format betrieben – das heißt: nicht als eigenbetriebenes Flagship wie München, sondern als Franchise mit Areas (Tochter der Elior-Gruppe aus Barcelona). Areas hat über 2 Mio. Euro investiert, die Konzession mit der Deutschen Bahn läuft 10 Jahre, der prognostizierte Umsatz über die Laufzeit liegt bei 60 Mio. Euro. Im Foodcourt arbeiten insgesamt 60 Mitarbeitende für Eataly, Speckmann's und Burger King zusammen.


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