Julian Metcalfe hat in Großbritannien zwei Brands gebaut, die denselben Hunger lösen – Lunch, schnell, städtisch – aber aus zwei fundamental verschiedenen Standort-Räumen heraus. Pret A Manger entstand 1986 mit Sinclair Beecham in der Victoria Street in London (rund 500 UK-Shops Stand 2026, weltweit 717 in 21 Märkten, seit Mai 2018 für £1,5 Mrd Enterprise-Value an JAB Holding verkauft). Itsu folgte 1997, Metcalfe solo, ohne Beecham, mit einem völlig anderen Konzept (rund 80 UK-Restaurants 2024, Bridgepoint hält seit Juni 2021 einen Minderheitsanteil, Metcalfe und Management rund 70 Prozent). Beide Brands sind im DACH-Markt minimal bis null präsent – aber aus sehr unterschiedlichen Gründen, mit sehr unterschiedlichen Eigentümer-Strukturen, und mit zwei verschiedenen Antworten auf dieselbe Standort-Frage.
- Warum Julian Metcalfe 1997 Itsu allein gründete – elf Jahre nach Pret, ohne Sinclair Beecham, mit einem völlig anderen Operations-Kern
- Wie zwei verschiedene PE-Häuser dieselbe Founder-Logik tragen: JAB hält Pret seit 2018 (£1,5 Mrd Enterprise-Value), Bridgepoint hält Itsu seit 2021 als Minderheits-Investor mit Metcalfe und Management bei rund 70 Prozent
- Was Standort-Logik mit Konzept-DNA macht: Pret-Corner mit Travel-Hubs (220 von 500 UK-Sites in Bahnhöfen, Flughäfen und Motorway Services) gegen Itsu-Premium-Stadtmitte mit Made-on-Demand-Sushi und „Eat-Beautiful"-Positionierung
- Warum Pret in Deutschland mindestens sechs aktive Filialen betreibt (Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Travel-Hub-First-Strategie) und Itsu null Restaurants – aber in beiden Fällen ohne flächendeckenden DACH-Plan
- Was du als Casual-Operator über Standort-Identität, zweite Umsatzsäule, Loyalisierung und PE-Eigentums-Struktur als Wachstums-Faktoren lernst
| Was | Warum das für dich wichtig ist |
|---|---|
| Pret 1986 mit Beecham, Itsu 1997 solo – elf Jahre Abstand, beide Brands tragen Metcalfes Operations-Handschrift | Cross-Founder-Story: derselbe Mensch baut zwei Brands für unterschiedliche Standort-Räume. Was sagt das über Konzept-Klarheit pro Standort? |
| JAB hält Pret (Coffee-Empire mit JDE Peet's, Krispy Kreme, Panera), Bridgepoint hält Itsu (Minority, Metcalfe ~70 Prozent) | Zwei verschiedene PE-Logiken: globale Coffee-Brand-Integration gegen Founder-controlled Wachstumskapital. |
| Pret 717 weltweit / ~500 UK, davon ~220 Travel-Hub; Itsu ~80 UK + UK + Belgien + Frankreich | Skalierung-Tempo und Skalierung-Methode unterscheiden sich um eine Größenordnung – bei demselben Founder-Kopf. |
| DACH: Pret DE mindestens sechs Shops, CH mindestens fünf, AT null; Itsu DE/AT/CH null Restaurants (nur Grocery DE) | Zwei verschiedene DACH-Strategien aus derselben Founder-Hand – und in beiden Fällen ohne Dominanz-Anspruch. |
1986 Victoria, 1997 Chelsea: Zwei Gründungen, ein Founder
Julian Metcalfe und Sinclair Beecham eröffneten 1986 die erste Pret-A-Manger-Filiale in der Victoria Street in London. Beide kamen aus dem Immobilien-Umfeld, beide hatten in den frühen Achtzigern wenig Erfahrung mit Gastronomie. Eine £5.000-Erbschaft und ein gebrauchter Ofen waren der Anfang. Pret war eine Antwort auf den Londoner Office-District-Lunch-Hunger: Sandwiches, frisch, schnell, zur Mittagszeit ausverkauft.
Sinclair Beecham verließ Pret später schrittweise und gründete 2006 mit Sharan Pasricha das Hoxton Hotel in Shoreditch. 2012 verkauften die beiden Hoxton an die Ennismore-Gruppe für über £65 Mio. Beecham war damit aus dem Gastronomie-Skalierungsspiel raus. Sein Itsu-Anteil? Es gab keinen – Beecham war nicht Mitgründer von Itsu.
Metcalfe gründete Itsu elf Jahre nach Pret, im August 1997, allein. Der Standort war Chelsea, das Konzept war völlig anders: Sushi auf einem Conveyor-Belt, japanisch inspiriert, höherwertiger Mittagstisch. Warum Metcalfe Itsu solo startete und nicht mit Beecham oder einem anderen Partner, ist nicht in primärer Quelle dokumentiert. Eine plausible Story-Hypothese: Das Itsu-Konzept war für Metcalfe so spezifisch, so vom eigenen Standort-Verständnis getragen, dass ein Co-Founder mit gleichberechtigter Stimme strategisch nicht ins Bild passte.
2008 verkauft Metcalfe Pret an Bridgepoint für rund £364 Mio. (inklusive Rückkauf des McDonald's-33-Prozent-Anteils). Sein Itsu-Engagement blieb. Über die nächsten dreizehn Jahre wuchs Itsu in einem ganz anderen Tempo als Pret – nicht aus Geld-Mangel, sondern aus Standort-Disziplin. 2021 holte Metcalfe dann Bridgepoint zurück, dieses Mal für Itsu. Im Juni 2021 erwarb Bridgepoint einen Minderheitsanteil mit indikativer Bewertung „up to £100 Mio.". Metcalfe und das Management blieben mit rund 70 Prozent die Mehrheitsbeteiligten. „Wir freuen uns, wieder mit Bridgepoint zusammenzuarbeiten nach unserem Erfolg bei Pret A Manger während der dynamischen 2008-2018-Ära", erklärte Metcalfe in The Caterer am 20. Juni 2021.
JAB vs Bridgepoint: Zwei PE-Logiken aus derselben Founder-Hand
Die Eigentümer-Geschichte ist entscheidend, weil sie erklärt, warum Pret und Itsu in den letzten Jahren so unterschiedliche Trajektorien genommen haben. Drei Phasen Pret, zwei Phasen Itsu, ein Founder als Schnittstelle.
| Phase | Pret A Manger | Itsu |
|---|---|---|
| Gründung | 1986 Metcalfe + Beecham, Victoria London | 1997 Metcalfe solo, Chelsea London |
| Erste PE-Hand | Bridgepoint 2008 (~£364 Mio., inkl. McDonald's-33%-Rückkauf) | Founder-controlled bis 2021 |
| Zweite PE-Hand | JAB Holding 2018-05-29 (£1,5 Mrd Enterprise-Value) | Bridgepoint Juni 2021 (Minderheits-Stake, indikativ „up to £100 Mio.") |
| Aktueller Eigentümer 2026 | JAB Holding (Coffee-Empire-Strategie) | Bridgepoint Minority + Metcalfe/Management ~70 Prozent |
| PE-Logik | Globale Coffee-Brand-Portfolio-Integration (JDE Peet's, Keurig Dr Pepper, Krispy Kreme, Panera Brands, Espresso House, Intelligentsia Coffee) | Founder-controlled Wachstumskapital, UK-Health-Food-Skalierung |
Pret und Itsu sind damit zwei verschiedene PE-Geschichten. JAB hat Pret 2018 für £1,5 Mrd Enterprise-Value von Bridgepoint übernommen, als Teil einer breiter angelegten Coffee-Brand-Konsolidierung. Pret läuft seit dem als integrierter Bestandteil eines Portfolios, in dem JDE Peet's für Coffee-Retail, Krispy Kreme für sweet snacks und Panera Brands für Casual-Lunch stehen. Die Synergien sind globale Sourcing-Vorteile, Coffee-Bohnen-Volumen, Übergreifende Loyalty-Mechaniken.
Die Kehrseite: 2024 schrieb Pret einen Goodwill-Impairment von £553 Mio. ab. Der ausgewiesene Operating Loss erreichte £451,5 Mio. nach diesem Non-Cash-Eintrag. Die EBITDA-Marge, die FY2023 noch bei rund 15,1 Prozent (adjusted) lag, fiel FY2024 auf rund 8,1 Prozent (Core Earnings £97,5 Mio. bei Sales £1,2 Mrd). Sales wuchsen weiter (+10 Prozent FY2024, +22 Prozent FY2023), aber die Bewertungs-Realität verlangte eine Goodwill-Korrektur.
Itsu unter Bridgepoint-Minority ist ein anderes Bild. Founder-controlled, fokussiert, ohne breite Portfolio-Integration. Group Turnover FY2023 £161 Mio., davon rund £116 Mio. Restaurant-Revenue und über £50 Mio. Grocery-Revenue mit +24 Prozent Year-on-Year. UK-AUV pro Standort indikativ rund £1,45 Mio. – signifikant über dem branchenüblichen UK-Fast-Casual-Median. Die FY2024-Filings sind im Mai 2026 noch nicht vollständig öffentlich, aber die Wachstumsplanung von Metcalfe und Schlee zielt auf 160 UK-Restaurants (Verdopplung des Estate).
Pret-Corner vs Itsu-Mall: Was Standort-Logik mit Konzept-DNA macht
Die zentrale Standort-Achse zwischen Pret und Itsu lässt sich nicht in einer einzigen Prozentzahl darstellen. Pret und Itsu veröffentlichen keinen quantitativen Standort-Mix (Travel-Hub gegen Mall gegen High-Street gegen Office-Density). Was öffentlich verfügbar ist, sind qualitative Tendenzen und einzelne Absolut-Zahlen.
Pret operiert aus dem Office-District-Corner heraus. World Coffee Portal nennt für 2026 rund 500 UK-Shops; davon sind etwa 220 explizit als Travel-Hub-Standorte ausgewiesen (Flughäfen, Bahnhöfe, Motorway Services), weitere rund 60 als Roadside-Service-Stationen. Der Rest – etwa 220 Shops – verteilt sich auf High-Street- und Office-District-Lagen mit hoher Pendler-Frequenz. Am 5. Mai 2026 eröffnete Pret seinen ersten UK-Drive-Thru an einer BP-Service-Station in Warrington, Cheshire. Die Standort-DNA ist klar: Volumen, Frequenz, Convenience für Pendler und Reisende.
Itsu operiert aus dem City-Centre-Premium-Spot. Rund 80 UK-Restaurants, dazu Standorte in Belgien und Frankreich (Paris Alma 2024 via Groupe-Bertrand-Franchise). In jedem einzelnen Standort gibt es eine eigene In-Store-Küche – Sushi wird Made-on-Demand zubereitet, Bowls werden frisch zusammengestellt, der Operations-Kern ist Quality und Dwell-Time. Die Brand-Mission „Eat Beautiful" ist quantifiziert: Mehrheit der Mahlzeiten unter 500 kcal, 38 Prozent plant-based, 90 Prozent HFSS-compliant. Gedämpft statt frittiert.
Drei Implikationen für die Operations:
- Capex pro Standort: Itsu-Eröffnung ist teurer pro Quadratmeter als Pret-Eröffnung. Eine eigene Küche pro Filiale (Itsu) verlangt mehr Equipment, Belüftung und Personal als ein Grab-and-Go-Counter mit Sandwich-Vorbereitung in zentraler Kitchen (Pret).
- Durchsatz pro Quadratmeter: Pret schlägt Itsu deutlich. Subscription-Driven Coffee-Volumen plus standardisiertes Sandwich-Sortiment erzeugen höhere Frequenz-Raten pro Sitzplatz und pro Theken-Minute.
- AUV pro Standort: Itsu ist hier indikativ stärker (rund £1,45 Mio.) – Premium-Positionierung, höhere Bon-Werte, längere Dwell-Time, Grocery-Halo-Effekt durch In-Store-Marken-Erlebnis.
Das ist die Mall-vs-Corner-Pointe. Beide Konzepte sind valide. Beide Konzepte skalieren. Aber sie skalieren in unterschiedliche Standort-Räume, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit unterschiedlichen Bewertungs-Multiples.
DACH-Status: Pret-Travel-Hub-First gegen Itsu-Grocery-Only
Beide Brands haben im DACH-Markt eine minimale bis null Restaurant-Präsenz – aber aus völlig unterschiedlichen Gründen.
| Markt | Pret A Manger | Itsu |
|---|---|---|
| Deutschland | Mindestens sechs aktive Shops 2024 (Berlin, Frankfurt, Düsseldorf). Travel-Hub-First via SSP-Franchise, dann Downtown Berlin 2023. Franchisee: PM Nord. | Null Restaurants. Itsu DE-Website listet ausschließlich Grocery-Produkte (Bento-Boxen, Soups, Snacks im Einzelhandel). |
| Schweiz | Mindestens fünf Shops 2019-2023 (u. a. Airport Zürich). | Null Restaurants. |
| Österreich | Null Shops. | Null Restaurants. |
| Strategie-Logik | Hub-first (Bahnhöfe + Flughäfen) → Downtown-Stadtkern-Expansion via Franchise-Partner | Grocery-Only-Markteintritt via Einzelhandels-Listings (Tesco-Modell auf DACH übertragen) |
Pret hat eine aktive DACH-Restaurant-Präsenz, aber keinen Dominanz-Anspruch. Die deutschen Shops sind Travel-Hub-zentriert und konzentrieren sich auf hochfrequente Flughafen- und Bahnhofs-Lagen. Downtown-Berlin 2023 war eine Erweiterung des Modells, kein Strategie-Wechsel. Stand 2026 sind keine flächendeckenden DACH-Roll-out-Pläne in der Trade-Press dokumentiert.
Itsu macht das Gegenteil. In Deutschland gibt es null Itsu-Restaurants, aber Itsu-Produkte sind im Lebensmittelhandel präsent. Das Itsu-Grocery-Wachstum FY2023 lag bei +24 Prozent Year-on-Year, und die EU-Distribution wird laut Bridgepoint-Press-Release seit 2021 ausgebaut. Die DACH-Strategie ist damit eine Grocery-First-Strategie, kein Restaurant-Skalierungs-Versuch. Die Logik dahinter: Bridgepoints Press-Release vom 20. Juni 2021 zitiert Metcalfe: „Never before has enjoying healthy, nutritious food been so uppermost in customers' minds. This is what itsu does beautifully for about £7 per head." Health-Branded Grocery skaliert über Tesco, Sainsbury's, Waitrose, Whole Foods und Ocado schneller und Capital-Lighter als Restaurant-Eröffnungen in Berlin, München oder Wien.
Subscription gegen Clearance: Zwei Loyalisierungs-Mechaniken aus demselben Founder-Kopf
Pret und Itsu haben fundamental verschiedene Loyalisierungs-Logiken entwickelt – beide aus dem Metcalfe-Operations-Verständnis heraus, aber für unterschiedliche Standort-Räume.
Pret startete am 8. September 2020 das Subscription-Modell „YourPret Barista" zu £20 pro Monat (fünf Drinks pro Tag inklusive). 2023 wurde es zu „Club Pret" zu £30 pro Monat ausgebaut. Im September 2024 stellte Pret das Modell um: Statt eines fixen Monatsbeitrags gibt es jetzt ein 50-Prozent-off-Modell (Drinks für £5 statt £10, im Subscription-Wahlmodus). Das System ist die Loyalisierungs-Logik des Office-District-Corner: Pendler kommen täglich, der Subscription-Anker macht Pret zur ersten Anlaufstelle, +30 Prozent Basket-Uplift gegen Non-Subscriber, 1,25 Mio. UK-Uses pro Woche.
Itsu hat kein Subscription-Modell. Stattdessen läuft jede Filiale eine tägliche Halbpreis-Abend-Clearance. Made-on-Demand-Sushi und frische Bowls haben begrenzte Shelf-Life. Statt Waste zu produzieren, wird der Abend-Bestand zum Halbpreis abverkauft. Zwei Effekte: Erstens Waste-Reduction (passt zur „Eat-Beautiful"-Mission). Zweitens Frequenz-Pull am Abend, der Itsu zu einem täglichen Anlaufpunkt für Health-bewusste Innenstadt-Gäste macht.
Die Lektion: Loyalisierung muss zum Standort passen. Office-District-Pendler reagieren auf Subscription. City-Centre-Health-Käufer reagieren auf Halbpreis-Clearance plus Health-Brand-Versprechen. Beides erhöht Wiederkehr, beides braucht keine teure App-Infrastruktur, beides ist Low-Tech in seinem Kern.
Wissenstransfer 2024: Clive Schlee verlässt Pret-Erbe und übernimmt Itsu
Im November 2024 wurde Clive Schlee neuer Itsu-Restaurant-CEO. Schlee war von 2003 bis 2019 CEO von Pret A Manger und hat Pret durch die wichtigsten Wachstumsjahre geführt – inklusive der Bridgepoint-Phase (2008-2018) und der ersten internationalen Expansion. Im Oktober 2019 übergab er an Pano Christou, der seit 2000 bei Pret war.
Dass Schlee 2024 zu Itsu wechselt, ist ein Wissenstransfer-Signal. Der Mann, der Pret 16 Jahre operativ geführt hat, übernimmt jetzt Metcalfes zweites Brand. Schlee bringt Subscription-Erfahrung, Travel-Hub-Skalierungs-Know-how, JAB-Investor-Beziehungen mit – und wendet das auf einen Mall- und City-Centre-Brand mit Made-on-Demand-Sushi-Operations an.
Für die Itsu-Wachstumsplanung (160 UK-Restaurants, Verdopplung des Estate) ist Schlee strategisch passend. Pret wuchs unter Schlee von rund 150 UK-Shops auf rund 400 – also fast eine Verdreifachung. Itsus Ziel ist eine Verdopplung. Schlee weiß, was Standort-Validierung in der UK-Casual-Fast-Food-Szene erfordert, und welche Operations-Mechanik bei Skalierung über 100 Sites hält.
Was du als Casual-Operator daraus lernst – die 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren
Wachstumsfaktor 1: Standort ist Konzept-Statement, nicht nur Miete
Pret und Itsu zeigen, dass derselbe Founder zwei verschiedene Standort-Räume gewählt hat – Corner für Pret, Premium-Stadtmitte für Itsu – weil die Konzepte unterschiedliche Frequenz-, Capex- und Operations-Logiken brauchen. Pret-Corner heißt: Sub-90-Sekunden-Speed, Subscription-Driven Wiederkehr, Sandwich-Volumen. Itsu-Mall oder Itsu-Innenstadt heißt: In-Store-Küche, Made-on-Demand, höherer AUV und längere Dwell-Time.
Für dich als Operator: Wenn du einen Standort suchst, frag nicht zuerst nach Miete pro Quadratmeter. Frag, welcher Standort-Typ zu deinem Konzept passt. Ein Bench-Seating-Konzept gehört in eine pendler-frequentierte Lage. Ein Premium-Dinner-Konzept gehört in eine ruhigere Innenstadt-Adresse mit Parkplatz. Wer einen Pret-Corner mietet und ein Itsu-Konzept dort betreibt, hat einen Operations-Mismatch – und umgekehrt.
Take-away: Standort und Konzept müssen dieselbe Sprache sprechen. Miete ist nachrangig.
Wachstumsfaktor 2: Zweite Umsatzsäule als Wachstumshebel
Itsu-Grocery generiert über £50 Mio. Revenue mit +24 Prozent Year-on-Year (FY2023), neben rund £116 Mio. Restaurant-Revenue. Die Itsu-Grocery-Säule läuft über Tesco, Sainsbury's, Waitrose, Whole Foods und Ocado, ist Capital-Light, skaliert geografisch unabhängig vom Restaurant-Estate, und erzeugt Brand-Halo-Effekte für die Restaurants. Pret hat eine vergleichbare zweite Säule über Subscription gebaut – 1,25 Mio. UK-Uses pro Woche, +30 Prozent Basket-Uplift.
Für dich als unabhängiger Operator: Welche zweite Umsatzsäule passt zu deinem Konzept? Möglichkeiten: Eigene Sauce oder Marinade im Einzelhandel der Stadt. Catering-Service für Office-Lunches in einem Radius von 3 Kilometern. Subscription-Modell für Stamm-Gäste mit wöchentlichem Vorzugsmenü. Cooking-Class-Series für 12 Personen pro Monat. Alles vier sind Low-Capex-Erweiterungen, die zusätzliche Umsatzlinien öffnen ohne neuen Standort.
Take-away: Restaurant-Revenue allein ist eine Säule. Frag dich, welche zweite Säule sich aus deinem Konzept ergibt.
Wachstumsfaktor 3: Loyalisierungs-Mechanik muss zur Standort-Frequenz passen
Pret-Subscription zieht Pendler. Itsu-Halbpreis-Abend-Clearance zieht Health-bewusste Innenstadt-Gäste. Beide Mechaniken sind Low-Tech, beide erhöhen Wiederkehr, beide erfordern keine Mobile-App. Aber sie funktionieren in unterschiedlichen Standort-Räumen.
Für deinen Laden: Schau dir an, wann deine Gäste kommen. Wenn du eine Mittagspeak-Frequenz mit 80 Prozent Wiederkehrern hast, ist eine Mittagspeak-Subscription (12 Mittagessen für 99 Euro pro Monat) das nächste logische Loyalisierungs-Tool. Wenn du eine Abend-Schwäche hast, kann eine 17-bis-19-Uhr-Happy-Frist (alles 20 Prozent reduziert) die richtige Antwort sein. Loyalisierung muss zur Frequenz-Lücke passen, die du tatsächlich hast – nicht zur Loyalisierung, die andere Brands gerade hipp finden.
Take-away: Loyalisierungs-Mechanik ist Standort-Frequenz-Antwort, kein Marketing-Trend.
Wachstumsfaktor 4: PE-Eigentumsstruktur als Kundenbindungsdauer-Faktor
Pret unter JAB ist Teil einer globalen Coffee-Brand-Strategie – mit Synergie-Vorteilen, aber auch mit £553 Mio. Goodwill-Impairment im FY2024 und einer EBITDA-Marge, die von 15,1 Prozent (FY2023, adjusted) auf 8,1 Prozent (FY2024, Core Earnings) gefallen ist. Itsu unter Bridgepoint-Minority ist Founder-controlled mit rund 70 Prozent Metcalfe-und-Management-Anteil – fokussiert, gesund wachsend, mit Plan zur Verdopplung des Estate auf 160 UK-Sites.
Beide Strukturen sind valide. Aber sie haben unterschiedliche Folgen für Konzept-Konstanz und Kundenbindungsdauer. Eine Marke, die Teil eines globalen Konzern-Portfolios ist, kann jederzeit umpositioniert werden, wenn die Portfolio-Strategie das verlangt. Eine Founder-controlled Marke trägt die Konzept-DNA fest und langfristig.
Für deinen Laden: Wenn du in zehn Jahren verkaufen willst, prüf den Käufer auf Konzept-Respekt, nicht nur auf Preis. Wenn du nicht verkaufst, ist deine eigene Anwesenheit am Konzept der stärkste Stamm-Gast-Anker. Gäste, die sehen, dass derselbe Mensch seit 15 Jahren denselben Mittagstisch führt, kommen häufiger zurück als bei einer Marke mit alle zwei Jahre wechselndem CEO und neuer Portfolio-Strategie.
Take-away: Konzept-Konstanz ist Kundenbindungs-Werttreiber. PE-Strukturen, die das schützen, sind langfristig wertvoller als die mit dem höchsten Akquisitions-Preis.
Wenn dein Konzept Standort-Logik und Eigentümer-Wechsel überstehen soll
Julian Metcalfe hat zwei Brands gebaut, die zwei verschiedene Standort-Räume bedienen – und beide haben sich über drei beziehungsweise vier Jahrzehnte als skalierbar erwiesen. Pret unter JAB skaliert global, Itsu unter Bridgepoint-Minority skaliert UK-Health-fokussiert. Beide Marken haben in DACH einen sehr begrenzten Restaurant-Fußabdruck. Pret testet via Travel-Hubs und Downtown-Berlin, Itsu via Grocery-First-Markteintritt.
Für dein Restaurant stellt sich die Frage konkret: Welchen Standort-Raum bedienst du tatsächlich, und passt dein Konzept dazu? Welche zweite Umsatzsäule wäre logisch? Welche Loyalisierungs-Mechanik passt zu deiner Frequenz-Realität? Der V.O.L.L.-Check zeigt dir in 3 Minuten, welcher der 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren dein Restaurant am stärksten bremst.
Häufige Fragen
Wem gehört Pret A Manger?
JAB Holding hält die Mehrheit an Pret A Manger seit dem 29. Mai 2018. Der Enterprise-Value beim Deal lag bei £1,5 Mrd. Davor war Pret in Bridgepoint-Eigentümerschaft (seit 2008, Übernahme für rund £364 Mio. inklusive Rückkauf des McDonald's-33-Prozent-Stakes). JAB integriert Pret als Teil einer globalen Coffee-Brand-Strategie zusammen mit JDE Peet's, Keurig Dr Pepper, Krispy Kreme, Panera Brands, Espresso House und Intelligentsia Coffee. CEO ist Pano Christou seit dem 1. Oktober 2019.
Wem gehört Itsu?
Bridgepoint hält seit dem 20. Juni 2021 einen Minderheitsanteil (meaningful minority stake, indikative Bewertung „up to £100 Mio."). Julian Metcalfe und das Management halten rund 70 Prozent. Itsu ist damit Founder-controlled, anders als Pret. Itsu-Restaurant-CEO ist Clive Schlee seit November 2024 (zuvor Pret-CEO von 2003 bis 2019). Itsu ist nicht im JAB-Portfolio.
Hat Itsu etwas mit JAB zu tun?
Nein. Itsu ist Bridgepoint-Eigentum (Minderheits-Stake plus Metcalfe-Management-Mehrheit), nicht JAB. JAB Holding hält Pret A Manger seit 2018, hat aber keinen Itsu-Anteil. Die Verwechslungs-Gefahr ist real, weil beide Brands von Julian Metcalfe gegründet wurden und beide im UK-Grab-and-Go-Segment operieren – aber sie gehören verschiedenen PE-Häusern mit verschiedenen Strategien.
Wer hat Pret A Manger gegründet?
Julian Metcalfe und Sinclair Beecham eröffneten 1986 die erste Pret-A-Manger-Filiale in der Victoria Street in London. Beide kamen aus dem Immobilien-Umfeld. Eine £5.000-Erbschaft und ein gebrauchter Ofen waren der Anfang. Sinclair Beecham verließ Pret später schrittweise und gründete 2006 das Hoxton Hotel in Shoreditch.
Wer hat Itsu gegründet?
Julian Metcalfe gründete Itsu im August 1997 allein in Chelsea, London. Sinclair Beecham war kein Mitgründer von Itsu. Das Konzept war anders als Pret – Sushi auf Conveyor-Belt-Vorbild, japanisch inspiriert, Premium-Mittagstisch. Warum Metcalfe Itsu solo startete und nicht mit einem Co-Founder, ist nicht in primärer Quelle dokumentiert.
Wie viele Pret-Filialen gibt es weltweit?
Stand 2024 betreibt Pret A Manger 717 Shops in 21 Märkten. In Großbritannien sind es rund 500 Shops (Stand 2026, World Coffee Portal), davon etwa 220 in Travel-Hubs (Flughäfen, Bahnhöfe, Motorway Services) und rund 60 in Roadside-Service-Stationen. Der erste UK-Drive-Thru eröffnete am 5. Mai 2026 in Warrington, Cheshire.
Wie viele Itsu-Filialen gibt es?
Itsu betreibt rund 80 Restaurants in Großbritannien (ScrapeHero zählt am 4. März 2026 exakt 81). Plus Standorte in Belgien und Frankreich (Paris Alma 2024 via Groupe-Bertrand-Franchise). Gesamt 80+ Restaurants. Der Wachstumsplan zielt auf 160 UK-Sites (Verdopplung des Estate).
Gibt es Pret A Manger in Deutschland?
Ja. Pret betreibt mindestens sechs aktive Shops in Deutschland (Berlin, Frankfurt, Düsseldorf), Stand 2024. Die DACH-Strategie ist Travel-Hub-First über die SSP-Franchise-Partnerschaft, ergänzt durch Downtown-Berlin (2023). In der Schweiz gibt es mindestens fünf Standorte (unter anderem am Airport Zürich), in Österreich null. Eine flächendeckende DACH-Roll-out-Pipeline ist in der Trade-Press nicht dokumentiert.
Gibt es Itsu in Deutschland?
Keine Restaurants. Die Itsu-DACH-Strategie ist eine Grocery-First-Strategie: Itsu-Produkte (Bento-Boxen, Soups, Snacks) sind im Einzelhandel präsent. Restaurants gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz null. Die Itsu-Grocery-Säule wuchs FY2023 um +24 Prozent Year-on-Year, und die EU-Distribution wird laut Bridgepoint-Press-Release seit 2021 ausgebaut.
Was ist Club Pret?
Club Pret war ein Subscription-Modell von Pret A Manger, gestartet im September 2020 als „YourPret Barista" zu £20 pro Monat. 2023 wurde es zu „Club Pret" zu £30 pro Monat ausgebaut. Im September 2024 stellte Pret auf ein 50-Prozent-off-Modell um (Drinks für £5 statt £10). Das Subscription-System generiert 1,25 Mio. UK-Uses pro Woche mit +30 Prozent Basket-Uplift gegenüber Non-Subscribern.
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