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Block House vs. Maredo: Warum das eine Steakhaus seit 57 Jahren wächst — und das andere für immer geschlossen hat

Zwei Steakhäuser. Beide deutsch. Beide seit den 60ern und 70ern. Beide Innenstadtlagen in deutschen Großstädten. Beide verkaufen Steaks für 25-35 Euro.

Michael Krause
Michael Krause
09. Juli 202520 Min. Lesezeit
Block House vs. Maredo: Warum das eine Steakhaus seit 57 Jahren wächst — und das andere für immer geschlossen hat

Zwei Steakhäuser. Beide deutsch. Beide seit den 60ern und 70ern. Beide Innenstadtlagen in deutschen Großstädten. Beide verkaufen Steaks für 25-35 Euro.

Maredo: Insolvenz. Geschlossen. Fünf Eigentümer in 20 Jahren. Der letzte Jahresumsatz: 50 Millionen Euro — bei rückläufiger Tendenz. 2020 wurden alle Mitarbeiter entlassen. Alle Mietverträge gekündigt. Die Marke existiert noch in einer geschrumpften Neuauflage — aber die Kette die einmal 35 Filialen hatte, ist Geschichte.

Block House: 50+ Restaurants. 534 Millionen Euro Gruppenumsatz. Fast 2.800 Mitarbeiter. Eigene Fleischverarbeitung. Eigene Rinderzucht. Eigene Gewürze und Saucen im Einzelhandel. Profitabel. Wachsend. Gerade erst ein neues Restaurant am Hamburger Gänsemarkt eröffnet.

Selber Markt. Selber Preis. Selber Gast.

Anderes Ergebnis.

Warum? Weil die ENTSCHEIDUNGEN anders waren. Nicht die großen, dramatischen Entscheidungen. Sondern die leisen, die man 10 oder 20 Jahre vorher trifft — und deren Konsequenz erst sichtbar wird wenn die Krise kommt.

Maredo gehörte Investoren. Block House gehört einer Familie. Maredo kaufte Fleisch vom Großhandel. Block House verarbeitet es selbst. Maredo sah 2020 aus wie 1985. Block House modernisiert jedes Jahr.

Diese Geschichte geht jeden Gastronom in Deutschland etwas an. Denn die Frage ist nicht ob DU ein Steakhaus führst. Die Frage ist: Triffst du Block-House-Entscheidungen — oder Maredo-Entscheidungen?

Was du in diesem Artikel erfährst:

  • Warum Block House nach 57 Jahren profitabler ist als je zuvor — und was Maredo in 47 Jahren falsch gemacht hat
  • Wie vertikale Integration (eigene Produktion) zum mächtigsten Wettbewerbsvorteil der deutschen Systemgastronomie wurde
  • Warum Familienbesitz kein sentimentaler Wert ist, sondern ein STRUKTURELLER Vorteil
  • 5 Lektionen die du sofort auf dein Restaurant übertragen kannst — auch wenn du ein einziges Lokal hast
  • Das Muster das Block House mit In-N-Out, White Castle und Chick-fil-A teilt
Was Warum das wichtig ist
Block House vs. Maredo verstehen Du erkennst warum gleicher Start und verschiedene Entscheidungen zu gegenteiligen Ergebnissen führen
Vertikale Integration als Prinzip begreifen Du weißt wie du durch eigene Produktion GLEICHZEITIG Qualität, Marge und Story verbesserst
Familienbesitz als Strategie sehen Du verstehst warum Langfrist-Denken jeden Quartalsbericht schlägt
Das Block-House-Prinzip anwenden Du hast 5 konkrete Regeln die dein Restaurant krisenfest machen

1968 vs. 1973: Zwei Steakhäuser, ein Markt — und eine Weggabelung

Eugen Block eröffnete am 26. September 1968 das erste Block House in Hamburg-Winterhude. Ein Steakhaus. Argentinisches Rind. Holzvertäfelung. Klare Preise. Ein Versprechen: "Das beste Steak der Stadt."

Fünf Jahre später, 1973, gründeten Manfred Holl, Karl-Heinz Reinheimer und Udo Schlote die Steakhaus-Kette Maredo — der Name ein Kunstwort aus ihren Vornamen. Auch hier: Steaks, Innenstadtlagen, mittleres Preissegment, deutsche Großstädte.

Zwei Ketten. Gleicher Start. Gleiche Idee. Gleiches Jahrzehnt.

Über 40 Jahre lang liefen beide parallel. Beide wuchsen auf 30-50 Standorte. Beide waren in jeder deutschen Großstadt präsent. Beide galten als "Institution" für Steakliebhaber.

Und dann zeigte sich der Unterschied. Nicht plötzlich — er hatte sich über Jahrzehnte aufgebaut. Leise. Unsichtbar. Bis er nicht mehr zu übersehen war.

Die Weggabelung war kein einzelner Moment. Es waren hunderte kleine Entscheidungen. Über Eigentümerschaft. Über Qualitätskontrolle. Über Innovation. Über den Umgang mit dem eigenen Produkt.

Block House traf bei JEDER dieser Entscheidungen die andere Wahl als Maredo.

Was du jetzt tun kannst: Denk an dein Restaurant. Welche Entscheidungen triffst du heute — die in 10 Jahren sichtbar werden? Wer kontrolliert die Qualität? Wer bestimmt die Strategie? Diese Antworten entscheiden über dein Schicksal — nicht der Umsatz von morgen.


Block House: Warum eine Familie 57 Jahre lang JEDES Jahr ein bisschen besser wird

Eugen Block verstand von Anfang an etwas das die meisten Gastronomen nie verstehen: Ein Restaurant ist kein Ereignis. Es ist ein SYSTEM. Und ein System wird nicht durch einen genialen Moment erfolgreich — sondern durch tausend kleine Verbesserungen über Jahrzehnte.

Familienbesitz als strategischer Vorteil:

Block House gehört der Familie Block. Kein Investor. Kein Private-Equity-Fonds. Kein Börsengang. 57 Jahre lang. Das bedeutet: Jede Entscheidung wird für die NÄCHSTE Generation getroffen — nicht für das nächste Quartal.

Wenn ein PE-Fonds ein Restaurant kauft, hat er ein Ziel: in 3-5 Jahren mit Gewinn verkaufen. Also wird gespart, optimiert, die Marge gedrückt. Was auf der Strecke bleibt: Qualität, Innovation, Mitarbeiter, langfristige Investitionen.

Wenn eine Familie ein Restaurant führt, ist das Ziel ein anderes: dass es in 30 Jahren NOCH steht. Also wird investiert — in Qualität, in Mitarbeiter, in das Produkt. Nicht weil es sich dieses Quartal rechnet. Sondern weil es sich in 10 Jahren auszahlt.

Das Ergebnis liest sich in Zahlen: Die Block Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 534 Millionen Euro — ein Plus von 30 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Fast 2.800 Mitarbeiter. Über 50 Block House Restaurants in Deutschland plus weitere Standorte in Spanien, Portugal und Österreich. Hotels. Lebensmittelproduktion. Einzelhandelsprodukte.

Aus einem einzigen Steakhaus in Hamburg-Winterhude.

Evolution statt Revolution:

Block House sieht 2026 NICHT aus wie 1968. Das Interieur ist modern — warme Materialien, zeitgemäßes Design, ohne die 80er-Jahre-Holzvertäfelung die viele Steakhäuser noch haben. Das Menü hat sich erweitert: Burger, Salate, vegetarische Optionen. Die digitale Speisekarte existiert als Option. Social Media wird aktiv bespielt. Es gibt einen eigenen Online-Shop.

ABER — und das ist entscheidend — der KERN ist DERSELBE wie 1968. "Das beste Steak der Stadt." Dieses Versprechen hat sich in 57 Jahren nicht verändert. Nicht ein einziges Mal. Alles DRUMHERUM wurde modernisiert. Der Kern wurde geschützt.

Das ist die goldene Regel der Evolution: Verändere alles was sich verändern MUSS — aber berühre NIEMALS das was dich einzigartig macht.

Es gibt eine spezifische Methode mit der ich Coaching-Klienten helfe, ihren unveränderlichen Kern zu identifizieren — und davon den "Modernisierungsring" zu unterscheiden der sich MUSS verändern. Diese Methode behandle ich regelmäßig im Newsletter.

Was du jetzt tun kannst: Beantworte EINE Frage: Was ist der KERN deines Restaurants — das Eine das du NIEMALS ändern darfst? Wenn du es nicht in einem Satz sagen kannst, hast du ein Identitätsproblem. Block House kann es: "Das beste Steak der Stadt." Vier Wörter. 57 Jahre unverändert. Was sind deine?


Vom Rind bis zum Teller: Warum Block House die Lieferkette BESITZT — und warum das alles verändert

Hier liegt der strukturelle Vorteil den KEIN Wettbewerber einfach kopieren kann.

Block House BESITZT seine Lieferkette. Komplett. Von Anfang bis Ende.

Die Block Foods AG bündelt die gesamte Lebensmittelproduktion der Gruppe:

  • Eigenes Aufzuchtprogramm: 36 Vertragslandwirte in der Region. Die Kälber wachsen 6 Monate bei den Mutterkühen auf der Weide. Gentechnikfreies Futter aus regionalem Anbau. Offenställe auf Stroh. Block House zahlt den Landwirten deutlich über Marktniveau für diese Qualität.

  • Eigene Fleischerei: Block House Fleischerei GmbH verarbeitet die Rinder selbst. Rückverfolgbarkeit: lückenlos. Von der Weide über die Schlachtung bis zum Teller. Jedes Steak hat eine Geschichte — und Block House kann sie erzählen.

  • Eigene Produktion: Nahezu alle Produkte stellt die Block Foods AG selbst her. Sour Cream. Burgerpattys. Saucen. Gewürze. Das berühmte "Zaubergewürzsalz". Brotprodukte. Ein Rind liefert 20-30 Kilogramm Steaks — der REST wird zu Gulasch, Rouladen, Burgerpattys oder Bouillon verarbeitet. Zero Waste als Prinzip, nicht als Marketing-Label.

  • Eigene Logistik: Block Logistik GmbH steuert den Transport.

  • Einzelhandels-Geschäft: Seit 2018 gibt es einen eigenen Online-Shop. Block House Saucen, Gewürze und Burgerpattys stehen in Supermarktregalen bei Edeka, Famila und anderen Händlern. Ein zweiter Umsatzkanal der nichts mit der Restaurantauslastung zu tun hat.

Was bedeutet das in der Praxis?

Für die Qualität: Block House kontrolliert JEDE Stufe. Wenn das Steak nicht stimmt, wissen sie GENAU wo das Problem liegt — weil sie jeden Schritt besitzen. Maredo kaufte Standard-Ware vom Großhandel. Wenn die Qualität schwankte, konnten sie NICHTS tun außer den Lieferanten wechseln.

Für die Marge: Eigene Produktion eliminiert den Zwischenhändler. Die Marge die sonst beim Großhändler landet, bleibt bei Block House. Bei einem 534-Millionen-Euro-Unternehmen sind das Millionen pro Jahr.

Für die Story: "Unser Fleisch kommt von 36 Vertragslandwirten aus der Region. Die Kälber wachsen 6 Monate bei den Mutterkühen auf der Weide." Das ist KEINE Marketing-Floskel. Das ist überprüfbare Realität. Und genau DAS ist der Stoff aus dem Vertrauen entsteht — in einer Branche in der 72% der Deutschen Fleisch inzwischen zumindest gelegentlich meiden.

Für die Krisenresistenz: Als die Lieferkettenprobleme 2020-2022 die gesamte Gastronomie trafen — Engpässe, Preissteigerungen, Qualitätsschwankungen — war Block House WENIGER betroffen. Wer seine Kette BESITZT, ist von externen Schocks WENIGER abhängig.


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Block House kontrolliert seine komplette Kette vom Rind bis zum Teller. Die meisten Restaurants kontrollieren fast NICHTS. Die Checkliste zeigt dir in 10 Minuten wo deine Abhängigkeiten liegen — und welche du DIESE Woche reduzieren kannst.

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Maredo: 5 Eigentümer, null Evolution — die Anatomie eines vermeidbaren Todes

Die Geschichte von Maredo ist das genaue Gegenteil von Block House. Und sie ist ein Lehrstück das sich in der deutschen Gastronomie immer und immer wieder wiederholt.

Die Eigentümer-Karusell-Chronologie:

1973: Gründung durch Holl, Reinheimer und Schlote. Die Kette wächst auf über 30 Filialen. Solides deutsches Steakhaus. Innenstadtlagen. Funktioniert.

2005: Verkauf an die britische Whitbread Group — über ein Management-Buyout zusammen mit Parcom Capital und Fortis Private Equity (BNP Paribas). Erste Investoren. Erste Quartalsziel-Logik.

2008: ECM Equity Capital Management übernimmt die Mehrheit. Nächster PE-Fonds. Nächste "Optimierung".

2017: Perusa Partners Fund 2 kauft Maredo von ECM. Dritter PE-Eigentümer. Der Pressemitteilungs-Titel: "Perusa erwirbt Maredo und setzt auf weiteres Wachstum durch Roll-out des modernisierten Steakhouse-Konzeptes." Modernisiertes Konzept. Roll-out. Wachstum. Die üblichen Worthülsen.

März 2020: Insolvenz. Alle Mitarbeiter entlassen. Alle Mietverträge gekündigt. 13 Restaurants sofort für immer geschlossen — darunter prominente Standorte wie "Unter den Linden" in Berlin, an der Frauenkirche in Dresden, am Sandtorplatz in Hamburg.

2021: Georg Voss versucht einen Neustart. Einzelne Standorte in Berlin, Stuttgart, Dortmund, Frankfurt werden wiedereröffnet. Aber von den einst 35 Filialen bleibt ein Bruchteil.

Was WIRKLICH passiert ist:

Vier Private-Equity-Eigentümer in 15 Jahren. Jeder kaufte, "optimierte" (= Kosten senken, Marge drücken), und verkaufte weiter. Keiner investierte in:

  • Das Produkt: Maredo kaufte Standard-Fleisch vom Großhandel. Keine eigene Verarbeitung. Keine Rückverfolgbarkeit. Keine Geschichte. Während Block House seine Lieferkette AUFBAUTE, ließ Maredo sie VERFALLEN.

  • Das Design: Gastronomieexperten beschrieben das Konzept als "überholt". Das Restaurant sah 2020 aus wie in den 80er Jahren. Keine Modernisierung. Keine Evolution. Stillstand — über Jahrzehnte.

  • Die Innovation: Keine neuen Menüoptionen. Keine Reaktion auf veränderte Essgewohnheiten. Kein Delivery. Kein Take-away. Kein zweiter Kanal. 100% Dine-in in einem Konzept das die Zeit überholt hatte.

Der Umsatz pro Standort erzählt die Geschichte: Maredo zuletzt circa 50 Millionen Euro bei 35 Filialen — das sind 1,4 Millionen Euro pro Standort. Block House: 534 Millionen Euro Gruppenumsatz, davon 155 Millionen aus der Gastronomie bei 50+ Standorten — über 3 Millionen Euro pro Standort. Mehr als DOPPELT so viel. Im selben Segment. Im selben Land.

Was du jetzt tun kannst: Frag dich: Bist du eher Block House oder eher Maredo? Modernisierst du jedes Jahr ein bisschen — oder hast du seit 5 Jahren nichts am Konzept verändert? Kontrollierst du deine Qualität — oder bist du von Lieferanten abhängig die dir austauschbare Ware liefern? Denkst du in Jahrzehnten — oder in Monaten?


5 Lektionen die du aus diesem Vergleich mitnimmst

Lektion 1: Kontrolliere deine Lieferkette — oder sie kontrolliert DICH

Block House weiß woher JEDES Steak kommt. 36 Vertragslandwirte. 6 Monate Kälberaufzucht bei der Mutter. Lückenlose Rückverfolgbarkeit.

Maredo kaufte vom Großhandel. Austauschbare Ware. Keine Story. Keine Kontrolle.

Du musst keine eigene Fleischerei bauen. Aber du MUSST wissen woher dein wichtigstes Produkt kommt. Wer ist dein Bauer? Dein Fischer? Dein Bäcker? Wenn du die Antwort nicht kennst — kennst du dein eigenes Produkt nicht.

Und das ist nicht nur ein Qualitätsthema. Es ist ein Marketing-Thema. "Unser Fleisch kommt von Hof Meier in Schleswig-Holstein, 40 Kilometer von hier" — das ist eine Geschichte die auf die Speisekarte gehört. Die dein Gast weitererzählt. Die dich von jedem Wettbewerber unterscheidet der "Rindfleisch" auf der Karte stehen hat.

Was du jetzt tun kannst: Ruf DIESE WOCHE den Lieferanten deines wichtigsten Produkts an. Frag: Woher genau kommt das? Wer produziert es? Kann ich den Betrieb besuchen? Wenn die Antworten vage sind — such einen besseren Lieferanten. Dein wichtigstes Produkt verdient einen Partner, keinen anonymen Händler.

Lektion 2: Modernisiere REGELMÄSSIG — aber ändere NIEMALS den Kern

Block House 2026 sieht KOMPLETT anders aus als Block House 1968. Das Design ist modern. Das Menü erweitert. Die Technik digital. Aber das VERSPRECHEN ist identisch: "Das beste Steak der Stadt."

Maredo hat 40 Jahre lang NICHTS geändert. Kein neues Design. Keine Menü-Innovation. Kein digitaler Auftritt. Das Konzept erstarrte.

Die Regel: Modernisiere das DRUMHERUM jedes Jahr ein bisschen. Das Interior. Die Musik. Die Beleuchtung. Die Karte. Den Service. Kleine Verbesserungen. Nie stehen bleiben.

Aber SCHÜTZE den Kern. Das eine Versprechen das dein Restaurant ausmacht. Das Gericht für das man kommt. Die Atmosphäre die man nirgendwo sonst findet. Den einen Satz in dem ein Stammgast dein Restaurant beschreibt. Das ist heilig. Das darfst du nie verändern.

Ich habe das bei hunderten Gastronomen gesehen: Die die scheitern, ändern entweder ALLES (und verlieren ihre Identität) oder NICHTS (und werden irrelevant). Die die bestehen, ändern das RICHTIGE — und lassen das WICHTIGE in Ruhe.

Was du jetzt tun kannst: Mach zwei Listen. Liste 1: Was an deinem Restaurant MUSS sich ändern? (veraltet, nicht mehr zeitgemäß, schwächt dich). Liste 2: Was darf sich NIEMALS ändern? (dein Kern, dein Versprechen, dein Signature). Dann: Eine Sache von Liste 1 in den nächsten 30 Tagen umsetzen.

Lektion 3: Eigene Produktion = eigene Marge = eigene Story

Block House stellt nahezu ALLES selbst her. Sour Cream. Burgerpattys. Saucen. Gewürze. Was sie nicht am Tisch verkaufen, verkaufen sie im Einzelhandel — "Zaubergewürzsalz" bei Edeka. Ein zweiter Umsatzstrom der nichts mit der Restaurantauslastung zu tun hat.

Was könntest DU selbst machen statt zu kaufen?

  • Brot: Kosten für selbstgebackenes Brot: minimal. Wirkung auf den Gast: enorm. "Ofenfrisches Brot" ist einer der stärksten unbewussten Qualitätssignale in der Gastronomie.
  • Saucen und Dressings: Dein Signature-Dressing das es NUR bei dir gibt — unbezahlbar für Positionierung.
  • Desserts: Selbstgemachtes Eis, Tiramisu nach Familienrezept, Schokoladenmousse aus der eigenen Küche — höhere Marge UND besserer Geschmack als Convenience.
  • Gewürzmischungen oder Saucen im Glas: Als Mitnahme-Produkt. Verkaufspreis 5-8 Euro. Marge 70%+. Und jedes Glas das zu Hause im Regal steht, ist ein Werbeträger.

Meine Coaching-Klienten die mindestens ein Eigenprodukt entwickelt haben — ob Sauce, Gewürz oder Brot — berichten mir über 8-15% höhere Durchschnittsbons. Nicht weil das Produkt so teuer ist. Sondern weil SELBSTGEMACHT ein Qualitätssignal sendet das auf die GESAMTE Karte abstrahlt.

Welche Eigenprodukte für DEIN Konzept den größten Hebel haben — und wie du sie ohne großen Aufwand startest — behandle ich regelmäßig im Newsletter.

Was du jetzt tun kannst: Identifiziere EIN Produkt das du selbst herstellen könntest statt einzukaufen. Starte mit dem einfachsten: ein Dressing, eine Sauce, ein Brot. Teste es 2 Wochen lang. Dann frag deine Gäste.

Lektion 4: Familienbesitz ist kein sentimentaler Wert — er ist ein strategischer Vorteil

Block House: eine Familie. 57 Jahre. Null Investoren. Null Börsenzwang. Entscheidungen für Jahrzehnte.

Maredo: vier PE-Eigentümer in 15 Jahren. Jeder mit dem Ziel in 3-5 Jahren zu verkaufen. Jeder mit dem Fokus auf Kosten senken statt Qualität steigern. Das Ergebnis: ein Restaurant das seine SEELE verloren hat — lange bevor es seine EXISTENZ verlor.

Das Muster ist kein Zufall. Es wiederholt sich in der gesamten Gastronomie. Die Ketten die ÜBERLEBEN sind fast immer in Familienbesitz oder gründergeführt:

  • Block House: Familie Block. 57 Jahre. 534 Mio €.
  • In-N-Out Burger: Familie Snyder. 76 Jahre. $5,8 Mio AUV pro Standort.
  • Peter Pane: Patrick Junge. Familienbesitz. 57 Standorte. 140 Mio €.
  • White Castle: Familie Ingram. 104 Jahre.
  • Chick-fil-A: Familie Cathy. 57 Jahre. Höchster Umsatz pro Standort aller US-Ketten.

Die Ketten die STERBEN haben fast immer eines gemeinsam: PE-Eigentümer die Rendite statt Qualität priorisieren. Maredo. Vapiano. Sausalitos. TGI Friday's. Red Lobster. Dasselbe Muster. Derselbe Ausgang.

Das ist die Botschaft für DICH: Dein Restaurant in Familienbesitz zu halten — oder zumindest in den Händen von Menschen die LANGFRISTIG denken — ist kein nostalgischer Wert. Es ist dein größter Wettbewerbsvorteil.

Was du jetzt tun kannst: Wenn dir jemand anbietet dein Restaurant zu kaufen — stell EINE Frage: "Was passiert in 10 Jahren?" Wenn die Antwort "Exit" enthält, weißt du alles was du wissen musst. Wer seine Insolvenz verhindern will, behält die Kontrolle.

Lektion 5: Wachse NUR wenn die bestehenden Standorte profitabel sind

Block House hat in 57 Jahren rund 50 Restaurants eröffnet. Das ist weniger als 1 pro Jahr im Durchschnitt. Langsam? Ja. Aber jeder Standort ist profitabel. Jeder Standort hat die gleiche Qualität. Jeder Standort trägt das Block-House-Versprechen.

Maredo wuchs schneller — und verlor dabei die Kontrolle über Qualität, Konsistenz und Marke.

Die Regel die sich durch JEDE erfolgreiche Langfrist-Kette zieht: Der bestehende Standort muss EXZELLENT sein bevor der nächste kommt. Nicht "okay". Nicht "profitabel genug". EXZELLENT. Denn jeder neue Standort der mittelmäßig ist, verwässert deine Marke — und mittelmäßige Standorte haben in einer Krise als ERSTE ein Problem.

Das ist auch die Logik der 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren: Erst die bestehenden 4 Faktoren an einem Standort optimieren. Dann — und NUR dann — den nächsten Standort in Betracht ziehen.

Was du jetzt tun kannst: Bevor du über Expansion nachdenkst — bewerte deinen bestehenden Standort ehrlich. Ist er auf 9 oder 10 von 10? Wenn nicht: Dort investieren. Nicht in einen zweiten.


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7 Fragen die in 10 Minuten zeigen ob du deine Qualität KONTROLLIERST oder ob du von Lieferanten abhängig bist die morgen den Preis erhöhen, die Qualität senken oder ganz ausfallen können.

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Das Block-House-Prinzip: 5 Regeln die jedes Restaurant befolgen sollte

Wenn du die gesamte Block-House-Geschichte auf fünf Regeln verdichtest, sind es diese:

  1. Kontrolliere was du kontrollieren KANNST. Lieferkette. Qualität. Produktion. Je mehr du selbst in der Hand hast, desto weniger können externe Schocks dich treffen.

  2. Modernisiere regelmäßig, ändere den Kern NIE. Alles um den Kern herum darf und MUSS sich verändern. Der Kern selbst — dein Versprechen, dein Identitätsmerkmal — ist unantastbar.

  3. Denke in Jahrzehnten, nicht in Quartalen. Familienbesitz ist der einfachste Weg dorthin. Aber auch ohne Familie: Triff Entscheidungen die in 10 Jahren noch richtig sind.

  4. Qualität schlägt Kostensenkung. Immer. Maredo hat Kosten gesenkt und ist gestorben. Block House hat in Qualität investiert und ist gewachsen. Der Markt verzeiht vieles — aber keine sinkende Qualität.

  5. Wachse nur wenn das Bestehende exzellent ist. Jeder neue Standort der nicht mindestens so gut ist wie der erste, schwächt die Marke — und wird zum Risiko in der nächsten Krise.

Seit 2020 haben 48.000 Gastronomiebetriebe in Deutschland geschlossen. Die Insolvenzrate im Gastgewerbe lag 2025 bei 108 je 10.000 Unternehmen — die zweithöchste aller Branchen. In diesem Umfeld steigert Block House seinen Umsatz um 30 Millionen Euro auf 534 Millionen.

Das ist kein Glück. Das ist das Ergebnis von 57 Jahren richtiger Entscheidungen.

Warum Restaurantketten scheitern — und welche Muster die Überlebenden teilen — habe ich in einem eigenen Artikel analysiert.


Die komplette Serie: 50 Ketten, 1 Wahrheit: Warum Restaurants scheitern und überleben

Häufige Fragen zu Block House, Maredo und Steakhaus-Strategien

Warum ist Maredo gescheitert? Maredo hatte vier Private-Equity-Eigentümer in 15 Jahren. Keiner investierte in Produkt, Design oder Innovation. Das Konzept galt Experten als "überholt". Der Umsatz war rückläufig. Als COVID 2020 kam, gab es keine Reserven, keinen zweiten Kanal und kein Konzept das die Krise hätte überstehen können. Alle Mitarbeiter wurden entlassen. 13 von 35 Filialen schlossen sofort für immer.

Wie groß ist Block House heute? Die Block Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 534 Millionen Euro mit fast 2.800 Mitarbeitern. Davon entfallen rund 155 Millionen auf die Gastronomie (50+ Block House Restaurants), rund 150 Millionen auf die Lebensmittelproduktion (Block Foods AG) und rund 32 Millionen auf Hotels. Die Restaurants stehen in Deutschland, Österreich, Spanien und Portugal.

Was macht Block House anders als andere Steakhäuser? Vertikale Integration. Block House kontrolliert die gesamte Kette: 36 eigene Vertragslandwirte, eigene Fleischerei, eigene Gewürz- und Saucenproduktion, eigene Logistik, eigener Einzelhandelsvertrieb. Dazu: Familienbesitz seit 57 Jahren und konsequente Modernisierung ohne den Kern (bestes Steak) zu verändern.

Wem gehört Block House? Der Familie Block aus Hamburg. Eugen Block gründete das erste Restaurant 1968. Die Block Gruppe wird heute als Familienunternehmen geführt. Kein Private Equity. Kein Börsengang. Keine externen Investoren.

Was ist das "Block-House-Prinzip"? Fünf Regeln die sich aus 57 Jahren Erfolg destillieren lassen: (1) Kontrolliere deine Lieferkette, (2) Modernisiere regelmäßig aber ändere den Kern nie, (3) Denke in Jahrzehnten, (4) Qualität vor Kostensenkung, (5) Wachse nur wenn das Bestehende exzellent ist.

Kann ich als kleines Restaurant von Block House lernen? Ja — und vielleicht sogar MEHR als eine Kette. Du kannst deinen Lieferanten persönlich besuchen (Block House hat 36 Vertragsbauern). Du kannst ein Eigenprodukt entwickeln (Sauce, Brot, Dressing) das DEINE Marge und DEINE Story steigert. Du kannst deinen Kern in einem Satz definieren. Und du kannst jeden Monat EINE Sache verbessern — so wie Block House es seit 57 Jahren macht.

Hat Maredo einen Neustart geschafft? Teilweise. Gastronom Georg Voss übernahm die Marke und eröffnete einzelne Standorte in Berlin, Stuttgart, Dortmund, Frankfurt und weiteren Städten. Aber von den einst 35 Filialen blieb nur ein Bruchteil. Die Kette die einmal eine Institution war, ist ein Schatten ihrer selbst.

Warum ist Familienbesitz so wichtig in der Gastronomie? Weil Gastronomie ein Langfrist-Geschäft ist. Qualität aufzubauen dauert Jahre. Reputation aufzubauen dauert Jahrzehnte. PE-Investoren haben 3-5 Jahre. Das reicht um Kosten zu senken — aber nicht um Qualität aufzubauen. Die erfolgreichsten Langfrist-Ketten weltweit — Block House, In-N-Out, White Castle, Chick-fil-A, Peter Pane — sind fast alle in Familienbesitz.


Was Block House dich über DEIN Restaurant lehrt

Block House ist kein Wunder. Es ist das Ergebnis einer einfachen Philosophie: Jedes Jahr ein bisschen besser. Jede Entscheidung für die lange Sicht. Jede Qualitätsstufe unter eigener Kontrolle.

Maredo war kein Pechvogel. Es war das Ergebnis einer ebenso einfachen, aber gegenteiligen Philosophie: Jedes Jahr ein neuer Eigentümer. Jede Entscheidung für den nächsten Exit. Jede Qualitätsstufe an den billigsten Anbieter delegiert.

Du entscheidest jeden Tag welche Philosophie du lebst.

Kontrollierst du deine Qualität — oder hoffst du dass dein Lieferant sie liefert? Modernisierst du dein Restaurant — oder sieht es aus wie vor 10 Jahren? Denkst du in Jahrzehnten — oder in Monaten? Investierst du in dein Produkt — oder sparst du an allem wo es geht?

Die Antworten auf diese Fragen entscheiden nicht über dein nächstes Quartal. Sie entscheiden über die nächsten 10 Jahre.

Block House hat 57 davon hinter sich. Profitabel. Wachsend. Stärker als je zuvor.

Nicht weil das Steak perfekt ist. Sondern weil die ENTSCHEIDUNGEN es waren.

Und gute Entscheidungen kann sich jeder leisten — unabhängig von der Größe des Restaurants. Du brauchst keine 534 Millionen Euro Umsatz. Du brauchst die Bereitschaft, HEUTE die Entscheidung zu treffen die in 10 Jahren den Unterschied macht.

Fang an. Jetzt. Mit einer einzigen Sache: dem Block-House-Prinzip Nummer 2. Modernisiere EINE Sache an deinem Restaurant. Heute. Ohne den Kern zu berühren.

Das ist der erste Schritt von Maredo zu Block House.

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Weiterführende Artikel: - Warum Restaurantketten scheitern — das Muster hinter Vapiano, Maredo und Co. - Restaurant-Positionierung: Wie du dich von 200.000 Betrieben abhebst - Restaurant-Controlling: Die Kennzahlen die du wirklich brauchst - Gastronomie-Insolvenz verhindern: 7 Kennzahlen die du wöchentlich prüfen solltest - Umsatz steigern in der Gastronomie: Die 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren


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