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Wienerwald: Von 1.500 Filialen auf 20 — Was passiert wenn ein Gastronom den Fokus verliert

1.500.

Michael Krause
Michael Krause
23. September 202416 Min. Lesezeit
Wienerwald: Von 1.500 Filialen auf 20 — Was passiert wenn ein Gastronom den Fokus verliert

1.500.

Nein, nicht Euro. Nicht Gäste. Filialen.

1.500 Restaurants. Auf 5 Kontinenten. 30.000 Mitarbeiter. Bevor McDonald's in Deutschland auch nur EINE Filiale hatte, servierte Wienerwald Millionen Deutschen ihr Sonntagshuhn.

Friedrich Jahn baute das erste Restaurant-Imperium Deutschlands. Nicht McDonald's. Nicht Nordsee. Nicht Burger King. Ein Münchner Kaufmann mit einer Idee: Brathuhn für alle. Erschwinglich. Schnell. Jeden Tag.

Heute: geschätzt 20 Standorte. Die Hälfte davon kennt niemand unter 40.

Was ist passiert? Nicht McDonald's hat Wienerwald zerstört. Friedrich Jahn — der Mann der ALLES aufgebaut hatte — hat es selbst getan. Mit einer Entscheidung die jeder zweite erfolgreiche Gastronom irgendwann trifft:

"Ich bin gut in Restaurants. Also bin ich bestimmt auch gut in Hotels. Und Immobilien. Und..."

Er war es nicht.

Dies ist die Geschichte der klarsten Fokus-Lektion die die deutsche Gastronomie je gesehen hat. Und sie ist 2026 relevanter als je zuvor — für jeden Gastronomen der überlegt ob er Catering dazunehmen, ein zweites Konzept aufmachen oder einen Lieferservice starten soll, BEVOR sein Kerngeschäft bombenfest steht.

Was du in diesem Artikel erfährst:

  • Wie ein Brathuhn-Stand zum größten Restaurant-Imperium Deutschlands wurde
  • Warum Diversifikation in Hotels und Immobilien ein Milliarden-Unternehmen zerstörte
  • Was McDonald's Ankunft 1971 für Wienerwald bedeutete — und warum es nicht McDonald's war das Wienerwald besiegte
  • 5 Lektionen über Fokus die heute mehr gelten als je zuvor
Was Warum das wichtig ist
Die Fokus-Falle verstehen Du erkennst das Muster bevor du den gleichen Fehler machst
Diversifikation vs. Kerngeschäft abwägen Du weißt wann Expansion sinnvoll ist — und wann tödlich
McDonald's als Kontrast sehen Du verstehst warum FOKUS jeden "größeren" Wettbewerber schlägt

1955: Ein Hähnchen verändert Deutschland

München, Amalienstraße, 1955. Friedrich Jahn — geboren 1927, gelernter Kaufmann, kein Koch — eröffnet ein kleines Restaurant mit einer großen Idee.

Das Brathuhn.

In den 1950er Jahren war Brathähnchen in Deutschland ein Sonntagsessen. Etwas Besonderes. Teuer genug dass man es nicht jeden Tag aß. Jahn erkannte: Wenn er das Brathuhn erschwinglich machen konnte — schnell serviert, in einer gemütlichen Atmosphäre mit Wienerwald-Dekor — dann hätte er ein Produkt das jeden Tag funktioniert. Nicht nur sonntags.

Er hatte recht.

Das Konzept war revolutionär einfach: Halbes Hähnchen vom Drehspieß. Pommes Frites. Krautsalat. Ein Brötchen. Alles auf dem Teller, serviert in rustikalem Alpen-Ambiente. Der Preis: für die Mittelklasse erschwinglich. Nicht billig, nicht teuer. Genau richtig.

Deutschland hatte 1955 keine Restaurant-Ketten. Jedes Gasthaus war ein Einzelbetrieb. Jahn bewies als Erster dass ein standardisiertes, skalierbares Restaurant-Konzept in Deutschland funktionieren konnte. Er war der Pionier — nicht McDonald's, nicht Burger King, nicht Nordsee. Wienerwald war die ERSTE Kette.

Und die Kunden kamen. In Massen.


Das Imperium: Größer als McDonald's — 20 Jahre früher

Die Expansion war atemberaubend. Innerhalb von 15 Jahren — von 1955 bis 1970 — wuchs Wienerwald von einem Restaurant in München auf Hunderte Standorte in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In den 1970ern folgte die internationale Expansion: Niederlande, Belgien, USA, Kanada, Japan, sogar Südamerika. Auf dem Höhepunkt — Ende der 1970er, Anfang der 1980er — betrieb die Jahn-Gruppe geschätzt 1.500 Wienerwald-Restaurants weltweit. 30.000 Mitarbeiter. Ein geschätzter Umsatz von 1,5 bis 2 Milliarden D-Mark jährlich.

Zum Vergleich: McDonald's eröffnete seine erste deutsche Filiale am 4. Dezember 1971 in der Martin-Luther-Straße in München — Jahns Heimatstadt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wienerwald bereits über 1.000 Standorte.

Wienerwald war McDonald's. Nur 20 Jahre früher. Nur deutsch. Nur mit Hähnchen.

Und Friedrich Jahn war auf dem Gipfel. Der mächtigste Gastronom Deutschlands. Ein Selfmade-Milliardär der aus einer einfachen Idee — Brathuhn für alle — ein weltweites Imperium gebaut hatte.

Dann machte er den Fehler der alles zerstörte.


"Ich bin erfolgreich — also kann ich alles": Die Diversifikations-Falle

Irgendwann in den 1970ern traf Friedrich Jahn eine Entscheidung die Dutzende erfolgreiche Unternehmer vor und nach ihm getroffen haben. Er schaute sich sein Brathuhn-Imperium an — 1.500 Filialen, Millionen Umsatz, internationaler Erfolg — und dachte: Wenn ich DAS aufbauen konnte, kann ich ALLES.

Er begann zu diversifizieren.

Hotels. Jahn kaufte und baute Hotelimmobilien. Die "Wienerwald Hotels" wurden ein eigener Geschäftszweig — mit völlig anderen Anforderungen an Management, Personal und Kapital als ein Hähnchen-Restaurant.

Immobilien. Jahn investierte massiv in Gewerbeimmobilien. Er kaufte die Gebäude in denen seine Restaurants operierten — und darüber hinaus. Ein Immobilien-Portfolio das bald mehr Kapital band als das Restaurant-Geschäft.

Weitere Restaurant-Konzepte. Statt Wienerwald zu perfektionieren, startete Jahn zusätzliche Gastronomie-Marken. Andere Küchen, andere Konzepte — alle mit dem gleichen Managementteam und dem gleichen Kapital wie das Kerngeschäft.

Ein Einkaufs- und Großhandelsunternehmen. Die Jahn-Gruppe baute eine eigene Beschaffungsorganisation auf — das AEI (Auslands-Einkaufs-Institut). Ein Unternehmen das ursprünglich die Restaurants beliefern sollte, sich aber zu einem eigenständigen Großhändler entwickelte der Jahns Aufmerksamkeit fraß.

Jahn betrieb am Ende mindestens ein Dutzend verschiedener Geschäftsfelder. Hotels, die eine Auslastung von 365 Tagen im Jahr brauchen. Immobilien, die Finanzierungen, Mietverträge und Verwaltung erfordern. Andere Gastronomie-Konzepte, die eigene Speisekarten, eigenes Marketing und eigenes Personal brauchen. Und daneben: 1.500 Restaurants die seit Jahren keine Innovation mehr gesehen hatten.

Das Ironische: Jeder einzelne dieser Geschäftszweige hätte für sich genommen ein sinnvolles Unternehmen sein können. Aber zusammen — geführt von einem Mann der überzeugt war er könne alles gleichzeitig managen — wurden sie zur Waffe gegen das eigene Kerngeschäft. Jeder Euro der in ein Hotel floss, fehlte bei der Modernisierung einer Filiale. Jede Stunde die Jahn mit Immobiliendeals verbrachte, war eine Stunde weniger für die Frage: Was braucht mein Gast?

Das Ergebnis: Aus einem fokussierten Brathuhn-Unternehmen wurde ein unübersichtliches Konglomerat. Die "Jahn-Gruppe" umfasste Hotels, Immobilien, mehrere Restaurant-Marken und diverse Nebengeschäfte — zusammengehalten durch Schulden und die persönliche Kontrolle eines einzigen Mannes.

Und während Jahn seine Aufmerksamkeit auf Hotels und Immobilien richtete, passierte etwas Entscheidendes: Das Kerngeschäft — die 1.500 Wienerwald-Restaurants — bekam nicht mehr die Aufmerksamkeit die es brauchte.

Die Qualität schwankte. Die Standorte wurden nicht modernisiert. Die Speisekarte stagnierte. Der Service ließ nach. Nicht dramatisch. Schleichend. So wie es immer ist wenn der Chef nicht mehr hinschaut.

Und genau in diesem Moment kam McDonald's.


1971: McDonald's kommt nach Deutschland — und Wienerwald hat nichts entgegenzusetzen

Am 4. Dezember 1971 eröffnete die erste deutsche McDonald's-Filiale. In München. In Jahns Heimatstadt.

McDonald's brachte etwas mit das Wienerwald nie hatte: ein System.

Nicht nur ein Produkt. Ein SYSTEM. Standardisierte Prozesse. Identische Qualität in jeder Filiale. Schneller Service. Moderne Einrichtung. Aggressive Werbung. Und vor allem: einen kompromisslosen Fokus auf EINE Sache — Hamburger.

McDonald's machte nicht Hotels nebenbei. McDonald's kaufte keine Immobilien zum Spekulieren. McDonald's startete keine Nebengeschäfte. McDonald's machte Hamburger. Immer. Überall. Gleich.

Wienerwald hingegen war inzwischen ein Konglomerat geworden in dem das Hähnchen nur noch EIN Geschäftsfeld unter vielen war. Während McDonald's jeden Dollar in die Perfektionierung seines Systems steckte, steckte Jahn seine D-Mark in Hotels und Immobilien.

Der Wettbewerb war nie fair. Nicht weil McDonald's mehr Geld hatte. Sondern weil McDonald's FOKUS hatte.

Innerhalb eines Jahrzehnts — von 1971 bis 1981 — überholte McDonald's Wienerwald in Deutschland. Nicht in der Anzahl der Filialen. In der Relevanz. In der Wahrnehmung. In der Zukunftsfähigkeit.

Wienerwald sah plötzlich alt aus. Nicht weil es schlecht war. Sondern weil es stehen geblieben war — während es gleichzeitig versuchte in zu vielen Richtungen gleichzeitig zu wachsen.

Die Parallele zur deutschen Gastronomie 2026 ist schmerzhaft offensichtlich. In einer Zeit in der die Kostenstruktur aus einem gut geführten Restaurant ein Verlustgeschäft machen kann — Personalkosten über 40%, Reingewinn nahe null — gibt es genau zwei Strategien: Entweder du wirst in dem was du tust deutlich BESSER (mehr Marge pro Gast, bessere Auslastung, stärkere Bindung). Oder du fängst an in verschiedene Richtungen zu diversifizieren und hoffst dass irgendwo Geld hängenbleibt.

Wienerwald hat bewiesen welche Strategie in die Insolvenz führt. McDonald's, Texas Roadhouse und In-N-Out haben bewiesen welche funktioniert.

Was du daraus machst: Wenn ein Wettbewerber kommt der fokussierter ist als du — egal ob es ein neues Restaurant in deiner Straße ist oder eine Kette die in deinen Markt expandiert — hast du nur EINE Verteidigung: besser sein in dem was du BIST. Nicht in allem. In deiner SACHE. Wer über den Preis oder das Produkt allein positioniert ist, verliert gegen jeden der billiger oder besser ist. Wer über IDENTITÄT positioniert ist, verliert nur wenn er die Identität aufgibt. Genau das hat Jahn getan.


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1982-1984: Der Zusammenbruch

Anfang der 1980er Jahre war die Jahn-Gruppe überdehnt. Die Schulden aus Immobilien- und Hotelkäufen erdrückten das Unternehmen. Die Wienerwald-Filialen — das einzige Geschäft das tatsächlich Cash generierte — konnten die Verluste aus den Nebengeschäften nicht mehr auffangen.

1982 wurde die Krise akut. Jahn verlor die Kontrolle über große Teile seines Imperiums. Franchise-Nehmer rebellierten. Lieferanten forderten sofortige Bezahlung. Banken zogen Kreditlinien zurück.

Innerhalb von zwei Jahren — 1982 bis 1984 — brach alles zusammen. Hunderte Standorte schlossen. Die Hotels wurden verkauft. Die Immobilien gingen an die Gläubiger. Die Jahn-Gruppe existierte praktisch nicht mehr.

Friedrich Jahn, der mächtigste Gastronom den Deutschland je gesehen hatte, war ruiniert. Finanziell und persönlich.

Das ist der Moment in dem die Geschichte aufhört abstrakt zu sein und persönlich wird. Jahn war kein schlechter Gastronom. Er war einer der BESTEN. Er hatte etwas geschaffen das vor ihm niemand in Deutschland geschafft hatte. Und er verlor alles — nicht wegen mangelndem Talent, nicht wegen Pech, nicht wegen eines stärkeren Gegners. Sondern weil er vergaß was ihn stark gemacht hatte.

Er lebte den Rest seines Lebens in bescheidenen Verhältnissen. Weit weg von den Schlagzeilen, den Hotelsuiten und den 1.500 Filialen. Er starb 2008, 81 Jahre alt, in relativer Vergessenheit. Die meisten Nachrufe erinnerten an das Imperium — nicht an den Menschen dahinter.

In 23 Jahren Gastronomie-Beratung habe ich keinen einzigen Gastronomen getroffen der den Namen Friedrich Jahn kannte. Aber ich habe Dutzende getroffen die genau denselben Fehler machten — in kleinerem Maßstab. Die ihr gut laufendes Restaurant vernachlässigten weil sie gleichzeitig ein Catering aufbauten, ein zweites Lokal eröffneten und einen Lieferservice starteten. Die am Ende weder das eine noch das andere richtig machten.

Die Marke Wienerwald überlebte — als Schatten. Verschiedene Investoren und Franchise-Nehmer hielten eine Handvoll Standorte am Leben. Durch die 1990er, die 2000er, bis heute. Aber das was Wienerwald ausgemacht hatte — das Gefühl von "Sonntagshuhn für alle", die Wärme, die Einfachheit, die Verlässlichkeit — das war mit dem Zusammenbruch verschwunden. Was blieb war ein Name ohne Seele.


2026: Was von 1.500 Filialen übrig ist

Geschätzt 15-20 Wienerwald-Standorte existieren noch. Die meisten in München und Wien. Einzelne verstreut in anderen Städten. Keine einheitliche Kette mehr — eher eine lizenzierte Marke mit verschiedenen lokalen Betreibern.

Wer unter 40 ist, kennt Wienerwald meistens nicht. Wer über 60 ist, erinnert sich — mit Nostalgie. An das Sonntagshuhn mit der Familie. An die rustikale Holzeinrichtung. An den Geruch von Brathuhn der schon auf dem Parkplatz in der Nase lag. An eine Zeit in der "ins Wienerwald gehen" etwas Besonderes war — weil es erschwinglich genug war für jeden Freitag und gleichzeitig festlich genug für jeden Sonntag.

Diese emotionale Verbindung — die Erinnerung die Generationen verbindet — ist genau das was Wienerwald verloren hat als Jahn aufhörte sich um seine Gäste zu kümmern. Und es ist genau das was kein Hotel und keine Immobilie jemals ersetzen können.

Die Ironie: McDonald's — das Unternehmen das Wienerwald verdrängte — betreibt heute über 1.400 Filialen in Deutschland. Wienerwald hat 20.

Nicht weil McDonald's Hähnchen besser war als Wienerwald. Sondern weil McDonald's 70 Jahre lang fokussiert blieb. Und Wienerwald nicht.


5 Lektionen die jeder Gastronom aus Wienerwald mitnehmen muss

Lektion 1: Diversifikation killt — wenn das Kerngeschäft nicht bombenfest ist

Jahn diversifizierte in Hotels, Immobilien und andere Konzepte. Jedes davon band Kapital und Aufmerksamkeit — weg vom Kerngeschäft das den ganzen Laden finanzierte.

Das Muster sehe ich seit 23 Jahren bei Gastronomen: "Ich mache jetzt auch Catering." "Ich eröffne ein zweites Restaurant." "Ich starte einen Lieferservice." — Alles legitim. WENN das erste Restaurant wie eine Maschine läuft. Wenn die Marge stimmt. Wenn das Team steht. Wenn du nicht 60 Stunden die Woche im Laden bist.

Wenn NICHT — dann ist jede Diversifikation ein Weg dein Kerngeschäft zu schwächen. Nicht morgen. Schleichend. So wie bei Wienerwald.

Was du daraus machst: Bevor du IRGENDETWAS Neues startest, stelle eine einzige Frage: Läuft mein Kerngeschäft ohne mich? Kann ich eine Woche weg sein und es funktioniert? Wenn ja — diversifiziere mit Bedacht. Wenn nein — mach erst das Kerngeschäft besser.

Lektion 2: Dein USP ist nicht dein Produkt — es ist dein WARUM

Wienerwalds Produkt war Hähnchen. Aber Wienerwalds USP war NICHT das Hähnchen. Es war: "Sonntagsessen — jeden Tag, für jeden erschwinglich." Das war das Versprechen.

Als Jahn das Versprechen aus den Augen verlor — als Wienerwald nur noch EINS von vielen Geschäften in seinem Konglomerat war — verlor auch der Gast den Grund zu kommen.

Was du daraus machst: Was ist der GRUND warum Gäste zu DIR kommen? Nicht was du servierst. Warum sie kommen. Wenn du das nicht in einem Satz beantworten kannst, hast du ein Positionierungsproblem — und ein Positionierungsproblem ist gefährlicher als jeder Wettbewerber.

Lektion 3: Der gefährlichste Moment ist NACH dem Erfolg

Jahn war erfolgreich. 1.500 Filialen. Millionär. Der König der deutschen Gastronomie. Und genau in dem Moment — dem Moment des größten Erfolgs — traf er die Entscheidungen die alles zerstörten.

Erfolg erzeugt eine Illusion: Dass du gut in allem bist. Dass du die Regeln brechen kannst die dich hierher gebracht haben. Dass du unverwundbar bist.

Du bist es nicht.

Was du daraus machst: Wenn dein Restaurant gut läuft — GENAU DANN ist der Moment in dem du am vorsichtigsten sein musst. Nicht expandieren weil du es KANNST. Sondern optimieren was funktioniert. Systeme aufbauen die den Erfolg sichern. Und die Frage stellen: Was hat mich hierher gebracht — und tue ich es immer noch?

Lektion 4: Ein fokussierter Wettbewerber schlägt JEDEN Generalisten

McDonald's hatte weniger Filialen als Wienerwald. Weniger Geschichte. Weniger Mitarbeiter. Aber McDonald's hatte FOKUS. Jeder Dollar ging in EIN System. Jede Verbesserung betraf EIN Konzept. Jeder Manager arbeitete an EINER Sache.

Wienerwald verteilte seine Ressourcen auf Hotels, Immobilien, andere Marken und das Kerngeschäft. Das Ergebnis: In jedem einzelnen Bereich mittelmäßig statt in EINEM herausragend.

In-N-Out Burger macht seit 1948 das Gleiche — Burger, Fries, Shakes — und wächst bis heute. Texas Roadhouse macht seit 1993 das Gleiche — Steaks, Brötchen, Line Dance — und ist die größte Casual-Dining-Kette der USA. Fokus ist nicht sexy. Aber Fokus überlebt.

Lektion 5: DEIN Kerngeschäft ist dein wertvollstes Asset — behandle es so

Wienerwalds Restaurants finanzierten das gesamte Imperium. Sie waren das EINZIGE Geschäft das zuverlässig Cash generierte. Und genau diesem Geschäft wurde die Aufmerksamkeit entzogen — zugunsten von Hotels und Immobilien die Verluste machten.

Dein Restaurant ist dein Kerngeschäft. Es bezahlt deine Miete, dein Team, dein Leben. Wenn du die Qualität dieses Kerngeschäfts vernachlässigst — egal wofür — dann vernachlässigst du das Fundament auf dem alles steht.

Was du daraus machst: Was ist die eine Sache die DEIN Restaurant großartig macht? Und bekommt diese eine Sache deine VOLLE Aufmerksamkeit? Oder verdünst du sie — mit Nebenprojekten, Ablenkungen, Ideen die "auch noch" gemacht werden müssen? Wenn dein Kerngeschäft stärker wäre wenn du dich NUR darauf konzentrierst — dann tu das. Und mach alles andere DANACH. Oder NIE.


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Häufige Fragen zu Wienerwald

Wie viele Filialen hatte Wienerwald auf dem Höhepunkt?

Geschätzt 1.500 Standorte weltweit — in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, den USA, Kanada, Japan und Südamerika. Damit war Wienerwald in den späten 1970ern die größte Restaurant-Kette Europas und eine der größten weltweit — vor McDonald's Markteintritt in Deutschland.

Warum ist Wienerwald gescheitert?

Nicht an der Konkurrenz durch McDonald's allein — sondern an der Diversifikation des Gründers Friedrich Jahn in Hotels, Immobilien und andere Geschäftsfelder. Das Kerngeschäft (die Restaurants) bekam nicht mehr die Aufmerksamkeit und das Kapital das es brauchte. Als McDonald's 1971 mit kompromisslosem Fokus nach Deutschland kam, hatte Wienerwald nichts mehr entgegenzusetzen.

Gibt es Wienerwald heute noch?

Ja — aber nur noch geschätzt 15-20 Standorte, hauptsächlich in München und Wien. Keine einheitliche Kette mehr, sondern eine lizenzierte Marke mit verschiedenen lokalen Betreibern. Von den einst 1.500 Filialen ist weniger als 2% übrig.

Wer war Friedrich Jahn?

Geboren 1927 in München, gelernter Kaufmann, Gründer der Wienerwald-Kette (1955). Er baute das erste Restaurant-Imperium Deutschlands auf und war einer der ersten Gastronomen die bewiesen dass Ketten-Gastronomie in Deutschland funktioniert. Nach dem Zusammenbruch seines Konglomerats Anfang der 1980er Jahre lebte er in bescheidenen Verhältnissen und starb 2008 in relativer Vergessenheit.

Was hat Wienerwald mit McDonald's gemeinsam?

Beide begannen mit einem einfachen Produkt (Hähnchen bzw. Hamburger) und skalierten es zu einer Kette. Der Unterschied: McDonald's blieb fokussiert. Jeder Dollar ging in das Hamburger-System. Wienerwald diversifizierte in Hotels und Immobilien. McDonald's hat heute über 40.000 Standorte weltweit. Wienerwald hat 20.

Was ist die wichtigste Lektion aus der Wienerwald-Geschichte?

Fokus schlägt Diversifikation — solange der Fokus auf dem richtigen Ding liegt. Friedrich Jahn baute ein Imperium weil er EINE Sache brillant machte: Brathuhn für alle. Er zerstörte es weil er dachte er könne ALLES. Die Lektion für jeden Gastronomen: Mach dein Kerngeschäft großartig. Dann — und nur dann — denk über Expansion nach.


Fazit: Fokus ist nicht sexy — aber Fokus überlebt

Friedrich Jahn hat 1955 etwas Historisches getan. Er hat bewiesen dass ein Deutscher ein Restaurant-Konzept bauen kann das die Welt erobert. 1.500 Filialen. 30.000 Mitarbeiter. Ein Imperium.

Und dann hat er es zerstört. Nicht ein Wettbewerber. Nicht eine Krise. Nicht das Schicksal. Er selbst. Indem er vergaß was ihn groß gemacht hatte.

Ein Hähnchen. Eine Idee. Ein Fokus.

McDonald's hat denselben Markt erobert — nicht weil der Hamburger besser war als das Hendl. Sondern weil McDonald's 70 Jahre lang dasselbe gemacht hat. Konsequent. Jeden Tag. In jeder Filiale.

2026 ist die Versuchung größer denn je. Lieferservice starten. Catering dazunehmen. Zweites Konzept aufmachen. Social Media aufbauen. Events anbieten. Alles gleichzeitig.

Die Frage die du dir stellen musst — bevor du irgendetwas davon tust — ist die Wienerwald-Frage:

Läuft das was ich JETZT mache so gut dass es OHNE mich funktioniert?

Wenn ja: Dann — und nur dann — nimm dir etwas Neues vor.

Wenn nein: Dann mach das was du hast ERST richtig. Denn das was du jetzt vernachlässigst, ist genau das was dich irgendwann rettet. Oder — wenn du nicht aufpasst — das was dich ruiniert.

Die 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren — mehr neue Gäste, höherer Bon, häufigere Besuche, längere Bindung — sind alle auf EIN Restaurant anwendbar. Sie erfordern keine zweite Filiale, kein Catering, keinen Lieferservice. Sie erfordern FOKUS auf das was du bereits hast. Und sie bringen bei 10% Verbesserung pro Faktor weit über 40% Wachstum — ohne einen einzigen zusätzlichen Geschäftszweig.

Friedrich Jahn hätte das verstanden. 1982 war es zu spät.

Für dich ist es das nicht. Noch nicht.

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