Ein dänisch-japanischer Sushi-Yakitori-Hybrid hat seit 2017 drei Filialen in Berlin eröffnet. Kein Hamburg. Kein Frankfurt. Kein München. Kein Wien. Kein Zürich.
Die Marke heißt Sticks'n'Sushi. Gegründet 1994 in Kopenhagen. Seit Januar 2024 mehrheitlich im Besitz von McWin Food Ecosystem Fund. Seit 2025 hält Formel-1-Fahrer Fernando Alonso eine Beteiligung von über 20 Prozent. Group-CEO seit 2019: Andreas Karlsson. Globaler Bestand Ende 2024: 30 Restaurants plus 3 Catering-Küchen.
Und in DACH? Drei Filialen, alle in Berlin: Potsdamer Straße 85, Kantstraße 152, Torstraße 171.
Das ist das Ungewöhnliche an dieser Geschichte. Asian-Casual-Ketten aus UK oder Skandinavien probieren DACH normalerweise so: ein Schaufenster in Düsseldorf, eines in Frankfurt, eines in München. Drei Städte, drei Marketingbudgets, drei lokale Tests. Sticks'n'Sushi hat das Gegenteil gemacht: drei Standorte in einer Stadt, in neun Jahren, ohne erkennbares Drängeln Richtung anderer Metropolen.
Was diese Marke richtig macht, lässt sich für jeden DACH-Operator in vier Lektionen übersetzen.
TL;DR: Sticks'n'Sushi ist der seltene Premium-Casual-Asian-Erfolg in DACH – drei Berliner Filialen seit 2017 (Potsdamer Straße, Kantstraße, Torstraße), 18 bis 50 Euro pro Person je Daypart, dänisch-japanischer Hybrid aus Sushi plus Yakitori-Spießen plus Cocktailbar. Globaler Bestand Ende 2024: 30 Restaurants (12 DK, 15 UK, 3 DE). Mehrheits-Eigentümer seit Januar 2024: McWin Food Ecosystem Fund.
Was du in diesem Artikel lernst:
- Warum Sticks'n'Sushi in DACH nur in Berlin existiert und was das über Markteintritts-Geometrie aussagt
- Wie eine Hybrid-Speisekarte aus Sushi und Yakitori-Spießen roh-fisch-skeptische Gäste in den Sushi-Konsum führt
- Was McWin im Januar 2024 an der Marke gesehen hat und warum Fernando Alonso 2025 mehr als 20 Prozent gekauft hat
- Die 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren als Lektions-Skelett für DACH-Operatoren
| Was | Warum das wichtig ist |
|---|---|
| 3 DE-Filialen, alle Berlin (Potsdamer Straße seit 30.01.2017) | Stadt-Vertiefungs-Geometrie statt klassischer Multi-City-Test |
| 30 Restaurants global Ende 2024 (12 DK, 15 UK, 3 DE) | UK ist seit 2021 umsatzstärkster Markt der Gruppe |
| FY2022/23: 779 Mio DKK Revenue, 7,9 Prozent EBITDA-Marge | Premium-Casual-Sushi mit gehobener Operating-Marge |
| McWin-Übernahme ~95 Prozent Januar 2024 (EV ~80 Mio Euro) | Strategischer Foodservice-Fonds glaubt an die Skalierbarkeit |
| 18 bis 50 Euro pro Person Berlin Potsdamer Straße | Affordable-Luxury-Positionierung statt rigider Lunch-Dinner-Trennung |
Die Marke, die DACH nur in Berlin macht
Sticks'n'Sushi wurde am 22. März 1994 in Kopenhagen gegründet. Erste Filiale: Nansensgade 59 im 1366er Postleitzahlbezirk København K – bis heute Standort.
Die Gründer waren ungewöhnlich aufgestellt. Zwei Brüder, Jens Rahbek Hansen und Kim Rahbek Hansen, plus ihr Schwager Thor Andersen. Die Mutter der Brüder heißt Keiko Rahbek und ist Japanerin. Jens hatte vor der Gründung sechs Jahre in Japan gelebt und kam als ausgebildeter Yakitori-Koch zurück. Yakitori sind japanische gegrillte Spieße, klassisch mit Hähnchen, modern auch mit Schwein, Rind oder Gemüse, häufig mit Tare-Sauce oder Salz angerichtet.
Die Konzept-Architektur war eine Antwort auf ein dänisches Problem: Die meisten Gäste 1994 waren noch nicht bereit für rohen Fisch. Kim Rahbek Hansen entschied früh, dass die Speisekarte beides anbieten muss – Sushi für die Aufgeschlossenen, Yakitori-Spieße für die Skeptischen. So konnten Paare und Gruppen am selben Tisch sitzen, ohne dass jemand das Lokal verlassen musste, weil das Angebot fehlte. Diese Architektur ist bis heute Konzept-Kern.
Die Hybrid-Speisekarte ist keine Marketing-Idee gewesen. Sie war eine Eintritts-Architektur in einen Markt, der sonst gar nicht zu betreten war.
Bis 2013 wuchs die Marke organisch im Familienbesitz. Dann verkaufte die Familie 49 Prozent an Maj Invest Equity, eine dänische Beteiligungsgesellschaft. Founder Kim Rahbek Hansen blieb operativ bis April 2018, als er sich zurückzog. Group-CEO wurde 2019 Andreas Karlsson, der die Marke seitdem führt.
Im Januar 2024 verkaufte Maj Invest. Käufer: McWin Food Ecosystem Fund mit Co-Investor Polaris Flexible Capital. Beide übernahmen zusammen rund 95 Prozent. Enterprise Value laut Branchen-Berichten: rund 80 Millionen Euro. Im Jahr 2025 kam Fernando Alonso als Co-Investor dazu – der Formel-1-Fahrer hält seitdem über 20 Prozent.
Globaler Bestand Ende 2024: 30 Restaurants plus 3 Catering- und Delivery-Küchen. Verteilung: 12 in Dänemark (vor allem Großraum Kopenhagen), 15 in UK (London-Schwerpunkt plus Oxford und Cambridge, Glasgow als nächste Eröffnung angekündigt), 3 in Deutschland – alle Berlin. UK ist seit 2021 der umsatzstärkste Markt der Gruppe.
Wieso eröffnet Sticks'n'Sushi drei Filialen in Berlin und keine in Hamburg?

Antwort: Die Marke hat sich für Stadt-Vertiefung statt Stadt-Streuung entschieden. Drei Standorte in einer Stadt erlauben gemeinsame Logistik, kumulierten Marken-Aufbau bei der lokalen Zielgruppe und einen lokal-getakteten Daypart-Mix. Drei Standorte in drei Städten würden jedes Marketing-Budget dreifach verdünnen – bei jeweils einem einzelnen Lokal als Brückenkopf.
Der DE-Markteintritt war am 30. Januar 2017. Adresse: Potsdamer Straße 85, 10785 Berlin, ehemalige Druckhalle des Tagesspiegels. Im Mai 2017 schrieb die Zeitung über das Projekt:
„Hochehrgeiziges Projekt in den ehemaligen Räumen des Tagesspiegels an der Potsdamer Straße: Zwei Etagen, über hundert Plätze, eine Bar mitten im Raum und eine offene Küche." – Tagesspiegel, 08.05.2017
Zwei Etagen, über hundert Plätze, zentrale Bar, offene Küche. Das ist kein Probe-Format. Das ist ein Vollbetrieb-Lokal in einer Top-Lage, die Sticks'n'Sushi aus eigenen Mitteln bespielt. Es folgten Kantstraße 152 in Charlottenburg (zweite Eröffnung) und Torstraße 171 in Berlin-Mitte (dritte Eröffnung). Drei verschiedene Quartiere, drei verschiedene Mikro-Zielgruppen, alle innerhalb einer S-Bahn-Strecke.
Was diese Geometrie strategisch erzeugt: Eine Berlinerin, die in Charlottenburg wohnt und in Mitte arbeitet, kann mittags in der Kantstraße essen und abends in der Torstraße. Die Marke wird zur stetigen Begleiterin im Alltag. In Frankfurt und Hamburg könnte dieselbe Gästin die Marke höchstens einmal monatlich besuchen, weil sie 500 Kilometer auseinanderliegen.
Die Bezahlt-Mathematik dahinter ist auch ehrlich: Drei Lokale teilen sich denselben Wareneinkauf, dieselben lokalen Lieferanten, denselben Bewerbungs-Pool, dieselben PR-Beziehungen, dieselben Investitionen in lokale Visibility.
Drei Filialen in einer Stadt sind nicht ein Drittel der Reichweite von neun Filialen in neun Städten. Sie sind oft mehr.
Andreas Karlsson hat zur Wachstums-Strategie nach dem McWin-Deal gesagt:
„The sale to McWin marks a new chapter for Sticks'n'Sushi ... We will accelerate our growth in our existing markets, the UK, Denmark and Germany, but will also enter entirely new markets over the next five years." – Andreas Karlsson, Group-CEO, 31.01.2024
Beachten wir, was er nicht gesagt hat. Er hat nicht gesagt: „Wir gehen jetzt nach Hamburg, Frankfurt und München." Er hat gesagt: „Wir beschleunigen in unseren bestehenden Märkten." Bestehende Märkte sind UK, DK und DE – und DE bedeutet Berlin.
Was kostet Sticks'n'Sushi in Berlin pro Person?
Antwort: Laut Management-Aussage 18 bis 50 Euro pro Person je Daypart in der Potsdamer Straße. Diese Spanne bildet eine bewusste Bandbreite ab. Mittags eher untere Spanne, mit Set-Lunches und schnellen Spießen, abends eher obere Spanne, mit längerem Bar-Aufenthalt und mehrgängigem Sushi. Die Positionierung heißt offiziell „affordable luxury".
Diese Preisspanne ist kein Versehen. 18 Euro mittags öffnet das Lokal für die Mittags-Zielgruppe aus den umliegenden Büros. 50 Euro abends erlaubt einen Cocktail an der Bar, ein mehrgängiges Sushi-Menü und ein langes Gespräch. In London Richmond zeigt OpenTable eine vergleichbare Spanne von 45 bis 60 GBP – ein Beleg, dass die Affordable-Luxury-Range konsistent ist über die Märkte hinweg.
Vergleichen wir das mit den DACH-Asian-Alternativen. All-You-Can-Eat-Sushi-Buffets liegen meist bei 25 bis 35 Euro mit deutlich niedrigerer Wareneinsatz-Qualität. Fine-Dining-Japaner liegen bei 80 bis 200 Euro mit Reservierungszwang und Tasting-Menü. Sticks'n'Sushi besetzt den Korridor zwischen beiden – in dem die meisten gut verdienenden Berliner Stamm-Gäste sich am häufigsten bewegen.
Affordable Luxury ist die Erlaubnis, mehrmals im Monat wiederzukommen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Die Finanzkennzahlen der Gruppe stützen diese Positionierung. Im Geschäftsjahr 2022/23 lag der Gruppenumsatz bei 779 Millionen Dänischen Kronen, was etwa 104 Millionen Euro entspricht. EBITDA: 61,4 Millionen DKK, also eine EBITDA-Marge von 7,9 Prozent. Das ist eine gehobene Marge für ein Restaurant-Geschäft, insbesondere für eines mit Cocktailbar und designorientierten Räumen.
UK-Revenue FY2024: 86,8 Millionen GBP, mit Adj. EBITDA von 6,6 Millionen GBP. Pretax-Loss: minus 9,7 Millionen GBP – Resultat der Expansions-Kosten, die in der Bilanz noch nicht durch das volle Umsatz-Run-Rate amortisiert sind. In einer Statement gegenüber der The Caterer sagte Sticks'n'Sushi bereits Ende 2021:
„Today our British restaurants have overtaken the Danish market in terms of revenue, and I expect it to remain our largest market in 2022." – Sticks'n'Sushi, The Caterer, 01.12.2021
Die 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren am Sticks'n'Sushi-Case
Jedes Restaurant kann nur auf vier Arten wachsen – die 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren: mehr Kundenanzahl, höherer Bon pro Gast, höhere Wiederkehrrate und längere Kundenbindungsdauer. Wer alle vier um nur 15 Prozent verbessert, erreicht rund 75 Prozent Umsatz-Plus. Sticks'n'Sushi hat über drei Jahrzehnte alle vier Faktoren konsequent bewirtschaftet.
Wachstumsfaktor 1: Bon pro Gast über Hybrid-Speisekarte plus Cocktailbar
Die Hybrid-Speisekarte aus Sushi-Variation, Yakitori-Spießen und Hot Dishes bedient mehrere Bestell-Anker am selben Tisch. Eine Tischrunde aus vier Personen kann gleichzeitig Sashimi, Hähnchen-Yakitori, ein vegetarisches Spieß-Set und ein warmes Reisgericht bestellen. Das hält die Speisekarte für Gruppen attraktiv, in denen nicht alle Sushi-affin sind.
Dazu kommt die Cocktailbar – in der Potsdamer Straße ist die Bar mittig im Raum platziert. Cocktails an der Bar oder am Tisch heben den Bon pro Gast deutlich. Ein Sushi-Menü ohne Bar liegt vielleicht bei 28 Euro. Mit zwei Cocktails ist man bei 44 Euro. Das ist die Mathematik, die die 18 bis 50 Euro pro Person erklärt.
Was DACH-Operatoren daraus lernen: Speisekarten-Architektur, die roh-fisch-skeptische, vegetarische oder konservative Gäste mitnimmt, erhöht die Tisch-Konvertierung und den Bon pro Gast gleichzeitig. Eine Bar als Konzept-Pfeiler statt als Beifang verschiebt den Bon nach oben, ohne dass das Lokal teurer wirkt.
Wachstumsfaktor 2: Kundenanzahl über Stadt-Vertiefung statt Stadt-Streuung
Drei Filialen in Berlin sammeln gemeinsam eine Berliner Stamm-Kundschaft. Eine Stamm-Gästin, die in Charlottenburg arbeitet und in Mitte wohnt, kann an drei Wochentagen drei verschiedene Sticks'n'Sushi-Lokale besuchen, ohne dass es ihr langweilig wird. Drei Filialen in drei Städten würden dieselbe Berlinerin nie wieder erreichen.
Die meisten ausländischen Asian-Casual-Ketten, die in DACH gescheitert sind, haben es umgekehrt gemacht: ein Test-Lokal in Frankfurt, eines in München, eines in Berlin. Nach wenigen Jahren waren in den Pilot-Lokalen meist nicht genug Stammgäste aufgebaut, weil das Marketing-Budget zu dünn verteilt war.
Was DACH-Operatoren daraus lernen: Markteintritts-Geometrie ist eine strategische Entscheidung, keine logistische. Drei Lokale in Berlin sind häufig die stärkere Strategie als drei Lokale in Berlin, Hamburg und München.
Wachstumsfaktor 3: Wiederkehrrate über Top-Standort plus Daypart-Mix
Potsdamer Straße 85 ist nicht irgendein Standort. Es ist die ehemalige Tagesspiegel-Druckhalle, ein Berliner Kulturdenkmal mit Vor-Geschichte. Kantstraße 152 liegt in Charlottenburg-Premium, einem Quartier mit hoher Kaufkraft. Torstraße 171 ist im Hipster-Mitte, wo eine andere Gäste-Demographie tagtäglich vorbeikommt.
Jeder Standort ist auf seine Mikro-Zielgruppe kalibriert. Und alle drei bedienen einen breiten Daypart-Mix: Lunch ab 12 Uhr, After-Work-Cocktail ab 17 Uhr, Dinner ab 19 Uhr, Late-Night-Bar bis Mitternacht. Wer das Lokal kennt, kommt zu verschiedenen Tageszeiten für verschiedene Anlässe.
Was DACH-Operatoren daraus lernen: Standortwahl ist ein Conversion-Treiber. Ein Top-Standort an der richtigen Adresse zieht Gäste an, die ohne diese Adresse nicht gekommen wären. Und ein bewusst breiter Daypart-Mix vervielfacht die Anlässe, zu denen dieselbe Gästin wiederkommt.
Wachstumsfaktor 4: Kundenbindungsdauer über dänisch-japanische Service-Hybridisierung
Der Service in Sticks'n'Sushi ist ein selten gehörter Hybrid: dänische Lockerheit kombiniert mit japanischer Präzision. Skandinavische Restaurants sind bekannt für ihre Du-zugewandte, unaufgeregte Atmosphäre. Japanische Restaurants sind bekannt für ihre Präzision in Timing, Anrichten und Tisch-Choreografie. Sticks'n'Sushi nimmt von beiden das Beste.
Diese Hybrid-Atmosphäre erzeugt eine emotionale Anker-Klasse, die Sticks'n'Sushi „affordable luxury" nennt. Affordable, weil das Lokal nicht steif ist. Luxury, weil das Erlebnis in jedem Detail durchdacht ist. Die emotionale Zugänglichkeit ist es, die aus einem Erst-Besucher einen Stammgast macht, der über Jahre wiederkommt.
Was DACH-Operatoren daraus lernen: Service-Pattern lassen sich kreuzen. Bayrische Gemütlichkeit plus französische Präzision. Norddeutsche Sachlichkeit plus italienische Wärme. Wer die emotionalen Codes seiner Zielgruppe versteht und sie mit operativer Disziplin kombiniert, baut Stammgäste auf, deren Kundenbindungsdauer über Jahre wächst statt nach 18 Monaten zu enden.
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Wagamama-DE-Lücke und Sticks'n'Sushi-Berlin-Erfolg im Vergleich

Eine Marken-Geschichte wird klarer im Vergleich. Wagamama ist die andere UK-bekannte Asian-Casual-Marke. Gegründet 1992 in London Bloomsbury von Alan Yau. Franchise heute in 22 Ländern.
In DACH? Es gibt keinen verifizierbaren offiziellen Wagamama-Standort. Es gab Pressespekulationen über einen Düsseldorf-Test, aber keine bestätigte Eröffnung auf der Corporate-Website. Mehr zur Wagamama-DE-Lücke und der Asian-Casual-Marktlücke im DACH-Raum findest du in unserem Artikel über die Bekanntheit von UK-Restaurant-Ketten in Deutschland.
Sticks'n'Sushi hat dagegen seit 2017 drei aktive Berliner Standorte. Beide Marken kommen aus dem gleichen Asian-Casual-Genre. Beide haben UK- oder DK-Wurzeln. Eine hat es konsequent in einer Stadt vertieft. Die andere hat es nicht durchgezogen.
Die Kategorisierung ist wichtig: Wagamama ist Fast-Casual-Asian mit Bowl-Schwerpunkt und Counter-Service. Sticks'n'Sushi ist Premium-Casual mit Full-Service, Cocktailbar und Daypart-Mix. Das sind zwei verschiedene Markt-Slots. Die Frage ist nicht, warum Wagamama die DACH-Lücke nicht geschlossen hat. Die Frage ist, warum Sticks'n'Sushi mit nur drei Lokalen ein dauerhafter DACH-Erfolg geblieben ist.
Die Antwort liegt in der Geometrie. Drei Lokale, eine Stadt, neun Jahre. Brand-Verfestigung, lokale Stammkundschaft, geteilte Logistik. Wer einen ähnlichen Service- und Bar-Charakter aus China bringt, sieht eine vergleichbare Markt-Dynamik bei Haidilao Hotpot – das chinesische Hotpot-Konzept, das mit Service-Theater seine eigene DACH-Test-Phase betreibt.
Warum McWin und Alonso 2024 und 2025 gekauft haben
Im Januar 2024 verkaufte Maj Invest Equity ihre 49-Prozent-Beteiligung. Käufer war McWin Food Ecosystem Fund mit Polaris Flexible Capital als Co-Investor. Zusammen übernahmen sie rund 95 Prozent der Anteile. Enterprise Value: rund 80 Millionen Euro laut Branchen-Berichten.
McWin ist ein europäischer Foodservice-Fonds mit Schwerpunkt auf skalierbaren Restaurant-Marken. Die McWin-These bei Sticks'n'Sushi: Die Marke hat operative Profitabilität bewiesen, ein klares Konzept-Profil, einen UK-Markt mit weiterem Wachstumspotenzial und eine DACH-Plattform in Berlin als Sprungbrett.
Thomas Riis, Partner bei Maj Invest Equity, hat zum Verkauf gesagt:
„We are selling a company that has never had more guests and delivered record-high revenue and profits last year." – Thomas Riis, Maj Invest Equity, 31.01.2024
Drei Jahre Rekord-Umsatz in Folge. 779 Millionen DKK im Geschäftsjahr 2022/23. EBITDA-Marge 7,9 Prozent. Das ist die operative Substanz, die einen 80-Millionen-Euro-Enterprise-Value erklärt.
Im Jahr 2025 stieg Fernando Alonso ein. Der spanische Formel-1-Fahrer hält seitdem über 20 Prozent an Sticks'n'Sushi. Diese Beteiligung ist eine Bonus-Story – die strategische Achse bleibt McWin plus die operative Founder-DNA. Aber sie zeigt, dass die Marke jenseits der Foodservice-Branche als attraktive Beteiligung wahrgenommen wird.
Was DACH-Operatoren daraus lernen: Eine Marke, die operativ profitabel ist und ein klares Konzept-Profil hat, wird auf den Kapitalmärkten geschätzt. 30 Restaurants reichen, wenn die Marge und der Wachstumspfad stimmen.
Die DACH-Zukunft: McWin nennt Frankreich, nicht Hamburg

In der McWin-Pressemeldung vom Januar 2024 wurden die nächsten 5-Jahres-Schritte angekündigt: Beschleunigung in UK, DK und DE, plus neue Märkte – Frankreich war als erster konkreter neuer Markt genannt. DACH-Erweiterung über die nächsten fünf Jahre wurde erwähnt, aber ohne konkrete Standorte.
Bis Mai 2026 sind keine neuen DE-Standorte angekündigt. Die drei Berliner Filialen bleiben die einzigen in DACH. Glasgow wurde als nächste UK-Eröffnung bestätigt. Frankreich ist in Vorbereitung.
Was das für DACH-Operatoren bedeutet: Sticks'n'Sushi ist aktuell kein direkter Wettbewerber in Hamburg, München, Wien oder Zürich. Aber das Konzept-Profil ist bekannt. Wer in einer dieser Städte eine Asian-Casual-Premium-Position aufbauen will, hat einen Marktslot vor sich, der noch nicht besetzt ist. Die Frage ist, ob ein lokaler Operator schneller ist als die nächste internationale Welle.
Über die Frage, warum die meisten internationalen Ketten in DACH scheitern und welche Konzepte tatsächlich Bestand haben, findest du Antworten im Hub 50 Ketten, 1 Wahrheit: Warum Restaurants scheitern und überleben und im Schwester-Artikel Warum Restaurantketten scheitern.
Häufige Fragen
Wem gehört Sticks'n'Sushi?
Seit Januar 2024 gehört Sticks'n'Sushi mehrheitlich McWin Food Ecosystem Fund mit etwa 95 Prozent der Anteile, gemeinsam mit Polaris Flexible Capital als Co-Investor. Seit 2025 hält Formel-1-Fahrer Fernando Alonso eine Beteiligung von über 20 Prozent. Group-CEO ist seit 2019 Andreas Karlsson. Gründer Kim Rahbek Hansen ist seit April 2018 nicht mehr operativ tätig.
Wo gibt es Sticks'n'Sushi in Deutschland?
Es gibt drei Standorte, alle in Berlin: Potsdamer Straße 85 (Tiergarten, eröffnet am 30. Januar 2017), Kantstraße 152 (Charlottenburg) und Torstraße 171 (Berlin-Mitte). Keine Filialen in Hamburg, Frankfurt, München, Österreich oder der Schweiz.
Wann wurde Sticks'n'Sushi gegründet?
Sticks'n'Sushi wurde am 22. März 1994 in Kopenhagen gegründet. Erste Filiale: Nansensgade 59 im 1366er Postleitzahlbezirk København K – bis heute Standort. Gründer waren die Brüder Jens und Kim Rahbek Hansen gemeinsam mit ihrem Schwager Thor Andersen. Die Mutter der Brüder, Keiko Rahbek, ist Japanerin.
Was ist Yakitori?
Yakitori sind japanische gegrillte Spieße. Klassisch werden sie mit Hähnchen-Stücken zubereitet, in moderneren Varianten auch mit Schwein, Rind oder Gemüse. Bei Sticks'n'Sushi bilden Yakitori-Spieße den zweiten Konzept-Pfeiler neben dem Sushi – als Eintritts-Architektur für Gäste, die rohen Fisch nicht so gern essen.
Wie teuer ist Sticks'n'Sushi pro Person?
In Berlin Potsdamer Straße liegt die Spanne bei 18 bis 50 Euro pro Person je nach Daypart laut Management-Angaben. In London Richmond zeigt OpenTable eine vergleichbare Range von 45 bis 60 GBP. Die offizielle Positionierung heißt „affordable luxury".
Wie viele Sticks'n'Sushi-Filialen gibt es?
Ende 2024 hatte die Gruppe 30 Restaurants plus 3 Catering- und Delivery-Küchen. Verteilung: 12 in Dänemark, 15 in UK, 3 in Deutschland (alle Berlin). Glasgow ist als nächste UK-Eröffnung angekündigt. UK ist seit 2021 der umsatzstärkste Markt der Gruppe.
Was bedeutet Sticks'n'Sushi?
„Sticks" steht für die Yakitori-Spieße, „Sushi" für die klassische Sushi-Variation mit Maki, Nigiri und Sashimi. Konzept-Architektur: Sushi für die einen, Spieße für die anderen – als Eintritts-Architektur für Gäste, die rohen Fisch zunächst meiden.
Hat Sticks'n'Sushi ein Mittagsmenü?
Ja, alle drei Berliner Filialen bedienen einen breiten Daypart-Mix von Lunch über After-Work bis Dinner und Late-Night-Bar. Die Bon-Spanne liegt bei 18 bis 50 Euro pro Person je nach Daypart und Auswahl.
Gibt es Sticks'n'Sushi in Österreich oder der Schweiz?
Nein. In Österreich gibt es null Filialen, in der Schweiz ebenfalls null. Die McWin-Strategie nennt DACH als Erweiterungs-Ziel über die nächsten fünf Jahre, aber bisher sind keine konkreten Standorte außerhalb Berlins angekündigt. Als nächster neuer Markt steht Frankreich im Plan.
Was eine Sushi-Yakitori-Kette aus Kopenhagen deinem DACH-Restaurant heute sagt
Sticks'n'Sushi ist kein Trend-Konzept. Es ist eine 32 Jahre alte Marke, die in DACH konsequent gewachsen ist – in einer einzigen Stadt, mit drei Lokalen, mit einer Hybrid-Speisekarte, die roh-fisch-skeptische Gäste in den Sushi-Konsum führt.
Drei Sätze, die du dir merken solltest:
Stadt-Vertiefung schlägt Stadt-Streuung, wenn das Konzept eine Stamm-Kundschaft braucht. Drei Lokale in einer Stadt sammeln gemeinsam eine lokale Wiederkehr-Mathematik, die drei verstreute Lokale nie aufbauen.
Eine Hybrid-Speisekarte ist eine Eintritts-Architektur in einen Markt, der sonst unzugänglich wäre. Sushi plus Yakitori bedient die rohen-Fisch-Liebhaber und die Spieße-Esser am selben Tisch. Wer in DACH ein neues Konzept aufbaut, sollte fragen: Welche Gäste-Gruppe nehme ich mit, statt sie an der Tür stehen zu lassen?
Affordable Luxury ist die Erlaubnis, mehrmals im Monat wiederzukommen. 18 bis 50 Euro pro Person erlaubt Mittag, After-Work und Dinner an drei verschiedenen Wochentagen. Ein Premium-Lokal, in dem niemand sich rechtfertigen muss, baut Stammgäste auf, die über Jahre bleiben.
Die 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren sind alle in diesem Case sichtbar: Bon pro Gast über Hybrid-Karte plus Bar, Kundenanzahl über Stadt-Vertiefung, Wiederkehrrate über Top-Standort plus Daypart-Mix, Kundenbindungsdauer über dänisch-japanische Service-Hybridisierung. Über das größere Bild zur Frage, warum manche Konzepte in DACH bestehen und viele scheitern, findest du Antworten im Vertiefungs-Artikel Die leere Mitte der deutschen Gastronomie.
Drei Lokale, eine Stadt, neun Jahre. Das ist die DACH-Strategie, die Sticks'n'Sushi gewählt hat. Was wäre deine?
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